Herz-OP

14. Mai 2019 09:18; Akt: 14.05.2019 09:18 Print

Am Kinderspital Zürich sterben Kinder häufiger

Eine Studie zeigt: Kinder, die mit einem bestimmten Herzfehler auf die Welt kommen, sterben im Kinderspital Zürich häufiger als in anderen Spitälern.

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Das Kinderspital Zürich (Kispi) kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus: Laut einer Studie, die das Spital veröffentlicht hat, sollen Kinder, die mit dem sogenannten Hypoplastischen Linksherzsyndrom, einem schweren Herzfehler, auf die Welt gekommen sind, während der Behandlung im Kinderspital Zürich im Vergleich zu anderen Spitälern doppelt so oft sterben.

Wie CH Media schreibt, braucht es für die Behandlung der Erkrankung drei Eingriffe am baumnussgrossen Herzen der Neugeborenen. Während der ersten Operation und in der Zeit bis zur zweiten sei das Risiko am grössten, dass die Kinder sterben. Wie die Zeitungen weiter schreiben, sei die Zahl der Überlebenden einer der Indikatoren dafür, wie gut ein Kinderherzzentrum ist.

In der Studie, die Zahlen aus den Jahren 2001 bis 2014 berücksichtigt, wurden 57 operierte Kinder erfasst. Davon starben 22 bis zur zweiten Operation. Zum Vergleich: Das Kinderherzzentrum Giessen (D) hat laut CH Media eine Studie mit Zahlen von 1998 bis 2013 durchgeführt. Dort seien lediglich 15 Prozent der Kinder gestorben.

Spannungen unter den Abteilungen

Kinderherzchirurg René Prêtre, der bis 2012 Chefchirurg des Herzzentrums war, sagt gegenüber den Zeitungen, dass die Sterblichkeitsrate beim Hypoplastischen Linksherzsyndrom nicht der beste Indikator für die Qualität eines Herzzentrums sei und es ohnehin verschiedene Ausprägungen des Syndroms gäbe.

Zudem sei bei einer Operation dieser Art nicht allein der Chirurg wichtig: «Die Kardiologie und die Intensivstation haben einen grossen Einfluss darauf, wie viele Kinder überleben», erklärt Prêtre.

Doch genau dort soll es in der vergangenen Zeit zu massiven Spannungen und Auseinandersetzungen gekommen sein. Man arbeite laut Insidern nicht miteinander, sondern jede Abteilung für sich.

«Ich habe noch eine Woche, dann bin ich tot»

Dass unter den Mitarbeitern des Kispis tatsächlich nicht alles im Reinen ist, zeigt der Fall von Johanna und Daniel Weckermann, die ihre Tochter Sina Ende März wegen eines Herzleidens verloren haben. In einem Interview mit «10vor10» berichten die beiden, wie Mitglieder der verschiedenen Teams hitzige Diskussionen am Bett ihres sterbenden Kindes führten. Die internen Konflikte am Kispi hätten laut dem Paar unter anderem auch dazu geführt, dass wichtige Informationen zwischen den Abteilungen verloren gegangen seien.

Seit April ist ein entlassener Herzchirurg zudem im Hungerstreik. Er will das Spital so dazu zwingen, ihm ein aus seiner Sicht korrektes Arbeitszeugnis auszustellen. Seit bereits 44 Tagen nimmt der entlassene Arzt laut eigenen Aussagen bereits keine Nahrung mehr zu sich. Gegenüber CH Media sagte er: «Ich habe noch eine Woche, dann bin ich tot.»

Der Arzt war vom ehemaligen Leiter der Kinderherzchirurgie, Michael Hübler, eingestellt worden. Hübler wurde allerdings im vergangenen November überraschend freigestellt.

(rab)