Nach Suspendierung

20. Juli 2018 15:15; Akt: 20.07.2018 15:15 Print

Staatsanwalt erhält über 100'000 Fr fürs Nichtstun

Ein Chefermittler soll bei seiner Arbeitszeit geschummelt haben. Der Zürcher Regierungsrat suspendierte den 56-Jährigen für zehn Monate.

storybild

Ein Zürcher Staatsanwalt soll bei seinen Arbeitszeiten geschummelt haben. Er wurde für zehn Monate suspendiert. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Vorwürfe gegen einen Zürcher Staatsanwalt sind happig. Der Chefermittler, der eine Abteilung mit acht Strafverfolgern leitet, soll über einen längeren Zeitraum bei seiner Arbeitszeit geschummelt und zu viele Stunden eingetragen haben.

Nach mehreren internen Meldungen wurde der 56-Jährige vom Zürcher Regierungsrat im September 2017 suspendiert. Es wurde ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet. Der Verdacht: Urkundenfälschung und Betrug.

Über 100'000 Franken an Steuergeldern

Intern möchte sich niemand dazu äussern. Weder Chef-Oberstaatsanwalt Beat Oppliger noch Sonderstaatsanwalt Hans Maurer, der die Ermittlungen führt. Auch den restlichen Mitarbeitern wurde ein Maulkorb verpasst.

Dem «Tages-Anzeiger» liegt aber eine interne Meldung von Oppliger vor: «Bedauerlicherweise muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mich (...) veranlasst sah, ein Ermittlungsverfahren gegen einen Kadermitarbeiter der Staatsanwaltschaft wegen Unregelmässigkeiten in der Erfassung der Arbeitszeiten in die Wege zu leiten.»

Busse von mehreren Tausend Franken

Weiter heisst es, dass man den Mitarbeiter «per sofort im Amt eingestellt» habe. Im September 2017 wurde der 56-Jährige dann vom Zürcher Regierungsrat suspendiert.

Seitdem sitzt der Chefermittler zu Hause und soll fürs Nichtstun seinen vollen Lohn kassieren. Laut «Tages-Anzeiger» dürften das über 11'000 Franken pro Monat sein. In zehn Monaten hätte man so über 100'000 Franken an Steuergeldern verschwendet.

Mehrfache fahrlässige Urkundenfälschung

In der Zwischenzeit sind die Ermittlungen abgeschlossen. Wegen mehrfacher fahrlässiger Urkundenfälschung muss der Chefermittler eine Busse von mehreren Tausend Franken bezahlen. Der Sonderstaatsanwalt wirft dem 56-Jährigen vor, an rund 70 Tagen die Einträge nicht korrekt erfasst zu haben. Von Betrug ist keine Rede mehr.

Einen Eintrag im Strafregister wird es laut seinem Verteidiger Dario Zarro nicht geben. Ob der Chefermittler verwiesen oder gar entlassen wird, steht noch nicht fest. Darüber entscheiden jeweils die Oberstaatsanwaltschaft und der Regierungsrat. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig.


(mon)