Bezirksgericht Zürich

15. Juni 2011 08:11; Akt: 14.06.2011 22:18 Print

Sieben Jahre Knast für Heroinhändler

von Attila Szenogrady - Im Kosovo arbeitete er als Polizist. Im Zürcher Unterland handelte er gleich kiloweise mit Heroin. Nun muss der ehemalige Ordnungshüter für lange Zeit hinter Gitter.

Fehler gesehen?

Es war im Oktober 2009, als der heute 43-jährige Angeklagte illegal in die Schweiz einreiste und danach bei Kollegen im Zürcher Unterland Unterschlupf fand. Zunächst in Bachenbülach, danach in Kloten. Fest steht, dass der Kosovare schon bald grössere Mengen von Heroin und Kokain verkaufte. Die Anklageschrift schilderte, wie der Dealer die harten Drogen in Bülach, Neerach und in Steinmaur absetzen konnte.


Ueberwacht und überführt


Allerdings fiel der aktive Händler nur allzu bald der Drogenfahndung auf. Sie überwachte regelmässig die Telefonate des kriminellen Touristen und schlug am 24. März 2010 zu. Der verhaftete und überführte Familienvater legte schon bald ein umfangreiches Geständnis ab. Demnach hatte er innerhalb von nur fünf Monaten über acht Kilogramm Heroin sowie 20 Gramm Kokain verkauft. Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann schon früher in der Schweiz mit Drogen gehandelt hatte. Allerdings zeigten selbst längere Freiheitsstrafen keine Wirkung.


Ein Ex-Polizist unter Druck?


Am Dienstag stand der Rückfalltäter vor dem Bezirksgericht Zürich und gab alle Vorwürfe zu. Allerdings machte der langjährige Ex-Polizist entlastende Gründe geltend. So habe er sich wegen einer Operation seiner Tochter verschuldet und habe seinem Geldgeber einen Gefallen geschuldet. Dieser habe ihn unter Druck gesetzt und gezwungen, in der Schweiz Drogen zu verkaufen, sagte er aus. Er habe früher lange Zeit als Polizist gearbeitet, habe aber wegen den Serben seinen Job aufgeben müssen.

Die Verteidigung setzte sich für eine Strafe von sechs Jahren Freiheitsentzug ein. Im Gegensatz zum Staatsanwalt, der siebeneinhalb Jahre verlangte.


Keinen Glauben geschenkt


Das Gericht glaubte der Geschichte mit der Tochter keinen Glauben. Nicht zuletzt, da die Verteidigung über die angebliche Operation keine Unterlagen eingereicht hatte. Zudem habe der Beschuldigte diese Version während der Untersuchung zu spät eingebracht, führte der Gerichtsvorsitzende Rudolf Kieser aus.

Das Gericht ging von einem erheblichen bis mittelschweren Verschulden aus und setzte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren fest. Erst die Verhaftung habe dem kriminellen Treiben des Ex-Polizisten ein Ende gesetzt, hielt Kieser zum Schluss fest.