Während Rushhour in Zürich

21. Juli 2017 05:50; Akt: 02.08.2017 12:20 Print

Spanner filmt im Tram Frauen unter den Rock

Mit einem Handy, versteckt in einer Gitarrentasche, hat ein Unbekannter in einem Zürcher Tram Frauen unter den Rock gefilmt. Offenbar nicht zum ersten Mal.

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Ein Spanner hat in einem Zürcher Tram eine Passagierin belästigt. (Symbolbild) (Bild: Digitalzh)

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Mitten in der Rush-Hour, am Mittwoch um 17 Uhr, steckte ein Unbekannter in einem Zürcher Tram der Linie 5 sein Handy in eine Gitarrentasche. Diese schob der zirka 35- bis 45-jährige Mann dann so nahe an eine junge Frau heran, dass er mit der Kamera unter ihren Rock filmen konnte.

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Eine andere Frau im Tram hat dies mitbekommen und das Opfer darüber informiert. Dieses stellte den Spanner umgehend zur Rede, doch der behauptete, er habe gar nicht gefilmt. Das Opfer blieb jedoch hartnäckig und bestand darauf, dass der Mann seine Videogalerie auf dem Handy öffnet. «Da hat er plötzlich zugegeben, gefilmt zu haben», sagt eine weitere Augenzeugin zu 20 Minuten. «Er löschte die Aufnahmen und sagte sorry.»

«Niemand hat interveniert»

Die junge Frau aber habe sich damit nicht zufriedengegeben. Ihr sei aufgefallen, dass der Mann noch weitere solche Videos auf dem Handy gespeichert hatte. Deshalb erkundigte sie sich nach seinem Namen und verlangte einen Ausweis. Ohne darauf zu reagieren, stieg der Unbekannte beim Kunsthaus aus.

«Erstaunt hat mich, dass von den anderen Passagieren im Tram niemand interveniert hat, kein Mann wäre dem Täter gefolgt», sagt die Augenzeugin. Sie habe sich um die Frau gekümmert und zusammen mit ihr die Polizei alarmiert. Zudem schilderte sie das Ganze auf Facebook und mahnte in dem Post: «Bitte achtet auf solche Vorfälle im ÖV und meldet sie der Polizei!»

Vereinzelte Anzeigen

Das Opfer hat mittlerweile Anzeige erstattet, wie Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, bestätigt. Weitere Abklärungen liefen. Laut Bisa kommt es vereinzelt zu Anzeigen wegen solcher Vorfälle im ÖV. Es sei aber gut möglich, dass es eine Dunkelziffer gebe, da längst nicht jeder Fall der Polizei gemeldet werde. «Dabei wäre dies wichtig», sagt Bisa. «Würde die Polizei umgehend alarmiert, könnte man den mutmasslichen Täter vielleicht kurz nach dem Vorfall noch stellen.» Er rät so oder so, bei einer solchen Belästigung immer Anzeige zu erstatten.

Wer in einem Tram oder Bus belästigt werde, solle zudem immer das Fahrpersonal kontaktieren. «Dieses kann Hilfe aufbieten», sagt Daniela Tober, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). «Ist dies nicht möglich, empfehlen wir ZVV-Contact
oder direkt die Polizei anzurufen.»

Trams sind videoüberwacht

Die VBZ registrieren jedes Jahr «eine Handvoll Vorfälle». Die Zahlen seien in den letzten Jahren stabil. Werde ein Spanner vom VBZ-Personal gestellt, ziehe man in jedem Fall die Polizei bei. «Dieser können wir nötigenfalls auch Videoaufnahmen aus den Fahrzeugen zur Verfügung stellen», sagt Tobler.

Auch die SBB-Medienstelle rät Personen, die sich in einem Zug gestört, belästigt oder in Gefahr fühlen, sich ans Zugpersonal oder an die SBB-Transportpolizei zu wenden. Spanner-Fälle wie in Zürich seien der SBB keine bekannt.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus D am 21.07.2017 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur Männer?

    "Kein Mann hat wäre dem Täter gefolgt" Was soll diese Aussage? hatte es nicht auch Frauen im Tram welche die Verfolgung hätte aufnehmen können? Auf Gleichberechtigung pochen aber trotzdem die unangenehmen Dinge dem Mann überlassen.

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  • Dudleymoore am 21.07.2017 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mann?

    Warum wird erwartet, dass ein Mann ihm folgt? Warum kam keine andere Frau zur Hilfe? Dafür sind wir dann wieder gut genug...

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  • gägä am 21.07.2017 06:03 Report Diesen Beitrag melden

    Fotografieren statt intervenieren

    Weshalb fotografieren sie den Mann nicht sofort mit dem Handy? Sobald das Bild im Handy ist, fangen sie an zu intervenieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blerm am 21.07.2017 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum erstaunt?

    "Erstaunt hat mich, dass von den anderen Passagieren im Tram niemand interveniert hat, kein Mann wäre dem Täter gefolgt". Ich bin überhaupt nicht erstaunt. Die Schweizer Rechtssprechung erzieht einem dazu wegzuschauen. Wenn man Helfen will wird mab schnell zum "Täter" und der eigentliche Täter wird besser geschützt als die Opfer.

  • Ivan am 21.07.2017 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Verwechselungsgefahr

    Wer sagt das es der Föteler ein Mann war, bei uns sehen viele Frauen wie Männer aus

  • Lola, 16 am 21.07.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann helfen

    Ich verstehe wirklich nicht, warum da kein gut gebauter, starker Mann geholfen hat...

  • Suzie G. am 21.07.2017 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung via Gesetze

    Wenn Männer nicht mehr ihrer Traditionellen Rolle nachkommen wollen müssen wir sie halt extra besteuern um so mehr Polizei finanzieren zu können. Uns modernen selbstbewussten Frauen steht das seid je her zu.

  • Don Vagabundo am 21.07.2017 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Foto?

    Im Stau, bdi Verkehrsunfällen, Fahrzeugbränden, Erdbeben, Demonstrationen, Grillfesten - überall werden die modernen Smartphones gezückt und gefilmt, was das Zeug hält. Aber bei Banküberfällen, sexuellen Übergriffen oder wie hier, einen Voyeur zu identifizieren, da kommt niemand auf die Idee.