Horgen ZH

11. März 2011 08:00; Akt: 11.03.2011 00:21 Print

Sicherheit vom Winde verweht

von Attila Szenogrady - Während eines Sturmes ist auf einer Adliswiler Baustelle ein fast 400 Kilogramm schweres Bauelement auf das Bein eines Hilfsmonteurs gekippt. Nun wurde der für die Sicherheit zuständige Polier wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

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Es war mitten am Vormittag, als am 5. Februar 2009 auf der Adliswiler Baustelle „Dietlimoos“ am Eichenweg ein Orkan die Arbeiter überraschte. Winde mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 100 km/h fegten über den Rohbau hinweg. Im Erdgeschoss hielt sich ein heute 53-jähriger Hilfsmonteur auf. Er war damit beschäftigt, an den Wandschalungen diverse Kästen zu montieren.

Unterschenkel zerquetscht

Dann passierte es: Ein rund 400 Kilogramm schweres Bauelement kippte nach einem Windstoss um und fiel auf das Bein des Monteurs. Dabei wurde dem italienischen Opfer der Unterschenkel zerquetscht. Es schwebte zwar nicht in Lebensgefahr, leidet aber heute noch unter den Folgen der Verletzung. Das Unglück zog auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich. Ins Visier der Untersuchungsbehörden geriet der zuständige Schweizer Polier. Er war grundsätzlich für die Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich. Laut Anklage hatte er das fragliche Element im Vorfeld des Sturmes zu wenig gesichert.

Fahrlässige Körperverletzung

Schon am Bezirksgericht Horgen beteuerte der heute 34-jährige Angeklagte im letzten Mai vergeblich seine Unschuld. Er wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 180 Franken verurteilt. Zudem wurde er grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verpflichtet.

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Donnerstag vor Obergericht erneut einen Freispruch. Zum einen kritisierte der Anwalt die Aussagen eines Suva-Experten. Dieser hatte angegeben, dass man das Element mit je zwei Spriessen hätte sichern müssen.

Zudem sprach der Verteidiger von einem unerwartet starken und nicht voraussehbaren Sturm. Er machte damit äussere Einflüsse für den Unfall verantwortlich.

Sorgfaltspflicht verletzt

Das Obergericht sah es anders und bestätigte das Horgner Urteil umfassend. Das Obergericht räumte ein, dass heute auf den Baustellen ein grosser Zeit- und Kostendruck herrsche. Nichtsdestotrotz sei der Beschuldigte für die Sicherheit vor Ort zuständig gewesen. Er habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, erklärte der Vorsitzende Peter Marti. Im Übrigen hatte bereits das Bezirksgericht Horgen festgehalten, dass die Meteo Schweiz für den 10. Februar 2009 eine Wetterwarnung ausgesprochen und vor stürmischen Winden gewarnt hatte. Von einem völlig unvorhersehbaren Ereignis konnte deshalb nicht mehr die Rede sein.