Winterthur

03. Oktober 2016 15:30; Akt: 04.10.2016 09:46 Print

Stadtpolizei setzt neu auf einen Brückenbauer

Im Kampf gegen Extremismus setzt die Winterthurer Stadtpolizei bald auf einen Brückenbauer. Dieser trägt Uniform – anders als sein Pendant in Zürich.

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Mehrere Jugendliche sind in den letzten Jahren in Winterthur radikalisiert worden, nach Syrien gereist und haben sich dem IS angeschlossen – darunter zwei Geschwister aus Töss. Deshalb gibt es neu die Fachstelle Extremismus- und Gewaltprävention. Am Montag hat sie ihre Arbeit aufgenommen. Ihre Hauptaufgaben: früh erkennen, wenn sich eine Person radikalisiert, das Umfeld und die Fachleute beraten sowie bei Extremismus und Gewaltbereitschaft einschreiten und die zuständigen Stellen einschalten.

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«Es geht vor allem um Prävention, aber auch darum, mehr Wissen zu sammeln», sagt der zuständige Stadtrat Nicolas Galladé (SP). Eine Fachstelle allein mache noch keinen Frühling, wichtig sei die Einbettung und Zusammenarbeit mit den bestehenden Akteuren und Multiplikatoren im System. Zudem gehe es nicht nur um Jihad-Reisende, sondern um alle Formen von Extremismus, «diesen gibt es auch bei fundamentalen Christen oder politisch extrem-rechts oder -links.»

Fachstellenleiter Urs Allemann ist denn auch kein ausgewiesener Jihad-Experte, hat aber zuvor während neun Jahren bei der Stadtzürcher Fachstelle für Gewaltprävention gearbeitet. «Seine Erfahrung im Bereich Risikoeinschätzung ist sehr gross und er ist gut vernetzt, das gab den Ausschlag, ihn aus rund 50 Bewerbern auszuwählen», sagt Galladé.

Brückenbauer bei der Polizei

Der Stadtrat plant zudem bei der Stadtpolizei auf den 1. Januar einen Brückenbauer einzustellen. Er oder sie wird aktiv auf Migranten zugehen, Kontakte knüpfen und so die Basis für regelmässigen Gesprächsaustausch legen. «Miteinander reden ist die beste Prävention und ermöglicht, dass Repression weitgehend nicht mehr nötig ist», so Stadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP).

Die Stadtpolizei sei in Zusammenhang mit dem Aufbau dieser Stelle mit verschiedenen Schwesterkorps in Kontakt und lasse sich auch von ausländischen Modellen inspirieren. Ausserdem soll die Arbeit des Brückenbauers von einer wissenschaftlichen Facharbeit der ZHAW begleitet werden.

«Gut möglich, dass wir für den Job eine geeignete Person im Stadtpolizei-Korps finden», sagt Günthard-Maier. Wichtig sei sicher eine Offenheit für andere Kulturen, eine Affinität zu Migrationsthemen und selbstverständlich eine hohe Sozialkompetenz. Sie sagt: «Zudem wird er oder sie gut erkennbar in Uniform unterwegs sein – auch das schafft Vertrauen.»

«Uniform kann verunsichern»

Das sieht man bei der Zürcher Stadtpolizei genau umgekehrt. Deren Brückenbauer ist in Zivil unterwegs, um nicht repressiv zu wirken. «Eine Uniform reicht manchmal schon, um zu verunsichern», sagt Sprecher Marco Bisa. Insgesamt stosse er aber auf grosse Akzeptanz. Selbst bei islamischen Gemeinschaften, die anfänglich zum Teil eher skeptisch gewesen seien. Bisa: «Spätestens nach dem zweiten Treffen ist das Eis gebrochen.»

(rom)