Happy End für Schule

08. November 2018 19:07; Akt: 08.11.2018 19:07 Print

Brugg schlägt Spende von 10'000 Franken aus

von B. Zanni - Eine Rentnerin wollte der Schule Brugg 10'000 Franken spenden. Der Stadtrat hat das Angebot ausgeschlagen, Geld fliesst trotzdem.

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Am Donnerstag schlug der Brugger Stadtrat Willi Däpp (SP) ein Spendenangebot für die Schule Brugg aus. «Gestern Morgen hat der Stadtrat beschlossen, dass die obligatorischen Schulanlässe ohne Einsparungen durchgeführt werden und die Spende von Frau B. deshalb nicht nötig ist», sagt der Brugger Stadtrat Wili Däpp (SP). G. B. möchte auch die Volksschule Kriens mit einer Spende von 10'000 Franken unterstützen. Es sei doch traurig, wenn diese wegen des Urteils künftig keine oder nur noch im Umfang beschränkte Aktivitäten ausserhalb der Schule unternehmen könnte, sagt B. Die Nachricht, dass Aktivitäten ausserhalb des Schulzimmers nur noch beschränkt durchführbar seien, erreichte die zweifache Mutter Sarah Le Grand via Infobrief der Volksschule am Freitag. Darin schrieb der Rektor, dass «bisherige Aktivitäten wie Schulreisen, Exkursionen und Ausflüge nicht mehr oder nur in reduziertem Umfang» durchgeführt werden könnten. Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichts vom Dezember 2017. Für obligatorische Schulanlässe oder Lager dürfen den Eltern nur noch maximal die Verpflegungskosten in Rechnung gestellt werden. Der Entscheid sollte finanziell schwächere Eltern entlasten. Für die Kosten müssen nun zum Grossteil die Gemeinden aufkommen. In Kriens LU fehlt offenbar das Geld dazu. Der Kanton Luzern übernimmt zwar ein Viertel der anfallenden Kosten, Kriens reicht dieser Beitrag aber nicht. Im Infobrief des Schulleiters heisst es: «Auch wenn die Beträge ins Budget 2019 der Schule Kriens eingearbeitet wurden, werden sie nicht ausreichen, um die bisherigen Aktivitäten aufrechterhalten zu können.» Laut Charles Vincent, Dienststellenleiter der Volksschulbildung im Kanton Luzern, muss nicht nur Kriens umdenken. «In vielen Gemeinden und Städten besteht die Frage, wer die ausfallenden Elternbeiträge übernimmt», sagt er. Die nun vom Kanton festgelegten Beiträge, die die Gemeinden budgetieren müssen, seien moderat. Habe eine Schule bisher viele Ausflüge gemacht und Elterngeld erhalten, müsse sich diese nun einschränken oder andere Lösungen finden. Auch für Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, ist klar: «Den Bundesgerichtsentscheid nun anzuzweifeln, macht keinen Sinn. Es ist nur eine Frage der Budgetierung der Gemeinden und Schulen – und es geht nicht um viel Geld.» Je nach kantonalem Gesetz gehören dazu aber auch Schulmaterial oder obligatorische Lager. So soll jedes Kind uneingeschränkt an der Schule und an Ausflügen teilhaben können – wenn diese obligatorisch sind. Es sei eine Bankrotterklärung, wenn Gemeinden für Schulausflüge und Klassenlager nicht mehr aufkommen könnten, sagt Zemp. Dann sei es an den Kantonen, für Chancengleichheit zwischen den Gemeinden zu sorgen und diese entsprechend zu unterstützen, so Zemp.

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Die Rentnerin G. B.* hat der Schule Brugg AG kürzlich 10'000 Franken angeboten. Mit der Spende wollte die Dame aus Neuenhof AG verhindern, dass die Schüler bei Reisen, Exkursionen und Ausflügen Abstriche machen müssen. Laut B. hatte die Schule versprochen, die Überweisung des Betrags in die Wege zu leiten.

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Am Donnerstag jedoch schlug der Brugger Stadtrat Willi Däpp (SP) das Spendenangabot aus: «Gestern Morgen hat der Stadtrat beschlossen, dass die obligatorischen Schulanlässe ohne Einsparungen durchgeführt werden und die Spende von Frau B. deshalb nicht nötig ist», sagt der Bildungsvorsteher. Die Eltern hätten die Möglichkeit, zusätzlich zum obligatorischen einen freiwilligen Beitrag zu bezahlen. «Die Stadt Brugg begleicht demnach die Differenzen zwischen den Elterneinnahmen und den Gesamtkosten der externen Schulveranstaltung.»

