Ahornbaum beschnitten

07. Dezember 2011 08:01; Akt: 06.12.2011 23:30 Print

Senior vor Gericht

von Attila Szenogrady - Nicht immer kommen Schwerkriminelle vor das Strafgericht. Seit Dienstag steht ein braver Senior vor den Schranken. Laut Anklage hat der 77-jährige Stadtzürcher vor seinem Haus einem Baum illegal zwei Aeste absägen lassen.

Fehler gesehen?

Als der pensionierte Kaufmann in den letzten beiden Jahren zwei Mal seinen Gärtner losschickte, ahnte er noch nicht, dass er im Begriff war, seinen eigenen Ast abzusägen. Ein Ahornbaum vor seinem Haus nahm seinen Geranien nicht nur das Licht weg, sondern sorgte regelmässig für einen lästigen Laubbefall. Der Rentner hatte zuvor vergeblich das Gartenbauamt gebeten, die Aeste zurückzuschneiden.

Verzeigt und angeklagt

Schliesslich handelte der Senior auf eigene Faust und liess laut Anklage durch seinen Gärtner zwei starke Aeste abschneiden. Der Schönheitsfehler war, dass der fragliche Baum auf öffentlichem Grund stand. Im April 2010 fiel zwei städtischen Strassenarbeitern eine der Sägeaktionen auf. Sie erstatteten Bericht. Mit massiven Folgen. So muss sich der Hausbewohner seit Dienstag wegen mehrfacher Sachbeschädigung am Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihm droht neben einer bedingten Geldstrafe von 14 Tagessätzen zu 160 Franken eine Busse von 500 Franken. Zudem macht die Stadt Zürich einen Schaden von rund 2 723 Franken geltend.

Noch kein Urteil

An der Prozesseröffnung beteuerte der Angeklagte seine Unschuld und liess seinen Verteidiger auf einen Freispruch plädieren. Dieser machte geltend, dass die Strafanzeige von keinem Departementsvorsteher unterzeichnet worden und damit ungültig sei. Zudem kam am Prozess heraus, dass einer der Aeste möglicherweise während eines Winters von der Stadt Zürich gestutzt worden sei. Das Gericht wollte deshalb noch weitere Abklärungen treffen und setzte einen Entscheid aus. Ein Urteil wird deshalb erst im nächsten Jahr erwartet.