Streik im Luxushotel Sheraton

29. August 2019 19:09; Akt: 30.08.2019 08:23 Print

«Wir müssen Kot der Gäste von Hand entfernen»

Im 4-Stern-Hotel Sheraton in Zürich hat das Putzpersonal seine Arbeit niedergelegt. Grund: Beschimpfungen und rassistische Erniedrigungen.

Das sagen die Reinigerinnen und Reiniger zur Situation im Sheraton. (Video: lar)
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«Ich kann einfach nicht mehr, jetzt muss sich etwas ändern», sagt Reinigungskraft Isabella Z.*, die am Donnerstag in den Streik getreten ist. Ihr Arbeitsalltag im Hotel Sheraton in Zürich sei geprägt von einer «ständig steigenden Arbeitslast» sowie Beschimpfungen und rassistischen Erniedrigungen durch Vorgesetzte.

Eine Reinigerin erzählt, dass ihre Chefin Sachen wie «Scheiss Portugiesen» sagt. Sie würden auch nicht mit Namen angesprochen, sondern mit ihrer Nationalität. Isabella ergänzt: «Wir werden absolut respektlos behandelt.»

Ein Reinigungsmittel für alles

Im Moment sei es so, dass ein Zweierteam von Reinigerinnen beispielsweise bis zu 75 Zimmer pro Tag putzen müsse – «Wir werden ausgenutzt. Das ist ein unglaublicher psychischer und physischer Stress», sagt Isabella Z. Und auch die Unia spricht von einer «nicht zu bewältigenden Aufgabe». Dazu würden verspätete Lohnzahlungen und Arbeitseinsätze von mehreren Wochen ohne freien Tag kommen.

Die Zustände sind laut dem Reinigungspersonal unhaltbar. «Wir müssen den Kot der Gäste, der manchmal sogar in der Dusche liegt, von Hand entfernen», sagt eine Streikende. Das Hotel stelle wegen Sparmassnahmen keine Handschuhe zur Verfügung und es gebe nur ein Reinigungsmittel, um alles zu putzen. «Weil dieses so ätzend ist, ist die Haut meiner Hand verwundet.»

«Wir wissen nicht, was als Nächstes kommt»

Reiniger Antonio Lago sagt, dass die Bedingungen unbedingt verbessert werden müssen. Eine weitere Streikende ergänzt: «Ich will meinen Job gut machen, ich will saubere Zimmer für die Gäste. Ich gebe alles, aber unter diesen Bedingungen ist das nicht möglich. Ich bin total am Anschlag, habe keine Zeit für meine Familie und werde am Schluss noch von meiner Chefin angeschrien.»

Müssen Gäste in dreckigen Zimmern schlafen?

«Wir wissen nicht, was als Nächstes kommt. Wir wollen unsere Jobs behalten, dafür fordern wir eine Anstellung direkt beim Hotel statt bei weiteren Subunternehmen», sagt eine andere Reinigungskraft.

Letzte Möglichkeit: Warnstreik

Laut der Gewerkschaft sind die Probleme der Hoteldirektion seit Langem bekannt. «Die Arbeitnehmenden fordern seit über einem Jahr vom Hotelmanagement und dem mit der Reinigung betrauten Subunternehmen eine Verbesserung ihrer Situation», sagt Co-Geschäftsleiter Lorenz Keller.

Zuletzt habe das Reinigungspersonal seine Forderungen mit einer Petition beim Management eingereicht. «Alles ohne Resultat», so Keller. Statt der erhofften Besserung sei es in den letzten Tagen zu Kündigungen gekommen. «Als letzte Möglichkeit bleibt ihnen nur noch, heute im Rahmen eines Warnstreiks, ihre Arbeit niederzulegen. Und zu hoffen, dass das Sheraton endlich handelt.»

Bereits Kritik am Marriott

Während die Probleme in Gesprächen durch die Hotelleitung anerkannt und Besserung versprochen worden sei, sei es seit Monaten bei Absichtserklärungen und leeren Versprechungen geblieben.

Die Arbeiterinnen im Zürcher Hotel Sheraton sind laut der Unia mit ihren Problemen nicht allein. Bereits letzten Sommer wurde in einem Report der Unia Zürich-Schaffhausen auf die Probleme in der Hotelreinigung der Hotelkette Marriott, zu der auch das Sheraton gehört, hingewiesen.

«Es gab keinen Streik»

Michael Böhler, Marketing-Manager beim Sheraton, bestätigt, dass vereinzelt Mitarbeiter am Donnerstag nicht zum Dienst erschienen sind. Der Betrieb sei aber gewährleistet, die Hotelzimmer würden geputzt. Er schreibt in einer Stellungnahme: «Wir nehmen die erneut aufgeworfenen Themen sehr ernst und werden diese eingehend prüfen.»

Auch die Behauptungen der Unia aus dem vergangenen Jahr würden «sehr ernst genommen». «Es wird daran gearbeitet, die Situation zu verstehen, um ein sicheres und angenehmes Arbeitsumfeld sowohl für eigene Mitarbeiter als auch für Mitarbeiter von externen Unternehmen zu garantieren», sagt Böhler.

