Chaoten, Pyros, Prügeleien

01. September 2011 12:38; Akt: 01.09.2011 16:55 Print

Sicher wird der Letzigrund nie werden

von A. Mustedanagic - Für 2,64 Millionen soll das Mehrzweckstadion «Hooligan-tauglich» gemacht werden. Die offene Architektur des Letzigrunds spielt weiterhin gewaltbereiten Fans in die Hände.

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Trotz verbesserter Sicherheitsvorkehrungen im Letzi bleiben Szenen wie am 11. Mai möglich.

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Die Bilder vom 11. Mai haben sich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebrannt: Eine vermummte Horde, die im Zürcher Letzigrund auf Sicherheitsleute einprügelt. Der Auslöser für die Krawalle waren Pyros, die über den Zaun geworfen wurden. Ein Security schnappte sich die Fackeln vor den Fans, woraufhin mehrere Vermummte ihn angriffen. Im Hintergrund der Szenerie ist deutlich zu sehen, wie weitere Fans die Drehkreuze im Gästesektor überspringen und sich unkontrolliert Zugang zum Stadion verschaffen. Dass die Sicherheitsleute der Delta Security AG ihren Platz verliessen und sich in Sicherheit brachten, kann ihnen wegen der Gewaltorgie wohl niemand übel nehmen.

Künftig soll solches erst gar nicht mehr passieren. Deshalb wird Mitte Dezember im Gästesektor des Letzigrunds ein Sicherheitstor mit mannshohen Drehkreuzen montiert. Der Stadtrat hat sich nach langem Ringen im vergangenen November dazu entschlossen, die Zutrittsanlagen des Stadions an dessen Hauptnutzung anzupassen: Fussballspiele.

Dass der Letzigrund kein Fussballstadion ist, bleibt aber ein unbestrittener Punkt. Stimmung kam nie auf und die Sicherheitsinfrastruktur war nie für die Fussballmassen konzipiert. «Wir sind froh, dass die Sicherheit nun verbessert wird», sagt Stadionmanager Peter Landolt.

Der rostige und durchlässige Hag bleibt

Er hat bereits früher die mangelnde Infrastruktur moniert. Nun werden nicht nur die Zugänge ins Stadion verbessert, sondern auch «die leicht zu beschädigende und zu durchbrechende Umzäunung der Gästesektoren» (O-Ton in der Medienmitteilung der Stadt) durch Sektorentrennungen aus Stahl und Sicherheitsglas ersetzt. Die Massnahmen wurden nach dem Fackelwurf im Mai 2009 (siehe Bildstrecke) ins Auge gefasst und betreffen den Gästesektor B2 und den Südkurven-Sektor D2, sagt Peter Landolt.

Während der spielfreien Zeit im Dezember werden auch die bestehenden Banden zum Spielfeld hin mit einer 2,2 Meter hohen Umzäunung ergänzt. Der Zaun soll schwieriger zu übersteigen sein und den Sicherheitskräften im Falle von Ausschreitungen mehr Zeit verschaffen. Bisher wurde bei Hochrisikospielen ein Labyrinth aus Gittern vor den Fankurven aufgebaut.

Investition von 2,64 Mio Franken

Obwohl die Stadt 2,64 Millionen Franken für die Verbesserung der Sicherheit ausgibt, bleiben im Letzigrund aber Schwachpunkte. So bleibt etwa der rostige Hag um das Stadion so, wie er ist: tief, durchlässig und damit weiter einladend für Pyroschmuggel. Chaoten werden folglich auch in Zukunft wie vor den Ausschreitungen am 11. Mai, einfach ihre Pyros über den Zaun werfen können. Stadionmanager und Sicherheitsverantwortlicher Landolt ist sich der grössten Schwachstelle des Stadions bewusst: Er hätte am liebsten einen äusseren Ring um das Stadion. «In einem Stadion im Wohngebiet bleibt das aber eine Illusion.» Die Verantwortlichen werden entsprechend auch in Zukunft Wochenende für Wochenende Plastikplanen um das Stadion spannen müssen, um zumindest das simple Durchreichen von Gegenständen zu verhindern. Pyro sicher wird das Letzi aber auch in Zunkunft nicht.

