Unfall im Cevi-Lager

14. Juni 2011 15:40; Akt: 14.06.2011 16:19 Print

So riskant sind Hobby-Seilbahnen

von Annette Hirschberg - Wie es zum Tod der 8-Jährigen im Pfingstlager kommen konnte, ist noch unklar. Doch ob defekte Bremse oder überforderter Bremser, bei selbst gebauten Bahnen kann vieles schiefgehen.

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Das tragische Unglück im Cevi-Pfingstlager in Oetwil an der Limmat überschattete das vergangene Wochenende. Ein 8-jähriges Mädchen raste am Sonntag auf einer selbstgebauten Seilbahn ungebremst in einen Baum und verstarb an den Folgen des Aufpralls.

Der Unfall gibt jede Menge Rätsel auf. Gemäss einer Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei sind die Abklärungen und Befragungen noch im Gange. Sie können laut der Sprecherin durchaus ein paar Wochen dauern. Der Fall wird am Mittwoch der Staatsanwaltschaft übergeben.

Verschiedene Bau- und Bremssysteme

Gemäss Polizei versagte die Seilbremse aus unbekannten Gründen. Doch wie muss man sich so eine Seilbahn mit Seilbremse vorstellen? Die Cevi Schweiz selbst will sich zu dieser Frage nicht äussern. «Wir geben nur noch Auskunft über die Ausbildung unserer Leiter», sagt Sprecher Jürg Schelldorfer. Im Internet finden sich mehrere Anleitungen von Cevianern, aber auch von Jugend + Sport (J+S) des Bundesamtes für Sport (BASPO), die aufzeigen, wie eine Seilbahn gebaut werden soll.

In der Anleitungen von J+S dient ein Seil, das in genügender Entfernung vom Baum am Ende der Seilbahn quergespannt wird, als Bremse. Die Person, die auf der Seilbahn fährt, wird dann in sicherer Distanz vom Baum durch einen abrupten Stopp gebremst und schwingt danach noch stark hin und her.

Die Variante mit dem Bremser am Seil

In mehreren Anleitungen der Cevi, die im Internet zu finden sind, wird aber ein Bremser eingesetzt. Er bremst die Fahrt mit einem Bremsseil, das am Rollseil befestigt wird. Unterstützt wird seine Aufgabe durch eine Seilumlenkung an einem Karabinerhaken, der in der Regel am Baum befestigt ist: die sogenannte Halb-Mastwurf-Sicherung (HMS). Dank der HMS verlangsamt der Bremser nicht mit seinem eigenen Körpergewicht die Fahrt des Kindes, sondern muss das Seil vor allem festhalten. Gebremst wird durch die Umlenkung.

Wieso die Seilbremse versagt hat, ist damit aber nicht geklärt. «Da kann mehreres schief gegangen sein», sagt Hochseilgarten-Betreiber Christian Bolliger. Bei der Konstruktion nach J+S-Merkblatt könne sich der Knoten des Querseils gelöst haben oder gar das ganze Seil gerissen sein. «Ich gehe aber eher nicht davon aus, dass man in diesem Fall nur ein Querseil verwendet hat», sagt Bolliger.

Setzten die Cevianer auf die Variante mit einem Bremser, könnte der HMS-Knoten falsch gebunden worden sein. «Das ist ein Fehler, der leicht passieren kann und dann wird das Bremsen sehr schwierig», so Bolliger weiter. Möglich, aber eher unwahrscheinlich wäre auch, dass zur Befestigung der HMS ein falscher Karabiner verwendet wurde. «Dann rutscht die HMS aus dem Haken und man kann die Person nicht mehr halten.» Eine weitere für Bolliger sehr plausible Variante ist ein Versagen beim Bremser selbst. «Er könnte vergessen haben, das Seil zu halten oder liess plötzlich los.» Mit einer solchen Fehl- oder Panik-Reaktion müsse man im Bergsteigen immer rechnen. «Darum wird meist eine zweite Sicherung eingebaut, entweder eine Sicherungsschlinge oder eine zweite Person am Bremsseil.»

Pfingstlager war J+S-anerkannt

Klar ist: Das Cevi-Pfingstlager in Oetwil an der Limmat ZH war ein J+S-anerkanntes Lager. Jedes Lager mit J+S-Anerkennung - und das sind die allermeisten Pfingstlager - muss auch von J+S-ausgebildeten Leiterinnen und Leitern begleitet sein, wie BASPO-Sprecher Christoph Lauener auf Anfrage der SDA sagte.

Diese absolvieren eine einwöchige Grundausbildung in «Lagersport/Trekking» und müssen alle zwei Jahre eine Weiterbildung absolvieren. Zu den Kursthemen gehört auch die «Seiltechnik».

