Für das Bundesgericht

25. Januar 2018 09:15; Akt: 25.01.2018 10:51 Print

Jusstudent sammelt Geld für Cannabis-Gerichtsfall

Der 23-jährige Till Eigenheer setzt sich als Jusstudent für Kiffer ein. Jetzt soll es vor das Bundesgericht gehen – mit einer speziellen Idee.

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Wenn eine Person im Kanton Zürich mit zehn oder weniger Gramm Cannabis von der Polizei erwischt wird, hat das seit September 2017 keine Busse mehr zur Folge. Das Bundesgericht stellte damals klar, dass der Besitz straffrei ist – nicht jedoch der Konsum. Die Polizeikorps konfiszieren das Gras aber weiterhin, auch wenn die Menge des Drogenhanfs weniger als 10 Gramm ist.

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Dagegen wehren sich Till Eigenheer, Jusstudent an der Uni Zürich, und sein Mandant, der wegen Cannabis-Besitzes gebüsst wurde. Eigenheer hat seine Dienste als Rechtsbeistand schon mehrfach kostenlos für gebüsste Cannabis-Besitzer angeboten – und konnte schon zahlreiche Fälle erfolgreich abschliessen, wie er selber sagt. Nun hat er am Mittwoch beim Zürcher Obergericht aber seine erste Niederlage einstecken müssen. «Die Busse für meinen Mandanten wurde aufgrund des Bundesgerichtsentscheids schon vom Bezirksgericht zurückzogen. Wir haben aber Beschwerde gegen die Konfiszierung eingereicht und nun einen negativen Bescheid bekommen», so Eigenheer. Das Obergericht sehe die Einziehung geringfügiger Mengen Cannabis als rechtens.

Crowdfunding-Kampagne ist lanciert

Auf Facebook informierte Eigenheer seine Freunde über das negative Urteil und will es jetzt erst recht wissen: «Mein Mandant und ich möchten die Beschwerde ans Bundesgericht weiterziehen, da man sich dort bis jetzt noch nie mit diesem Thema beschäftigt hat.» Sein Mandant scheue jedoch das Kostenrisiko bei einer Niederlage. «Ich wäre bereit, mich mit 400 Franken an den Gerichtskosten zu beteiligen. Wir sind aber auf weitere Untersützung angewiesen», so Eigenheer. Darum habe er nun eine Crowdfunding-Kampagne auf Wemakeit unter dem Schlagwort «Einziehung Cannabis» lanciert. «Ich glaube, sehr viele Leute könnten von einem positiven Urteil profitieren.»

Er rechnet mit Kosten um die 1000 Franken, falls der Fall verloren geht. «Das kommt aber auf den tatsächlichen Aufwand des Bundesgerichts an – es kann auch weniger werden oder deutlich mehr», sagt Eigenheer. Der Plan wäre gewesen, dass er den Spendern das Geld bei einem positiven Urteil wieder zurückgeben würde. «Wenn das Crowdfunding jetzt aber voll einschlägt, wäre das wohl ein viel zu grosser Aufwand.» Daher hat er auch einen Plan B bereit: «Ich würde das Geld, das nicht gebraucht wird, dem Verein ‹Legalize It!› spenden», sagt der Jusstudent.

Aber wieso nimmt der 23-Jährige den ganzen Aufwand auf sich, obwohl er derzeit auch noch mit seinem Masterstudium beschäftigt ist? «Es ist eine Win-win-Situation – mein Mandant bekommt einen günstigen Rechtsbeistand und ich darf als Student schon bei Gerichtsfällen Erfahrung sammeln», so Eigenheer. Und das vielleicht schon bald vor dem höchsten Gericht des Landes. Dann allerdings nur als Ghostwriter, denn vor Bundesgericht sind nur Anwälte zur Vertretung erlaubt.

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mary-Jane Green am 25.01.2018 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande!

    Es ist nicht eines Modernen, Aufgeschlossenen Staates würdig das Cannabisverbot weiterzuführen. Es gibt kein Grund für ein Verbot. Kein Staat hat das Recht sich dermassen in die Privatsphäre der Menschen einzumischen. Schweiz, schäme dich!