Stau und Frust am Eingang bleiben

Trotz der neuen Zutrittsanlagen bleibt auch der Eintritt ins Stadion problematisch. Im Gästesektor stehen zurzeit zwei Drehkreuze für die Fans zur Verfügung. Das mag bei Leichtathletik-Events reichen, wenn die Fans gestaffelt kommen. Reisen allerdings Fussballfans mit Extrazügen an, gibt es schnell einen Stau. Weil die Fanmassen nicht zu lange vor dem Stadion stehen sollen, kommen die Extrazüge meist knapp vor dem Spiel in Zürich an, deshalb kann die Situation mit der grossen Menschenmenge, die ins Stadion drängt, rasch ausarten.

In der Debatte über die Ursachen der massiven Ausschreitungen vom 11. Mai mögen Andrang und lange Wartezeiten vor den Eingangstoren wie faule Ausreden klingen. Sie sind sicher auch keine Rechtfertigung für die brutalen Szenen. Sicher hat die für einen Andrang von 1500 Fans ungenügende Infrastruktur des Letzigrund-Gästesektors aber zur Eskalation beigetragen. Wie Videoaufnahmen zeigen (siehe unten), griffen die offensichtlich vom Andrang überforderten Securitas am 11. Mai auch zu Knüppeln, um die Massen zurückzuhalten. Dass die Fans vorne Schläge kriegten, weil die hinten drängelten, dürfte kaum zur Beruhigung der Szene beigetragen haben.

Die Delta Security AG wollte sich weder zu diesen Szenen noch zu den wiederkehrenden Vorwürfen der Fans äussern (siehe Box). Es sei mit Polizei und Auftraggeber abgemacht, dass sie keine Stellung zum 11. Mai nehmen, erklärte CEO Markus Biedermann. Warum, bleibt sein Geheimnis.

Die neuen Drehkreuze werden das Problem mit dem Massenandrang im Gästesektor nicht lösen. Immerhin wird es mehr Eingänge geben, sagt Peter Landolt. «Durch die Sicherheitstore können die Fans aber nur einzeln durchgehen. Die Fans kommen deshalb etwas langsamer als bisher ins Stadion und es braucht sehr viel Disziplin der Fans.» Wellenbrecher wie etwa vor dem Stade de Suisse in Bern sind im Letzigrund kein Thema, sagt Landolt. «Wir können ausserhalb des Stadions nichts machen, weil es Stadtgebiet ist.»


Diese Szenen erzürnten zahlreiche Fans: Deltas prügelten auf die vordersten Fans ein

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andy am 01.09.2011 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    gebt ihnen was sie wollen...

    Warum sollte man das Stadion anpassen. Einfacher wäre doch wenn man mit den Hooligans härter umgeht. Sie wollen krach und sich böse fühlen.... dann gibt man ihnen doch was sie wollen... ich glaube kaum dass ein hooligan sich nochmal überlegt einen polizisten oder delta anzugreifen wenn er schon was auf die schnauze bekommen hat.

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  • Ueli S. am 01.09.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis

    Es ist ein Armutszeugnis, dass so was überhaupt passiert! Die Kosten die durch solche Vorkommnisse entstehen sollten zu 100% von Fussballvereinen der angehörigen Fans bezahlt werden.

  • Ivan am 01.09.2011 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit

    Es ist langsam aber sicher höchste Zeit für die Stadtregierung, mit dem Bau des neuen Fussballstadions auf dem Hardturmareal zu beginnen. Der Letzigrund war nie ein Fussballstadion und wird es nie sein, egal wieviel Geld da noch für bauliche Massnahmen verblödet wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Niemand am 04.09.2011 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wofür das viele Geld ausgeben?

