Staatsanwaltschaft klagt an

17. April 2019 12:46; Akt: 17.04.2019 17:38 Print

Carlos (23) sorgt in Haft für 29 strafbare Vorfälle

Dem Straftäter Carlos droht erneut Ärger: Wegen diverser Zwischenfälle in Haftanstalten wird er nun von der Staatsanwaltschaft angeklagt.

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Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich erhebt beim Bezirksgericht Dielsdorf Anklage gegen B. K. Dem unter dem Pseudonym Carlos bekannt gewordenen Mann wird vorgeworfen, in verschiedenen Haftanstalten eine Vielzahl von Delikten zum Nachteil von Gefängnispersonal, Polizisten und Mitinsassen begangen zu haben. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Allein zwischen Januar 2017 und Oktober 2018 sind 29 Vorfälle mit strafrechtlich relevanten Tatbeständen aktenkundig, die nun von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht werden. Dabei handelt es sich um versuchte schwere Körperverletzung in einem Fall, um einfache Körperverletzung in zwei Fällen, um Sachbeschädigung in acht Fällen mit einer Gesamtsumme von rund 40'000 Franken, um Drohung in drei Fällen, um Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamten in zehn Fällen sowie um Beschimpfung in fünf Fällen. Die Anträge zu Strafen und allfälligen Massnahmen gibt die Staatsanwaltschaft erst an der Gerichtsverhandlung bekannt.

«Nicht alltäglich»

Für den Staatsanwalt Ulrich Krättli ist es ein besonderer Fall: «Es ist nicht alltäglich, dass ein Häftling so viele Delikte im Strafvollzug begeht.» Neben den nun zur Anklage gebrachten Sachverhalten sind noch weitere Verfahren gegen Carlos wegen Vorfällen in Haftanstalten nach Oktober 2018 hängig. Beim Entscheid, ob nun Anklage erhoben wird oder ob damit zugewartet werden soll, bis auch die jüngsten Delikte abschliessend untersucht worden sind, hat die Staatsanwaltschaft laut Krättli auch die Verteidigung miteinbezogen.

Vor der Anklageerhebung hat die Staatsanwaltschaft zudem noch ein psychiatrisches Gutachten angefordert. Mit diesem Gutachten liess der Staatsanwalt unter anderem die Frage einer Verwahrung prüfen, wie auch die «Neue Zürcher Zeitung» im Dezember berichtete. Welchen Schluss das Gutachten zulässt und ob eine Verwahrung angeordnet wird, kann Krättli zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Darüber wird allenfalls ein Gericht entscheiden.» Carlos' Anwalt wollte keinen Kommentar zur Anklage abgeben.

Seit 2013 immer wieder in den Schlagzeilen

Carlos sorgt seit August 2013 immer wieder für Schlagzeilen. In einer SRF-Sendung wurde damals sein Fall vorgestellt. Der Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin wurde mit einer Sonderbehandlung betreut – ein Resozialisierungsprogramm für schwer erziehbare Jugendliche. Kostenpunkt: Über 29'000 Franken pro Monat. Zu diesem Zeitpunkt war der damals 17-jährige Carlos schon 34-mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden.

Doch Carlos wurde wieder straffällig und randalierte dann im Gefängnis. Er fiel etwa durch einen Hungerstreik auf, setzte seine Zelle unter Wasser oder griff einen Aufseher im Gefängnis Pöschwies an. Im vergangenen Jahr wurde auch in diversen Medienberichten thematisiert, ob Carlos gar verwahrt werden soll.

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