Fälle im Aargau

06. September 2019 13:24; Akt: 06.09.2019 15:46 Print

So gefährlich ist Tuberkulose

von Jennifer Furer - In drei Aargauer Gemeinden zwei Kinder und ein Berufsschüler an Tuberkulose erkrankt. Weltweit sterben jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen daran.

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Zwei Kinder und ein Berufsschüler aus dem Kanton Aargau sind an Lungentuberkulose erkrankt. Alle drei Schulen warnen nun die Eltern und Schüler in einem Brief vor einer möglichen Ansteckung und rufen zum Bluttest auf. Auch in Bern kam es im März zu einem Tuberkulose-Alarm. Ein ganzer Zug wurde unter Quarantäne gestellt, weil der Verdacht bestand, dass ein Mann mit Tuberkulose drin sass.

Tuberkulose ist eine nicht zu unterschätzende Krankheit. Keine andere Infektion tötet mehr Menschen als die Tuberkulose. Weltweit sterben rund 4500 Menschen pro Tag an der Krankheit, das sind rund 1,6 Millionen im Jahr. Am häufigsten betroffen sind Menschen aus Entwicklungsländern. Weltweit gibt es zirka neun Millionen Erkrankungen pro Jahr.

550 Erkrankungen in der Schweiz

In Deutschland sind im Jahr 2017 6000 Tuberkulose-Fälle registriert worden, 100 Menschen starben. In der Schweiz gibt es laut dem Bundesamt für Gesundheit pro Jahr rund 550 Erkrankungen. Es kommt auch zu Todesfällen: Laut Statistik liegt diese Zahl jedoch im niedrigen einstelligen Bereich.

Laut Mark Witschi, Leiter Sektion Impfempfehlungen und Bekämpfungsmassnahmen, ist die Krankheit bei frühem Erkennen mit Medikamenten gut behandelbar. «Wenn jemand an Tuberkulose erkrankt, entscheidet der zuständige Arzt, wie bei der Behandlung vorgegangen wird.»

Eine Person mit ansteckender Lungentuberkulose werde im Spital oder zu Hause isoliert. «Sie wird von ihrer Umwelt abgeschirmt», so Witschi. Die Erkrankte bleibt so lange isoliert, bis sie nicht mehr ansteckend ist. In der Regel dauert dies zwei bis drei Wochen. «Danach ist sie nicht mehr ansteckend. Sie muss aber unter ärztlicher Kontrolle die Therapie insgesamt sechs Monate oder länger bis zur vollständigen Heilung fortsetzen.»

Symptome von Tuberkulose erkennen

Laut Witschi erfolgt die Übertragung der Krankheit, indem eine an Lungentuberkulose erkrankte Person bakterienhaltige Tröpfchen aushustet, die dann von anderen eingeatmet werden. «Für eine Ansteckung ist jedoch ein Aufenthalt im gleichen Raum über mehrere Stunden erforderlich», sagt er.

Wenige Tage nachdem die medikamentöse Behandlung begonnen habe, sei die Ansteckungsgefahr nicht mehr vorhanden. Werde Tuberkulose aber nicht behandelt, verlaufe die Krankheit oft tödlich.

Anzeichen für eine Tuberkulose-Erkrankung seien etwa das Abhusten von gelbgrünem, schleimigem Auswurf, Brustschmerzen, Atemnot, ausgeprägte Abgeschlagenheit, Schwäche sowie Müdigkeit und leichtes Fieber.

Afrika und Asien besonders betroffen

Die Tuberkulose betrifft in 80 Prozent der Fälle die Lunge, kann aber auch andere Organe befallen. Gefährdet für eine frühe Erkrankung seien insbesondere Kleinkinder und Immungeschwächte, so Witschi. Rund die Hälfte der Erkrankungen in der Schweiz komme bei Personen aus Ländern vor, in denen die Tuberkulose noch verbreitet ist, insbesondere in Afrika und Asien.

Laut Witschi wird Tuberkulose entweder vom Ausland in die Schweiz getragen oder sie bricht bei Personen aus, die schon lange in der Schweiz leben, sich aber früher in ihrer Heimat angesteckt haben. Dies könne nicht nur durch Migranten, sondern auch durch Geschäftsleute, die in die Schweiz arbeiten kommen, oder durch Schweizer, die in einem Tuberkulose-Land Ferien gemacht haben geschehen.

Krankheit erkennen

«Im Asylverfahren werden die Symptome von Tuberkulose bei Migranten spezifisch erfragt.» Würde sich der Verdacht auf die Infektionskrankheit erhärten, würde die Person ärztlich untersucht.

«Es kann aber durchaus sein, dass jemand die Infektion in die Schweiz bringt, die Krankheit aber noch nicht sicht- und spürbar ist und erst später ausbricht. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis rechtfertigt es aber nicht, alle einreisenden Personen aus gefährdeten Ländern zu testen.»