    Die baulichen Massnahmen sind nicht nötig. In Basel stehen den Gästefans auch nur zwei Drehkreuze zur Verfügung. In Bern sind die beiden Eingangstüren vor dem Gästesektor auch nur 50cm offen und nach der Eingangskontrolle sind es auch nur zwei Drehkreuze. Das Letzi steht 1. am falschen Ort, 2. ist es "beschissen" gebaut. Da kann mann noch weitere 500Mio investieren, solange man Material durchreichen kann und "hineinspringen" kann, wird es im Letzi ab und zu wieder zu Ausschreitungen kommen, denn es wird immer Clubs geben welche Material hineinschmuggeln wollen.

  • Manuel Meier am 01.09.2011 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Die Clubs sollen gefälligst zahlen.

    Die Stadt gibt das Geld aus? Geht's noch? Die Fussballclubs sollen das gefälligst bezahlen. Ebenso die Sachbeschädigungen und Polizeieinsätze. Randalierer an Fussballspielen (egal wer es ist) sollte man viel härter anfassen. Wenn alles nichts nützt die Spiele verbieten oder ohne Zuschauer irgendwo auswärts stattfinden lassen.

  • Reto am 01.09.2011 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    wenn Freitag und Samstag im Ausgang die Köpfe eingeschlagen werden, bezahlt dies auch der Steuerzahler... nur erfahrt niemand wie viel die Kosten betragen... ich wage zu behaupten, dass die Kosten bei Einsätze im Ausgang über ein Jahr gesehen höher sind als die die in gleicher Zeitspanne im Fussball entstehen... aber das interessiert wohl niemanden...

    • Daniel Brogle am 01.09.2011 21:11 Report Diesen Beitrag melden

      Thema verfehlt.

      Was hat das mit den Hools zu tun?

    • klaus am 02.09.2011 00:02 Report Diesen Beitrag melden

      naja

      es zeigt auf, dass es überall zu auseinandersetztungen kommt nur stehen die nicht so im fokus wie die beim fussball. bei gewissen clubs und bar kommt es im verhältnis zu den anwesenden personen zu mehr auseinandersetzungen als beim fussball.

    • Sami am 02.09.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Hools!

      @Daniel Brogle: Das sind Ultràs keine Hools, in der Schweiz gibt es fast keine Hools mehr. Gibt sehr wichtige Unterschiede zwischen Hools und Ultràs, danke

    • ROb Bob am 13.09.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Usual

      Hools und Ultras ist doch egal sind so oder so alles deppen.. Jemand der an einen fussballmatch geht um sich zu prüglen hatte sehrwahrscheinlich einige prägende erlebnise in seiner kinheit gehabt mit denen er bis heute zu kämpfen hat den ein normaler mensch macht sowas nicht..

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  • Volkan Aydin am 01.09.2011 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    hauptsache es wird was gemacht

    obs nutzt oder nicht. für 2.6 Millionen würden die lieber schlagstöcke und elektroschocker einkaufen, elektronische fussfesseln statt "bändeli um den arm" und sprinkleranlagen ausrüsten für Pfeffersprey salben... und tausende Kameras für den Internetpranger!

    • EnricoCaruso am 01.09.2011 18:57 Report Diesen Beitrag melden

      nicht übertreiben

      sowas bräuchts evtl. bei fener - gala ;-)

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  • andy am 01.09.2011 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    gebt ihnen was sie wollen...

    Warum sollte man das Stadion anpassen. Einfacher wäre doch wenn man mit den Hooligans härter umgeht. Sie wollen krach und sich böse fühlen.... dann gibt man ihnen doch was sie wollen... ich glaube kaum dass ein hooligan sich nochmal überlegt einen polizisten oder delta anzugreifen wenn er schon was auf die schnauze bekommen hat.

    • S.si am 01.09.2011 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Doch!

      Denen Typen ist es egal, hauptsache sie können austeilen, die stecken auch gerne ein, und es sind Ultràs.

    • Manuel Meier am 01.09.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

      Ist doch egal

      Ich kann das mit Hooligans und Ultras usw. nicht mehr hören. Völlig egal wer randaliert, die gehören hart angefasst und eingesperrt und die ganzen Polizeieinsätze müssen von den Clubs bezahlt werden. Oder es gibt einfach kein Fussball mehr, oder ohne Zuschauer.

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