  • Werner Wenger am 25.01.2018 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzeslücke

    Ein interessanter Fall, haben = keine Busse, aber dennoch wegnehmen? Da würde ein BG-Urteil den Weg zeigen.

  • Gruezifromtheborder am 25.01.2018 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genuss

    Finde es gut das sich Leute für das einsetzen ganz ehrlich jeder macht das woran er Spaß hat und unterstützt das auch ob es verbal ist oder mit taten und ich denke jeder hat auch das Recht das zu unterstützen Bzw zu machen wovon er überzeugt ist solang niemand verletzt wird. Manche Menschen sind einfach noch zu altmodisch oder prüde die Zeit bleibt nicht stehen und ich denke Cannabis zu konsumieren ist das kleinere gesellschaftliche Problem in unserer Region.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Demokrat am 25.01.2018 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschieden lange Ellen

    Man stelle sich vor: jemand sammelt Geld um vor Gericht gegend die Beschlagnahmung seines Fahrueugs vor zu gehen, welches wegen vermuteten illegalen technischen Änderungen aus dem Verkehr gezogen wurde... Fakt ist: beides ist illegal und man weiss das! die einen werden durch den Fleischwolf gedreht und leben mit den Konsequenzen, die anderen werden mit Samthandschuhen angefasst und haben noch die Frechheit dies zu kritisieren. In meinen Augen fehlendes Verständniss für die Demokratie...

    • Michel7 am 25.01.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Demokrat

      Sie scheinen es offensichtlich nicht verstanden zu haben. Wenn es legal ist, das Gras zu besitzen, wieso kann es dann beschlagnahmt werden? Sehen Sies jetzt? Die Gesetze sind widersprüchlich, das muss vom BG entschieden werden.

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  • Rot's Nase am 25.01.2018 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Tugenden unserer Jugend

    Löblich wie sich der Jungspunn für Gerechtigkeit einsetzen mag. Bedenken sollte er aber, dass wer viel Gerechtigkeit erzielt und zum Beispiel Besitz und Recht von Tee Trinkern und Gras Rauchern unterstützt bald einmal mit seiner eigenen Gilde in Streit verfällt. Denn wenn das einträgliche Rechtsgeschäft mit Cannabis wegfällt und alles legal sein sollte, dann fehlt dem Richter und Anwalt das Einkommen und der müsste sich aus der Not neue Ungerechtigkeiten ausdenken.

  • Tom d am 25.01.2018 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verlorene Energie

    er sollte sich lieber für Dinge einsetzen, die tatsächlich den Menschen weiterbringen. Kiffen tut man zuhause und man läuft auch nicht mit dem Zeug herum, selber schuld, wenn es eingezogen wird.

  • Dave74 am 25.01.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Konfus

    Also wie darf man das verstehen? Etwas ist erlaubt, aber es wird dennoch eingezogen? Dann sollten wir wohl nur noch nackt nach draussen gehen. Allerdings wird man dann gleich komplett eingezogen. :)

    • O. Graf am 25.01.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      straffrei

      Es heisst explizit «straffrei», was aber nicht heisst, dass es erlaubt ist. Viele Dinge sind straffrei, aber nicht erlaubt.

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  • Klina am 25.01.2018 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren

    Also ich finde man sollte es legalisieren! Wer hat schon von bekifften leuten gehört das sie aggressiv werden und probleme bereiten. Man sollte eher denn alkohol als illegal gelten. Denn vom alkohol hört man ja viel mehr gewalt taten. Häusliche gewalt ect. Ich kiffe seit jahren nicht mehr. Aber ich finde es gut es würde überhaupt der schweiz gut tun. Es wären alles einbischen easyer drauf.

    • Buckweed am 25.01.2018 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pesche Fellet

      genau so wie (Risiko-)Sportler, insbesondere Fussballer, alle Trinker, alle Raucher, etc?

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