Pfadi verhängt kein Seilbahn-Moratorium

So lange der Unfall untersucht wird und bis die Ursache geklärt ist, hat die Cevi-Schweiz zur Sicherheit ein Seilbahn-Moratorium verhängt. Nicht so die Pfadi. «Wir sehen dazu keinen Anlass», sagte Pfadi-Schweiz-Sprecherin Andrea Adam.

Ob es bei den Pfadi auch schon Unfälle mit Seilbahnen gegeben habe, konnte Adam nicht sagen. Sie vermute, es sei schon zu Zwischenfällen gekommen - bei mehr als 42 000 Mitgliedern sei dies wahrscheinlich.

Zum konkreten Unfall wollte sich Adam nicht äussern. Dass ein Baumstamm als Endpunkt der Bahn gewählt werde, sei nicht ungewöhnlich - «das ist eigentlich so».

Seilbahnen bauen ist beliebt. Am Anfang dieses Videos sieht man, mehrere solche selbstgebauten Seilbahnen mit Bremsseil:

Quelle: YouTube/BesjFlorian

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini, Bern am 15.06.2011 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Kraft und Trost den Hinterbliebenen

    Ich kenne mich weder mit Pfadi/Cevi/Blauring aus noch mit dem Bau von Seilbahnen. Ich will weder vorverurteilen, verurteilen und nach Schuldigen suchen. Der Fall ist und bleibt tragisch und traurig! Es gibt für Eltern nichts Schlimmeres, als den Verlust eines Kindes :-(. Ich bin selber zweifache Mutter, das Schicksal von Riccarda/Zack bewegt mich sehr:-(. Ich fühle und leide mit ihren Angehörigen und wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Kraft und Trost in dieser schweren Zeit. Mit stillem Gruss :-(

  • Argumente am 15.06.2011 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Susi

    Zum Teil sind es echt komische Argumente welche zu lesen sind. Auch gute Besserung dem Mädchen! Sie ist tot, was wird besser?

  • sirius am 14.06.2011 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    bremsseil

    wir haben das bremsseil jeweils am oberen baum so festgeknüpft, dass es gar nicht möglich ist, dass jemand bis zum unteren baum fahren kann, sondern 2-3m vorher stoppt. sollte nun der bremser versagen, stoppt man automatisch, wenn auch ein wenig unsanft, da man hochgeschleudert wird. es wird so aber nicht zu tödlichen verletzungen kommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini, Bern am 15.06.2011 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Kraft und Trost den Hinterbliebenen

    Ich kenne mich weder mit Pfadi/Cevi/Blauring aus noch mit dem Bau von Seilbahnen. Ich will weder vorverurteilen, verurteilen und nach Schuldigen suchen. Der Fall ist und bleibt tragisch und traurig! Es gibt für Eltern nichts Schlimmeres, als den Verlust eines Kindes :-(. Ich bin selber zweifache Mutter, das Schicksal von Riccarda/Zack bewegt mich sehr:-(. Ich fühle und leide mit ihren Angehörigen und wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Kraft und Trost in dieser schweren Zeit. Mit stillem Gruss :-(

  • Don_Jorge am 15.06.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Muss das sein?

    Verstehe nicht warum solche "Spiele" in einem Lager nötig sind.

  • Argumente am 15.06.2011 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Susi

    Zum Teil sind es echt komische Argumente welche zu lesen sind. Auch gute Besserung dem Mädchen! Sie ist tot, was wird besser?

  • Aurelius Maximus am 15.06.2011 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache

    Ich leite seit mehreren Jahren aktiv bei der Pfadi und finde es schade, dass wegen so einem blöden Vorfall die ganzen Jugendorganisationen in ein schlechtes Licht geraten. Wir bauen selber oft Seilbahnen (an Stufenübertritten etc..) und bis jetzt ist es auch noch nie ein kleines bisschen gefährlich worden. Ich weiss nicht genau wie der Unfall bei der Cevi passiert ist, kann mir aber kaum vorstellen, dass dies ohne fahrlässiges handeln passiert ist.

    • Steve/Clothier am 15.06.2011 23:03 Report Diesen Beitrag melden

      Panikmache

      übereagierung ist jetzt überall zu sehen in mehrer Länder.

    einklappen einklappen
  • 360smile am 15.06.2011 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagzeilen

    Leute ich bin sie 10 Jahren in der Pfadi und habe schon viele Seilbrücken gebaut und ausprobiert. Was passiert ist, ist tragisch aber was wir da tun, ist nicht Riskanter als zum Beispiel Velofahren und wenn da jemand stirbt wird das auch keine Schlagzeile. Nochmals herzliches Beileid an die Familie und die cevi