Prostitution in Zürich

28. September 2011 18:50; Akt: 29.09.2011 00:34 Print

Sihlquai-Zuhälter kommt glimpflich davon

von Attila Szenogrady - Ein ungarischer Roma-Zuhälter sollte wegen Menschenhandels für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Gericht setzte wegen Förderung der Prostitution lediglich 17 Monate Freiheitsentzug fest.

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Ein ungarischer Zuhälter sich der Förderung der Prostitution schuldig gemacht. (Bild: Keystone)

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Die Vorwürfe der Staatsanwältin Silvia Steiner gegen den heute 32-jährigen Ungarn wogen schwer. So soll er sich im Frühling 2010 in Zürich als Menschenhändler betätigt haben. Laut Anklage zwang er zwei junge Landsfrauen in die Prostitution, indem er sie am Sihlquai zwei Wochen lang auf den Strich schickte, bedrohte und finanziell ausbeutete.

Sex für 30 Franken

Die Anklage berichtete dabei über recht krasse Verhältnisse. So befahl der Zuhälter den beiden Frauen jedes Geschäft anzunehmen. So auch Geschlechtsverkehr für 30 Franke anzubieten. Ebenso orale Dienstleistungen ohne Gummi. Der Angeklagte arbeitete dabei mit mehreren Brüdern zusammen. Täter und Opfer stammten aus dem Roma-Milieu.

Wenn die Frauen nicht spurten, wurden sie vom Beschuldigten beschimpft, eingeschüchtert oder bespuckt. So die Anklage, deren Version der Mann vor Gericht in Abrede stellte. Er sprach von einem freiwilligen Handeln der Prostituierten, welche in der Schweiz schlicht mehr Geld verdienen wollten.

Viereinhalb Jahre verlangt

Für Staatsanwältin Steiner lag dagegen beim Hauptvorwurf gewerbsmässiger Menschenhandel vor. Beide Frauen seien nicht nur massiv unter Druck gesetzt, sondern auch in Ungarn verprügelt worden. Für den Angeschuldigten sei eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahre angemessen.

Verteidiger Lucius Blatter forderte dagegen einen vollen Freispruch und führte aus, dass der Sachverhalt infolge widersprüchlicher Darstellungen schlicht weg nicht erstellt sei.

Förderung der Prostitution

Das Gericht folgte weder der Anklage noch der Verteidigung. Es verurteilte den bereits vorbestraften Angeklagten wegen Förderung der Prostitution zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten. Da der Mann bereits 461 Tage im Gefängnis verbüsst hat, wurde er aus der Haft entlassen. Die Richter verneinten den eingeklagten Menschenhandel, da beide Frauen aus eigenem Willen in die Prostitution eingestiegen seien. «Sie wollen in der Schweiz schnell und mehr Geld verdienen», erklärte der Vorsitzende Pierre Dienst. Hingegen sah das Gericht eine Förderung der Prostitution aufgrund der Überwachungsmassnahmen des Täters als erwiesen an.

Der Angeklagte wurde deshalb verpflichtet, den zwei Geschädigten Schmerzensgelder von je 2000 Franken zu entrichten. Zudem grundsätzlich einen Schadenersatz in noch zu bestimmender Höhe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau Schweizer am 28.09.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sklaventreiber

    Diese sadistischen Menschenschinder müssten wirklich streng bestraft werden - alles andere ist nicht RECHT!

  • Marco Weber am 29.09.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis?

    All diese mildernden Urteile beruhen auf einer reinen Alibiübung. Wenn wir die Schuldigen mit aller Härte der Gesetze bestrafen würden, und zwar konsequent, würde der Justiz ihre Klientel sehr schnell ausgehen, sprich die Richter wüssten am eigenen Leib was es heisst arbeitslos zu sein. Justitia quo vadis?

  • Bruno Hochuli am 29.09.2011 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Rosa Brillen tragen die Richter

    Mir geben das Gerichtsurteil zu denken. Was braucht es eigentlich, bis der letzte Richter merkt, das Zuhälter alles andere als Frauenfreundlich sind. Da werden sie ausgenützt, geschlagen und wenn sie Anzeige erstatten, wird ihnen nicht geglaubt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Hochuli am 29.09.2011 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Rosa Brillen tragen die Richter

    Mir geben das Gerichtsurteil zu denken. Was braucht es eigentlich, bis der letzte Richter merkt, das Zuhälter alles andere als Frauenfreundlich sind. Da werden sie ausgenützt, geschlagen und wenn sie Anzeige erstatten, wird ihnen nicht geglaubt.

  • Walter Morsch am 29.09.2011 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und unsere Politiker...

    ...befassen sich mit "dringenden" Themen wie Burkaverbote um angeblich die Rechte der Frauen zu schützen. Unter "Schweizer Qualität" fällt das Setzen von Prioritäten eindeutig nicht mehr.

  • Claudia A. am 29.09.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Liege ich mit meiner Meinung falsch?`

    Milde Strafen dank den Linken! Solche Leute gehören meiner Meinung für immer ausgeschafft! Genau so wie das Volk abgestimmt hatte. Unglaublich, dass BR Sommaruga die Umsetzung der Ausschaffungsinitiative nun einfach auf die lange Bank schiebt und die Medien dies decken. Man stelle sich vor, die Linken hätten eine Abstimmung verloren und der damalige BR Blocher hätte Gleiches getan! Da wäre ein endloses tägliches Aufschreien im Medienwald gewesen. Aber in diesem Fall schweigen alle... trotz klarem Volksentscheid!

    • Nati am 29.09.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

      aus den augen aus dem sinn?

      und wenn er ausgeschafft wird, dann ist alles aus und vorbei oder wie? er wird einfach von da aus weiter machen und ein anderer wird seine stelle hier übernehmen. zudem ist dies gemäss SVP vorlage kein ausschaffungsgrund. hätte er aber eine kaugummiautomaten geknackt wäre die ausschaffung möglich. mit dem gegenvorschläg könnte man ihn nun ausschaffen. aber dank der annahme der SVP vorlage, können nun die wirklichen verbrecher nicht ausgeschafft werden.

    • H.G.Nägeli am 22.10.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      Diffamierung

      Claudia; was soll jetzt wieder der Blödsinn von den "Linken" Was hat dies mit den Richtern zu tun ? Oder geht es ihnen einfach darum andere zu diffamieren koste es was es wolle ?

    einklappen einklappen
  • Hans Weber am 29.09.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Abwägung

    Man muss nur ein paar mal die Zeitung lesen, um kurz abzuwägen, mit welcher illegalen Tat man viel Geld erlangt, aber einfach wieder davon kommt.

  • Marco Weber am 29.09.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis?

    All diese mildernden Urteile beruhen auf einer reinen Alibiübung. Wenn wir die Schuldigen mit aller Härte der Gesetze bestrafen würden, und zwar konsequent, würde der Justiz ihre Klientel sehr schnell ausgehen, sprich die Richter wüssten am eigenen Leib was es heisst arbeitslos zu sein. Justitia quo vadis?