Auf Tour mit dem Profi

17. März 2017 05:37; Akt: 18.03.2017 15:04 Print

So meistern Sie Zürich mit dem Velo problemlos

Viele Zürcher nehmen das Velofahren zu wenig ernst und sind überfordert. Wie man sogar den «kriminellen Bucheggplatz» sicher übersteht, zeigt Gemeinderat Matthias Probst (Grüne).

Gemeinderat Matthias Probst (Grüne) zeigt, wies richtig geht. (Video: bec)
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Die in dieser Woche veröffentlichte Verkehrsunfallstatistik hat es gezeigt: Velo fahren in Zürich ist eine gefährliche Angelegenheit. Es sind mehr Velo- als Autofahrer verunfallt. Und die Zahl der Schwerverletzten ist stark angestiegen. Das liegt einerseits an der Infrastruktur mit zu wenig Velowegen, vor allem aber auch an überforderten Velofahrern.

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Gemeinderat Matthias Probst (Grüne) setzt sich seit Jahren für ein velofreundlicheres Zürich ein. Er hat 20 Minuten auf eine Tour mitgenommen – vom Milchbuck über den Bucheggplatz zum Bahnhof Oerlikon. Unterwegs zeigt er einige Situationen, in denen es für Velofahrer brenzlig werden kann.

Besondere Übeltäter seien Tramschienen: «Über die muss man immer mit genug Winkel fahren. Besonders bei Regen oder Schnee ist das Kreuzen unglaublich gefährlich», sagt Probst. Auch Busstationen seien nicht ganz ohne: «Hält ein Bus an einer Haltestelle, darf man so lange vorbeifahren, bis er blinkt», erklärt Probst. «Leider machen das viele Busfahrer erst sehr spät. Da hat man als schneller Velofahrer wenig Chancen, noch zu bremsen.» Also sollte man an Busstationen, an denen der Bus potenziell rausschwenken könnte, besonders vorsichtig sein.

«Der Bucheggplatz ist kriminell»

«Sicher fahren bedeutet auch, sich den nötigen Raum zu nehmen, den man braucht», sagt Probst. Bei Strassen ohne Veloweg solle man die Autofahrer daran erinnern, Velofahrern Respekt zu zeigen. «Wenn man zu weit rechts fährt, besteht die Gefahr, an den Rand gedrängt zu werden. Dann braucht es nur einen kleinen Schwenker oder einem Blick nach hinten, um in den Bordstein zu fahren. Kommt es dann zu einem Sturz, liegt man gleich unter den Autorädern», so Probst. Deshalb halte man am besten etwa einen Meter Abstand.

Auch am Bucheggplatz müsse ein Velofahrer klar kommunizieren, damit er den nötigen Raum bekomme, den er brauche. «Da muss man mit einem genauen Plan reinfahren, seine Linie verfolgen und genug Handzeichen geben», sagt Probst. Weniger erfahrenen Velofahrern empfiehlt er, das Velo über die Fussgängerbrücke zu schieben. «Der Bucheggplatz ist eine der kriminellsten Kreuzungen für Velofahrer», sagt Probst. Eine Abzweigung sei besonders gefährlich: «Hier muss ein Velofahrer, der nach links abbiegen möchte, in der Mitte der Strasse fahren. Die meisten Autos fahren geradeaus, da wird man einfach abgeschossen.»

«Helmkampagnen führen zu weniger Velofahrenden»

Je mehr Leute in Zürich Velofahren, desto sicherer würde es für die Velofahrer auch, ist Probst überzeugt. Deshalb hat er auch Mühe mit Helmkampagnen: «Die führen dazu, dass weniger Leute tatsächlich das Velo nehmen, womit es für Velofahrer insgesamt unsicherer wird.» Der Velo-Lobbyist ist selber ohne unterwegs: «Velofahrende mit Helm fahren oft unvorsichtiger und haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall zu geraten.» Er räumt jedoch ein, dass die Verletzungen, wenn sie dann passieren, mit Helm tatsächlich glimpflicher ausfallen.

