Fussball

14. September 2018 09:48; Akt: 14.09.2018 14:25 Print

«Die Gewalt fängt schon in der Primarschule an»

Zürich hat ein Gewaltproblem im Umfeld des Fussballs: Deshalb informieren am Freitag Stadt und Fussballclubs über Massnahmen gegen Hooligans.

Dieses Video veröffentlichte die Polizei nach einer Schlägerei zwischen Fussballfans im Februar.
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«Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben», sagt GC-Präsident Stephan Anliker an der Medienkonferenz vom Freitag. Nun wollen die Fussballclubs GC, FCZ und die Stadt Zürich mit der Polizei enger zusammenarbeiten, um gegen gewalttätige Hooligans vorzugehen. Neu wurde die Projektgruppe «Doppelpass» gebildet. «Das Gewaltproblem im Fussball hat erschreckende Ausmasse angenommen», sagt Polizeivorsteherin Karin Rykart (Grüne).

Die Gruppe besteht aus Experten seitens der Clubs und der Stadt. Die Arbeit sei bereits aufgenommen worden. Die Gruppe beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie Informanten oder Personen, die Anzeige erstatten, besser geschützt werden können.

Videokameras sollen Täter überführen

Geprüft werden auch Massnahmen zur De-Anonymisierung von Gewalttätern. Dabei sollen mobile und temporäre Videokameras zum Einsatz kommen, wie die Stadt in einem Communiqué mitteilt. Laut dem Polizeikommandanten Daniel Blumer haben Videos «nachweislich die beste Wirkung»

Demzufolge sind sich die Beteiligten einig, dass lediglich eine kleine Gruppe von Gewalttätern das Problem bildet – gemäss Blumer besteht sie aus etwa 200 Personen. Bereits 11 Polizisten sind in diesem Jahr verletzt worden. 47 Täter im Bereich von Sportveranstaltungen seien identifiziert worden, so Blumer.

Die meisten Fans von GC und FCZ würden sich korrekt verhalten. Wer aber an gewalttätigen Ausschreitungen teilnehme und «stumpfe und sinnlose Gewalt» gegen andere verübe, werde künftig mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verfolgt.

Täter werden jünger

Auffällig ist zudem, dass sich die Fangewalt von den Stadien in die Stadt verlagert hat und die Täter immer jünger werden. «Das fängt teilweise schon in der Primarschule an», sagte Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP). Deshalb will man vor allem bei den jungen Fans die Präventionsarbeit verstärken. Man wolle beispielsweise vermitteln, dass ein Gegner kein Feind sei und man nicht auf wehrlose Personen einprügeln soll.

Laut Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) muss die Sozialarbeit in diesem Bereich verbessert werden, damit man die Jugendlichen frühzeitig ansprechen kann. Dazu benötige man mehr personelle und finanzielle Ressourcen, sagte er.

Zudem sollen die Fussballclubs bei ihrer Jugendarbeit ein entsprechendes Augenmerk darauf werfen. «Ich frage mich aber auch, wo die Eltern dieser Jugendlichen sind», sagt FCZ-Präsident Ancillo Canepa.

Immer wider Vorfälle

Die Ereignisse in der Krawallnacht am Bellevue sind nur ein Beispiel von Gewalt im Umfeld des Fussballs. Damals bewarfen Unbekannte in FCZ-Fankleidung Polizisten und Sanitäter mit Flaschen und Steinen, die zu einer Messerstecherei ausrückten.

Für Schlagzeilen gesorgt hat auch ein Video vom Februar. Dieses zeigt, wie nach einem Fussballspiel beim Prime Tower GC-Anhänger von Unbekannten angegriffen und massiv mit Fäusten und Füssen gegen den Kopf geschlagen und getreten wurden.

Polizeieinsatz in Zürich

(20 Minuten)