Tötungsdelikt im Seefeld

30. April 2019 13:33; Akt: 30.04.2019 15:45 Print

Tobias K. (26) plante weitere Morde

Der Fall Tobias K. sorgte Mitte 2016 für landesweite Schlagzeilen. Jetzt wird Anklage erhoben.

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Der entflohene Häftling Tobias K. ist gefasst: Das sagte die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP), Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern, am Mittwoch, 25. Januar 2017, an einer Medienkonferenz. Er war von der Berner Kantonspolizei am 18. Januar verhaftet worden – durch Zufall. Das Fahndungsbild von Tobias K.: Die Polizei suchte damit nach dem 23-Jährigen. Er war am 23. Juni 2016 aus seinem ersten unbegleiteten Hafturlaub nicht in die Strafanstalt Pöschwies ZH zurückgekehrt. K. wurde verdächtigt, das Tötungsdelikt im Seefeld begangen zu haben. Ein 42-Jähriger wurde dort am 30. Juni 2016 auf der Altenhofstrasse am helllichten Tag erstochen. Der Täter sei über die Bahngleise geflüchtet, hiess es. Am 22. Juli 2016 bestätigte der zuständige Staatsanwalt Adrian Kägi gegenüber 20 Minuten, dass ein 25-Jähriger wieder freigelassen wurde, der verhaftet worden war. Der Tatverdacht habe sich nicht bestätigt. Der Tatverdacht gegen den verhafteten 25-Jährigen soll laut einer Kollegin schon bei dessen Festnahme wackelig gewesen sein. Dass er kaum etwas mit der Tat zu tun habe, sei schon zwei, drei Tage später festgestanden, behauptet sie. Am Samstag, 2. Juli 2016, machte die Polizei einen öffentlichen Fahndungsaufruf. Am Montag, 4. Juli, lud Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Inneren, zu einem Point de Presse zum Fall Seefeld und K. ein. Den Medien erzählte man damals weiterhin von zwei dringend Tatverdächtigen. Über den 42-jährigen Mann, der am 30. Juni auf der Altenhofstrasse getötet wurde, weiss man bis heute wenig. Zeugen sagten, dass sie den 42-Jährigen in der Unterführung der Altenhofstrasse beobachtet haben. Er soll dort gesessen, geraucht und ein Bier getrunken haben. Es ist gut möglich, dass er auf jemanden wartete. K. ist nach der Tat im Zürcher Seefeld abgetaucht. Erst im Januar 2017 konnte man den heute 26-Jährigen dann verhaften, weil er eine Waffe im Darknet kaufen wollte.

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Am 30. Juni 2016 erstach der damals 23-Jährige einen zufällig ausgewählten Passanten im Zürcher Seefeld, als er im Hafturlaub war. Danach tauchte Tobias K.* unter – bis er im Januar 2017 eine Waffe im Darknet kaufen wollte und von der Polizei im Kanton Bern verhaftet wurde.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Wie die Oberstaatsanwaltschaft am Dienstag mitteilt, wird nun Anklage gegen den heute 26-jährigen K. und seinen Komplizen erhoben – einen heute 38-jährigen Litauer und ehemaligen Mitinsassen von K.: wegen Mordes, strafbarer Vorbereitungshandlungen zu mehrfachem Mord, versuchter Befreiung von Gefangenen, Irreführung der Rechtspflege und mehrfachen versuchten Vergehens gegen das Waffengesetz.

Den beiden Beschuldigten wird vorgeworfen, während des Strafvollzugs in der Strafanstalt Pöschwies eine anonyme Erpressungsaktion unter Androhung der Tötung eines zufällig ausgesuchten Opfers geplant und vereinbart zu haben. Diese Drohung setzte K. dann im Zürcher Seefeld während seines Hafturlaubs um.

Mit Erpressung die Freilassung von Mitinsassen erreichen

Mit dem an den Zürcher Kantonsrat gerichteten Erpresserschreiben wollten die beiden Beschuldigten die Freilassung des litauischen Mitinsassen erreichen. Für den Fall, dass der Litauer nach erfolgter Tötung nicht aus der Haft entlassen werden sollte, wurden im Erpresserschreiben weitere Tötungsdelikte in Aussicht gestellt.

Wie die Staatsanwaltschaft in der Mitteilung weiter schreibt, hat K. auf seiner Flucht nach der Tat in Zürich diverse Vorbereitungshandlungen getätigt in Verbindung mit den im Erpresserschreiben angekündigten weiteren Tötungsdelikten. Dazu gehört auch der versuchte Waffenkauf über das Darknet.

* Name bekannt

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