Verhaltensrichtlinien einhalten

Das Wohlbefinden und die Sicherheit von Mitarbeitern und Gästen seien oberste Priorität des Sheraton. «Auch wenn wir unsere Housekeeping-Dienstleistungen an Fremdfirmen auslagern, wählen wir die externen Dienstleister sorgfältig aus und verpflichten uns, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die sämtliche gesetzlichen Anforderungen an Arbeitsbedingungen erfüllen und unsere auf den Menschen ausgerichteten Werte teilen.»

Alle Lieferanten und Fremdfirmen müssten den Verhaltensrichtlinien für Zulieferer folgen. Diese würden die Notwendigkeit der Konformität mit geltenden Gesetzen, Vorschriften und Sicherheitsstandards aufzeigen. Darüber hinaus würden alle Hotels regelmässigen internen Kontrollen und Inspektionen unterliegen. «Bei diesen Kontrollen wird nicht nur das Reinheitsniveau der Zimmer überprüft, sondern auch sichergestellt, dass in den Hotels nach unseren Grundwerten gehandelt wird: Menschen in den Mittelpunkt jeglicher Aktivitäten stellen, nach Exzellenz streben, sich Veränderungen stellen und in jeglicher Hinsicht respektvollen Umgang miteinander pflegen.»

Streik zeigt Wirkung

Wie die Unia mitteilt, konnte das Reinigungspersonal mit ihrem Streik einen ersten Erfolg verbuchen: Das Hotel-Management habe eingewilligt, am Montag verbindliche Gespräche mit den Angestellten und der Unia zu führen.

Gleichzeitig habe sich das Hotel zu Sofortmassnahmen verpflichtet. Die Anzahl Zimmer, die pro Arbeitstag und Team gereinigt werden müssen, werden nach oben begrenzt und die Personalabteilung des Hotels nimmt die Verantwortung zur Sicherstellung korrekter Abläufe und Schutz gegen Repressionen an sich.

*Name der Redaktion bekannt

(jen/lar)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuela am 29.08.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mehr schein als sein...

    tyisch für solche Unternehmen... eine Übernachtung kostet einen halben Monatslohn den die Reinigungskraft verdient!! und die Gäste? die haben noch das Gefühl sie können sich alles erlauben... die meisten Arbeitgeber sind auf dem Spartrip. Leider nerken sie erst zu spät, dass sie so die guten Mitarbeiter verlieren!!

  • petER am 29.08.2019 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer auf die Kleinen

    das kommt davon, wenn man Arbeiten an andere Unternehemen weitervergibt. Weil diese einen tieferen Preis annehmen, als dass das Hotel dies selbst tun könnte. Traurig ist, dass das dann auf dem Buckel der ohnehin wenig verdienenden Mitarbeiterinnen ausgetragen wird. Wären das eidg. diplomierte Fachfrauen Reinigung und Schweizerinnen, hätte es einen riesigen Sturm der Empörung ausgelöst! Aber mit den Portugiesinnen kann mann offenbar einfach geltende Gesetze unterlaufen! PFUI Ich übernachte nicht mehr im Sheraton!

    einklappen einklappen
  • Herr Max Bünzli der in der Totte am 29.08.2019 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    können die werten Gäste nicht mal in die WC Schüssel Koten ?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chrigel am 30.08.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Managerli

    Die Manager zwingen, Kot aufzulesen. Von blosser Hand natürlich. Filmen und ab auf YouTube mit dem Hotel-Emblem.

  • Till Tillermann am 30.08.2019 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das Hotel ist verantwortlich

    Und wenn der jetzige Subunternehmer nicht mehr will, kommt der Nächste und ist noch billiger. Dann bezahlt er einfach die AHV Beiträge nicht ein usw. Die Hotels wissen das ganz genau und sie schauen weg. Gegenüber dem Gast ist aber das Hotel verantwortlich.

  • Pippo am 30.08.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Manche Gäste und Hotelbezitzer (in der Regel Konzerne) sind der selbe Gattung: einfach Profiteure ! Die gäste (kleingeschrieben) haben das Gefühl, sie dürfen alles machen was sie wollen. Die konzerne kleingeschrieben) das Personal ausnutzen und erpressen. Persönlich, seit Jahren meide ich Hotelketten, wo der Kunde ist eine Nummer und das Personal nur eine Arbeitskraft. Also, Hyatt, Hilton, Continental, Ibis und the like ... Ja, es liegt auch an uns Konsumenten. Wenn wir sind immer nur den Preis schauen (ich nicht) dann müssen wir wissen, das wir die Erpresser sind!

  • Neumann am 30.08.2019 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Die Luxuskunden sind nicht gerade bekannt für pfleglichen Umgang nit Bediensteten und Angestellten, das ist weltweit so und in ärmeren Ländern, wo die Vermögensschere grösser ist, noch vermehrt.

  • Peter am 30.08.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Blabla

    Nur Prüfen reicht nicht Herr Böhler, sondern Taten. Und jetzt weiss ich das ich dem Sheraton das früher sehr gut war den Rücken kehren werde.