Qualitätseinbussen hätten gedroht

Laut Däpp wären die vorgesehenen Einsparungen nicht ohne Qualitätseinbussen über die Bühne gegangen. Die Schulreisen hätte nur noch im Kanton oder in angrenzenden Kantonen stattfinden können. «Um ein Lager durchführen zu können, hätten die Schüler in ihrer Freizeit Geldsammelaktionen starten müssen.» Dies hätte die Lehrpersonen zu zusätzlicher Arbeit verknurrt. «Da sich Brugg als Bildungsstadt etablieren will, sind solche Einsparungen ohnehin der falsche Weg.»

Offen für eine Spende zeigt sich Brugg aber im Falle des Ferienhauses in Hemberg SG, in dem unter anderem Ferienlager für Kinder durchgeführt werden. «Die Spende würde zweckgebunden für die finanzielle Unterstützung von Kindern aus einkommensschwachen Familien verwendet werden, wie es dem Willen der Spenderin entspricht», erklärt Däpp.

Spende für andere Kinder

G. B. bestätigt: «Gern spende ich das Geld auch der Stiftung Hemberg. Kinder, die sonst nicht in die Ferien können, tun mir ja auch leid.» Es freue sie, dass das Geld doch an den richtigen Ort komme, so die Rentnerin.

Von der Volksschule Kriens LU hingegen erwartet B. demnächst einen Einzahlungsschein, um weitere 10'000 Franken zu spenden (20 Minuten berichtete). 2017 entschied das Bundesgericht, dass den Eltern für obligatorische Schulanlässe oder Lager nur noch maximal die Verpflegungskosten in Rechnung gestellt werden dürfen. Auch die Volksschule Kriens LU kündigte an, bei Aktivitäten ausserhalb der Schule deshalb Abstriche machen zu müssen.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tt am 08.11.2018 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    woran liegts?

    schlussendlich ein weiteres zeichen wie unfähig die politik in der schweiz ist.

  • Daniel Jäggi am 08.11.2018 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ein typisch CH - Armutszeugnis...

    ...jetzt wo es an die Öffentlichkeit gelangt ist, brauchen sie die wohl gemeinten Spenden plötzlich nicht mehr...die Blamage wäre viel zu groß... dafür Verpulvern sie die Kohle für andere unnötige und fraglichen Institutionen,,,!!!

  • P. Alder am 08.11.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Ich als Steuerzahler von Brugg frage mich schon, wieso man eine gutgemeinte Spende nicht annehmen will. Anscheinend sind die Stadträte zu gut bezahlt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin L. am 09.11.2018 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    Staune, Elternbeiträge an Schulreisen waren schon vor 40 Jahren üblich.... Ich verstehe nicht wie man wegen so etwas vor Gericht ziehen kann. Viele Menschen werden immer egoistischer.

  • tt am 08.11.2018 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    woran liegts?

    schlussendlich ein weiteres zeichen wie unfähig die politik in der schweiz ist.

  • B. Huber am 08.11.2018 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute sache für hemberg

    war im teeny-alter dreimal dort. vor vier jahren meinen 70igsten geburtstag gefeiert. war das ein wiedersehen. von wegen "die sich sonst keine ferien leisten können: damals waren quer durch alle klassen jugendliche dabei. man konnte, musste nicht, fast alles machen. tschutten gegen die dörfler, es gab noch heidelbeeren, wandern, herumhängen, man fühlte sich einfach frei. danke für die spende: die aussenanlagen hätten schon eine auffrischung nötig...

  • marko 33 am 08.11.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödheit

    Wie blöd muss man sein!

  • wölfli michel am 08.11.2018 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    darf nicht wahr sein

    Um ein Lager durchführen zu können, hätten die Schüler in ihrer Freizeit Geldsammelaktionen starten müssen.» Dies hätte die Lehrpersonen zu zusätzlicher Arbeit verknurrt., wir hatten das immer gemacht, da sieht man nur wie faul die lehrpersonen geworden sind