Kanton Zürich

24. Juli 2018 05:43; Akt: 24.07.2018 05:43 Print

Solaranlagen sind das neue Statussymbol

Die Zahl der Solaranlagen auf den Dächern hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Umweltbewusstsein und sinkende Preise sind Gründe dafür.

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Kochen, Licht anknipsen oder heiss duschen: Dafür produzieren Franziska und Pascal Käppeli den Strom seit kurzem selber – mit ihrer Solaranlage auf dem Dach. «Darauf sind wir stolz», sagen sie. Sie sind nicht die Einzigen, wie Annette Hirschberg, Sprecherin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), bestätigt: «Ähnlich wie das neuste Auto oder den gepflegten Garten will man heute eine eigene Solaranlage.» Sogenannte Photovoltaik-Anlagen seien zu einem Lifestyle-Produkt geworden.

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Der Aufstieg begann 2012. Damals verzeichnete man im EKZ-Gebiet, also im Kanton ohne die Stadt Zürich, 779 Anlagen im Haushaltssegment. 2017 waren es bereits 3190. Gemäss amtlicher Auswertung hat allein im vergangenen Jahr bei den Einfamilienhäusern die Zahl der Solaranlagen um knapp 30 Prozent zugenommen – bei Mehrfamilienhäusern um 14 Prozent.

Solaranlagen sind normal geworden

«Vor allem bei jungen Leuten, die ein Einfamilienhaus besitzen und in nächster Zeit eine Familie gründen möchten, ist dieser Trend zu beobachten», sagt Hirschberg. Viele wollten zeigen, dass sie sich mit dem Thema Stromverbrauch auseinandersetzen: «Und wenn der Nachbar eine Solaranlage hat, will man erst recht eine.»

David Stickelberger von Fachverband Swisssolar bestätigt diesen Trend. Eine Solaranlage sei mittlerweile völlig normal: «Auch anfänglich misstrauische Leute finden zunehmend Gefallen daran. Nicht zuletzt weil der Nachbar oder jemand aus dem Bekanntenkreis schon eine hat.»

Solaranlagen ab 15'000 Franken erhältlich

Aber auch das Umweltbewusstsein spiele bei der Anschaffung eine Rolle. Laut Stickelberger kommen viele auf den Geschmack, wenn sie sich ein derzeit angesagtes Elektroauto zulegen. Zudem seien die Preise für Solaranlagen in den letzten zehn Jahren um 80 Prozent gesunken: «Heute kann man eine Solaranlage bereits für 15'000 bis 20'000 Franken haben.»

Die Preisfrage war auch bei der Familie Käppeli anfänglich ein Hindernis: «Wir spielten vor fünf Jahren während des Hausbaus mit dem Gedanken, entschieden uns aber aus Kostengründen dagegen», erklärt Pascal Käppeli. Jetzt seien sie aber froh, dass es dank den sinkenden Kosten geklappt habe. Er erwarte, dass er in den nächsten Jahren durchaus sparen könne. Wenn so eine Anlage mal amortisiert sei, entstünden danach kaum Kosten.

Trotzdem hatte das Umfeld viele Fragen: «Wir mussten viel Aufklärungsarbeit leisten», so Franziska Käppeli. Mittlerweile konnten sie aber auch andere überzeugen: «Es macht einfach Sinn, sich eine Solaranlage zuzulegen. Wir sind nun mal eine Generation, die sehr viel Strom braucht.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 24.07.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Statussymbol, nur sinnvoll

    Solaranlagen bauen ist ein Zeichen der Zeit, aber das man das als Statussymbol macht, halte ich für sehr weit hergeholt.

  • Peter M am 24.07.2018 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wie peinlich

    Jetzt versucht man einen Hype ala Tesla und co daraus zu machen, dass noch mehr EFH-Besitzer eine nicht rentable Anlage aufs Dach schrauben. Ich empfehle jedem zu warten bis Speicher zu erschwinglichen Preise zu haben sind. Wer einspeist verliert. Man muss z.B. so den Überschuss als Einkommen in den Steuern berücksichtigen. Die Amortisationsrechnungen von 10 oder 15 Jahren stimmen bei weitem nicht. Einspeisevergütungen werden von Jahr zu Jahr weniger. Also wer den Strom tagsüber nicht zu 100% verbrauchen kann soll es besser lassen.

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  • Peter Müller am 24.07.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Schlimm genug dass sowas zu einem Statussymbol wird. Es sollte NORMAL sein und daher für jeden erschwinglich oder subwentioniert werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc Steiner am 24.07.2018 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Papi

    Mami soll strampeln für den Strom, damit Papi weniger zahlen muss.

  • Alles klar am 24.07.2018 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    "Nutzmenschen"-Wirtschaft

    Und der fleissige Bürger wird von Politik und Industrie weiter ausgebeutet: Das lukrative Geschäft machen nur die Elektrizitätswerke und die Hersteller. Alles auf Kosten und zu Lasten der Besitzer der Anlagen, der letztlich nur verliert.

  • Petra G. am 24.07.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Nachbar eine hat.....

    will man auch eine. Krankhafte Menschen mit ihren komischen Statussymbolen.....

  • Carla Hugas am 24.07.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Fake Status

    Die Schweizer sind langsam total verblödet. Solaranlagen bringen überhaupt nichts. Weder dem Status, dem Portemonnaie noch der Umwelt. Sie werden in China hergestellt und dann hierher geflogen. Surprise? In der Schweiz gibt es viel zuwenig Sonne, als dass sich das lohnen würde. Aber weil die Schweizer in der Schule nicht lernen, wie man eine ökonomische Kalkulation macht, verhauen sie es nachher bei solchen Entscheidungen. Aber ja.

  • Sandro M. am 24.07.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Realisiert endlich einmal, dass es

    nicht um Umweltschutz geht, sondern ums Verdienen. Und, dass ein erbitterter Preiskampf stattfindet. Hightechfirmen wie SolarWorld kommen und gehen wie der Sonnenaufgang und -untergang. Es tummeln sich tausende Amateurfirmen in dieser Branche, die lausige Beratung, Kalkulation und Arbeit anbieten. Am Schluss kostet eh alles 20% mehr, die Bewilligungen dauern Monate und kosten ein Vermögen, die Ausbeute ist ebenfalls 20% geringer. Schuld sind immer andere Umstände, reklamieren nützt nichts - die Firma ist schon pleite und der Inhaber auf den Seychellen.