16'659 Franken verloren

21. Januar 2020 09:00; Akt: 21.01.2020 15:59 Print

28-Jährige wird nach Geldaufruf angefeindet

Edra Kükmen hat ihr Erspartes verloren. Nach einem öffentlichen Suchaufruf folgten heftige Kommentare in den sozialen Medien.

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Edra Kükmen hat ein Couvert mit 16'659 Franken drin verloren. Nachdem die Zürcherin dieses im Auto seitlich bei der Fahrertüre reingelegt hatte, war es zwei Tage später nicht mehr da. Sie ist überzeugt, dass es beim Ein- und Aussteigen am Samstag rausgefallen sein muss.

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20 Minuten berichtete am Donnerstag über das Schicksal der alleinerziehenden Mutter und startete öffentlich einen Aufruf. Jedoch ohne Erfolg: Von dem Bargeld fehlt immer noch jede Spur, wie die 28-Jährige sagt. Das bestätigt auch Florian Grossmann, Medienchef bei der Kantonspolizei Schwyz: «Bis heute hat sich niemand bei der Kantonspolizei Schwyz gemeldet und den Fund des Geldes mitgeteilt.»

Negative Kommentare auf Facebook

Wie die 28-Jährige auf Anfrage sagt, waren die Reaktionen auf Social Media ziemlich heftig. Zahlreiche Facebook-Nutzer äusserten sich negativ: «Kein Wunder, da wo sie herkommt, ist Dummheit angeboren», schreibt ein User. Und ein anderer meint: «Selber schuld, die blöde Kuh.»

Einige Nutzer behaupten sogar, dass die 28-Jährige den Verlust erfunden habe. Dabei bestätigt die Kantonspolizei Schwyz, dass eine entsprechende Verlustmeldung eingegangen ist. Dafür musste Kükmen bei der Polizei den Bankauszug, der den Bezug der Summe zeigt, vorweisen. Dazu sagt Grossmann: «Der rechtmässige Besitzer des Geldes oder eines Fundgegenstandes muss gegenüber der Polizei den Beweis erbringen, dass er das Geld oder den Gegenstand tatsächlich verloren hat.»

Versicherungsbetrug unterstellt

Zusätzlich zu den Lügenvorwürfen wird der alleinerziehenden Mutter auf Facebook auch Versicherungsbetrug unterstellt. Martin Eling, Professor an der Uni St. Gallen und unabhängiger Versicherungsexperte, sagt dazu: «Grundsätzlich kann man sich im Rahmen einer Hausratversicherung gegen Diebstahl versichern. Ein solcher Schutz kann auch Bargeld umfassen.»

Er betont aber, dass es sich in dem vorliegenden Fall offensichtlich nicht um einen Diebstahl, sondern um einen reinen Verlust handelt. «Ein reiner Verlust ist im Gegensatz zum Diebstahl im Allgemeinen nicht in der Grunddeckung vorhanden.» Die Versicherung bezahle in diesem Fall nur, wenn etwas gestohlen wurde – nicht aber, wenn etwas verloren wurde.

«Bargeld im grösseren Umfang gegen einen reinen Verlust zu versichern, erscheint mir aber sehr unüblich», so Eling. Er fügt an: «Insofern würde es mich im vorliegenden Fall sehr überraschen, wenn es sich tatsächlich um einen Versicherungsbetrug handeln sollte.»

Unterstützung angeboten

Zu den ganzen Kommentaren sagt die 28-Jährige: «Schade, dass es solche hasserfüllten Menschen in unserer Gesellschaft gibt. Gott sei Dank bin ich eine erwachsene Frau und kann diese negativen Bemerkungen ausblenden.» Sie betont aber: «Man sollte nicht vergessen, dass Mobbing dieser Art schon Teenager das Leben gekostet hat.» Die 28-Jährige fügt an: «Ich finde, wir sollten viel mehr zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen.»

Neben den negativen Kommentaren haben sich aber auch mehrere Leser bei 20 Minuten gemeldet, die der alleinerziehenden Mutter helfen möchten. So meint ein Leser: «Ich weiss, wie das ist, wenn man sich in einer Notsituation befindet.» Auch wenn er selber nicht im Überfluss lebe, so will er der Frau seine Unterstützung anbieten: «Die muss ja nicht zwingend finanziell sein. Vielleicht kann man auch Möbel, die man nicht mehr braucht, spenden.» Er fügt an: «Die negativen Kommentare sind wirklich gemein. Wenn man nicht helfen will oder kann, dann soll man es lassen. Die Frau so fertigzumachen, ist inakzeptabel.»

Weitere Leser schlagen ein Crowdfunding vor: «Als ich die Geschichte las, hatte ich Mitleid mit der Frau. Sie braucht jetzt Unterstützung und keine Vorwürfe», sagt ein Mann. Und eine Leserin meint: «Ich kann mir vorstellen, dass das ein gravierender Verlust für die Frau ist. Deshalb möchte ich etwas spenden.»

Wenn Sie wissen, wo das Geld ist, dann schreiben Sie uns auf feedback@20minuten.ch

(mon)