Wahlen in Baden AG

24. September 2017 17:41; Akt: 24.09.2017 20:00 Print

Selfie-Affäre war wohl zu viel - Geri Müller abgewählt

Die Badener haben ihren Stadtammann Geri Müller abgewählt - auch als gewöhnliches Mitglied der Regierung. Der 56-Jährige war 2014 wegen der Nackt-Selfie-Affäre in den Schlagzeilen.

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Bei einer Wahlbeteiligung von 53,8 Prozent übersprang Geri Müller bei der Stadtratswahl zwar das absolute Mehr von 2519 Stimmen um 162 Stimmen. Doch Müller schied als überzählig aus. Acht weitere Kandidierende für die sieben Stadtratssitze lagen vor ihm über dem absoluten Mehr. Nur eine FDP-Kandidatin schnitt noch schlechter ab.

Im Kanton Aargau kann nur Stadt- oder Gemeindeammann werden, wer auch als gewöhnliches Mitglied der Exekutive gewählt wurde. Bei der hinfälligen Wahl zum Stadtammann verpasste Müller das absolute Mehr von 2919 Stimmen deutlich um 1269 Stimmen. Müller war seit 2013 Stadtammann von Baden; seit 2006 gehörte der frühere Nationalrat dem Stadtrat an.

Fürstliche Rente für Abgewählte

Müller ist erwartungsgemäss enttäuscht über den Ausgang: «Es tut mir leid für alle, die mich unterstützt haben», sagt er zu 20 Minuten. Er habe im Vorfeld ein gutes Gefühl gehabt, die Wiederwahl zu schaffen: «Die Rückmeldungen auf der Strasse waren positiv.»

Welchen Einfluss die Nackt-Selfie-Affäre auf die Abwahl gehabt habe, könne er nicht sagen: «Es gibt wohl verschiedene Gründe, ich muss dies zuerst analysieren», sagt Müller. Seine berufliche Zukunft sei völlig offen, «ich habe keinen Plan B.» Als abgewählter Stadtrat erhält er die Hälfte seines Jahreslohns von 272'000 Franken noch während zwei Jahren als Rente.

Vizeammann Schneider liegt vorne

Das beste Resultat im ersten Wahlgang für das Stadtoberhaupt erzielte Vizeammann Markus Schneider (CVP, 2239 Stimmen), gefolgt von Erich Obrist (parteilos/1229 Stimmen). Die Stichwahl findet am 26. November statt.

Ausser Müller wurden alle bisherigen Mitglieder der Stadtregierung bestätigt. Das sind Markus Schneider (CVP), Ruth Müri (team baden), Regula Dell'Anno-Doppler (SP), Matthias Gotter (CVP) und Erich Obrist (parteilos). Neu in die Exekutive gewählt wurden Philippe André Ramseier (FDP) und die Quereinsteigerin Sandra Kohler (parteilos).

Nacktbilder aus dem Stadthaus

Stadtammann Müller war im Sommer 2014 ins nationale Rampenlicht gerückt worden. Die damalige Zeitung «Schweiz am Sonntag» berichtete, dass Müller aus seinem Stadthausbüro einer Chat-Bekannten Nacktbilder von sich geschickt habe. Danach soll er sie zum Löschen der Mitteilungen aufgefordert haben.

Als Folge der «Nackt-Selfie»-Affäre entband die Stadtexekutive Müller vorübergehend von seinen Führungs- und Repräsentativaufgaben. Die Oberstaatsanwaltschaft Aargau verzichtete darauf, ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs gegen Müller einzuleiten. Bei den Nationalratswahlen im Herbst 2015 trat Müller nicht mehr an.

Die ehemalige Chat-Partnerin wurde im vergangenen Jahr von der Staatsanwaltschaft Jura-Seeland in Biel BE per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Die im Kanton Bern wohnhafte Frau wurde wegen Beschimpfung, übler Nachrede, versuchter Nötigung, Urkundenfälschung und unbefugten Aufnehmens von Gesprächen für schuldig befunden.

(sda/rom)