Bürger sagen Nein

06. Dezember 2011 11:51; Akt: 06.12.2011 11:53 Print

Steuer-Millionen werden nicht gespendet

von Zora Schaad - Ivan Glasenbergs Steuer-Millionen werden nicht gespendet:Rüschlikon lehnt es ab, einen höheren Anteil der Steuereinnahmen für wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen.

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Ein Rüschliker Bürgerkomitee will als Zeichen der Solidarität Geld an die Dritte Welt spenden. Foto: keystone

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Trotz ausserordentlicher Steuereinnahmen von über 50 Millionen Franken entschied sich die Rüschliker Gemeindeversammlung gestern Montagabend nicht für ein «Zeichen der Solidarität». Das Bürger­komitee hatte beantragt, die Steuern lediglich um fünf statt um sieben Prozent zu senken. Die zwei eingesparten Steuerprozente hätten sozialen Projekten in der Dritten Welt zu­fliessen sollen. Doch der Antrag wurde deutlich abgelehnt.

Enttäuscht vom Ergebnis zeigte sich Ursula Rütter-Fischbach vom Komitee «Solitarität Rüschlikon»: «Mit einem Ja hätten wir gezeigt, dass es uns nicht egal ist, woher das viele Geld kommt.» Denn der Steuersegen ist auch dem Umstand zu verdanken, dass Rohstoffmillionäre wie Glencore-CEO Ivan Glasenberg – dessen Frau gestern auch an der Versammlung zugegen war – in Rüsch­likon Wohnsitz haben. Das Unternehmen mit eigenen Minen wurde in der Vergangenheit heftig kritisiert. Die Organisation Recht ohne Grenzen etwa warf einer Glencore-Tochter im Kongo vor, ihre Minenarbeiter zu wenig vor den stark erhöhten radioaktiven Strahlungen zu schützen. Auch Kinderarbeit käme vor.

Der Rüschliker Finanzvorstand Simon Egli ist über den Entscheid hocherfreut: «Der Antrag basierte auf Geldern, die wir gar nicht haben. Bis 2013 müssen wir 205 Millionen Franken an den kantonalen ­Finanzausgleich abgeben.» Der Rüschliker Willy Künzi sagt: «Ich vertraue darauf, dass die Rüschliker freiwillig spenden und bin gegen einen Staatszwang.» Ausserdem finde er es befremdlich, «Glasenberg an den Pranger zu stellen, nachdem wir ihn erst kürzlich eingebürgert haben».
zora schaad

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