Bezirksgericht Hinwil

12. Februar 2019 10:26; Akt: 12.02.2019 10:26 Print

Freispruch für Sex mit «hackedichtem Teenager»

Ein junger Mann soll an einer Party eine schwer «verladene» und darum urteilsunfähige 16-Jährige missbraucht haben. Das Gericht sprach ihn aber frei.

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In einer Mai-Nacht im Jahr 2017 feierte eine Jugendliche ihren 16. Geburtstag in einem Partyclub im Zürcher Oberland. Laut Anklageschrift konsumierte sie «wahllos Alkohol und wohl verschiedene Drogen», darunter offenbar auch das als Droge missbrauchte Narkosemittel Ketamin, wie sie gegenüber verschiedenen Besuchern sagte.

Gemäss Anklageschrift hatte die 16-Jährige mit einem jungen Mann gegen 2 Uhr Geschlechtsverkehr auf der Damentoilette. Nach ein paar Monaten erstattete die Jugendliche Anzeige, der Staatsanwalt klagte den Mann schliesslich wegen Schändung an, wie der «Zürcher Oberländer» schreibt.

«Völlig neben der Spur»

Die Jugendliche, die laut Zeugen an jenem Abend im Club «hackedicht» und «völlig neben der Spur» war und sich selber an kaum mehr etwas erinnern konnte, sei «handlungs- und urteilsunfähig» gewesen, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Und diesen für den Mann erkenn­bare Zustand, in dem «sie keinerlei Ahnung hatte, wie ihr geschah», habe der Mann zum Sex aus­genützt.

Für den heute 21-jährigen Beschuldigten forderte der Staatsanwalt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, von denen ein Jahr zu vollziehen sei. Die Vertreterin der jungen Frau verlangte 15'000 Franken Genugtuung.

Lediglich als angetrunken eingestuft

Am Bezirksgericht Hinwil gab der Beschuldigte auch zu, dass es im Club zu Sex gekommen sei. Er habe jedoch nicht den Eindruck gehabt, dass die damals 16-Jährige willenlos und apathisch gewesen sei. Er habe sie lediglich ein wenig angetrunken eingestuft. Auf die Toilette sei er mit der Jugendlichen aus gutem Willen mitgegangen. Rückwirkend stufe er das Verhalten als naiv und blöd ein.

Schliesslich sprach ihn das Gericht im Hauptvorwurf der Schändung frei. Dies, weil schlicht nicht belegt war, dass die Jugendliche derart «verladen» und deshalb absolut urteilsunfähig war, wie es der Tatbestand der Schändung erfordert.

(som)