(bec)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 17.03.2017 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helm?

    Was der Gute erzählt ist ja richtig, warum trägt er als Vorbild aber keinen Helm? Für mich gibt es keinen Meter ohne Helm, egal ob auf dem Rennvelo, Bike oder E-Velo, denn im Ernstfall kann dieser Leben retten.

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  • saem am 17.03.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Helm? 

    Der gute Herr Probst fühlt sich wohl zu wichtig um ohne Helm zu fahren, obschon dies jedem Kind beigebracht wird. Und dann wundert man sich über Velo Unfälle die tödlich oder mit einer schweren Verletzung enden. Zudem sollte Herr Probst als Politiker sich seiner Vorbildfunktiom bewusst sein und nur schon deshalb einen Helm tragen.

  • Orpel am 17.03.2017 05:50 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt aber

    Ein ganzer Meter Abstand zum Randstein ? Gohts no ? So weit weg ist nicht mal der gelbe Velostreifen auf der Hauptstrasse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel am 18.03.2017 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helm auf!

    Tolles Vorbild. alles ohne Helm.

  • Tina V am 18.03.2017 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerecht

    Velofahrer haben keine Grenzen. Mit rot kreuz und quer über die Strasse weil es unangenehm ist zu halten. Keine Rücksicht auf Fussgänger geschweige auf Autos.Die sollten genauso gebüsst werden wie Autofahrer. Natürlich nicht alle aber die Regeln gelten für ALLE!!!!! Warum muss man Autofahrer immer die Schuld zuszecken wenn Velofahrer und auch Fussgänger sich das Recht nehmen sich nicht an die Verkehrsregeln zu halten?

  • Christian Sprecher am 17.03.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Platz fürs Velo?

    @Orpel: 1m finden Sie zu viel für einen Velo fahrenden, aber 2m für einen Automobilisten und seine leere Polstergruppe finden Sie ok?

  • Eduard J. B. am 17.03.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    «Wer Hirn hat, schützt es!»

    Ohne Helm Velo fahren und das erst noch in der Stadt? Was ist das nur für eine Kammikaze-Mentalität? Die Österreicher haben es vor Zeiten mit dem Slogan auf den Punkt gebracht: «Wer Hirn hat, schützt es!» Weshalb der Velohelm einem vom Velo fahren abhalten sollte, ist mit dem gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbar. Bei mir hängt der Velohelm, zusammen mit der Velojacke und dem Velotäschchen immer griffbereit.

    • as am 17.03.2017 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eduard J. B.

      Richtig so! Vorallem auch mit der Velojacke. Eine solche sollte nämlich auch mehr benützt werden, hoffentlich eine entsprechend gut sichtbare.

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  • Wintivelo am 17.03.2017 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wunschdenken

    Das allerwichtigste für Velofahrer in Zürich wäre als erstes einmal sich an die Strassenverkehrs-Ordnung zu halten. Damit wär schon viel gewonnen..

    • C.R. am 17.03.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut

      Ich frage mich immer wieder ob es keinen Fahrunterricht mehr in den Schulen gibt oder ob es plötzlich erlaubt ist auf dem Gehweg zu fahren. Aber was mich wirklich überrascht ist das ich jährlich von mehr Velofahrern auf dem Gehweg angefahren werde als in meinem ganzem Leben von Autos. Aber da ich relativ robust bin wird das natürlich nicht in der Verkehrsunfallstatistik festgehalten.

    • Leser am 17.03.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Immer dasselbe.

      Strassenverkehrsordnung gibt es in der Schweiz nicht, das ist ein Deutscher Begriff. Und du darfst das ja gerne mal versuchen und mir dann berichten wenn du von einem Autofahrer der sich nicht an die Regeln hielt überfahren wurdest ;)

    • C.v. am 17.03.2017 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut logisch

      Von Autos wird man in der Regel weniger angefahren im Leben, weil der Zeitpunkt häufig mit dem Abschluss desselben zusammenfällt.

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