Zürich

25. Februar 2015 07:40; Akt: 25.02.2015 11:15 Print

Streik auf Gross-Baustelle wegen Lohndumping

Auf der Baustelle des Atlantis-Hotels in Zürich-Wiedikon ging am Mittwochmorgen nichts mehr. Vorwurf der Gewerkschaft Unia: Massives Lohndumping bei Gipsern und Trockenmaurern.

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Die Arbeiter auf der Baustelle des Luxushotels Atlantis beim Triemli-Spital in Zürich-Wiedikon hatten am Mittwochmorgen ab 6 Uhr nichts mehr zu tun. «Die Gewerkschaft Unia war mit mehreren Fahrzeugen aufgekreuzt und sperrte den Zugang zur Baustelle ab», sagt ein Bauarbeiter zu 20 Minuten. «Wir haben halt Kaffee getrunken.»

Die Unia liess die Bauarbeiten wegen eines gröberen Falls von Lohndumping vorübergehend einstellen, wie Sprecher Lorenz Keller auf Anfrage bestätigt: «Wir hatten Hinweise erhalten, dass rund 20 bis 30 Gipser und Trockenmaurer viel zu wenig Stunden ausbezahlt erhalten – dem sind wir nun nachgegangen.»

60 Stunden arbeiten, 40 ausbezahlt bekommen

Laut Keller sind die betroffenen Arbeiter vorab Ungaren, die bei einem Schweizer Unternehmen unter Vertrag stehen: «Wir gehen davon aus, dass sie bis zu 60 Stunden pro Woche arbeiten, aber nur rund 40 ausbezahlt erhalten.» Zudem gebe es Unregelmässigkeiten bei der Auszahlung von Spesen und Kinderzulagen.

Die betroffene Firma steht gemäss Keller nicht zum ersten Mal im Fokus wegen Lohndumpings und ist auch schon gebüsst worden.
In der Verantwortung steht für die Unia aber die Generalunternehmung Priora, die für die Atlantis-Baustelle verantwortlich ist. «Wir haben mit ihr Kontakt aufgenommen.» Seit 8 Uhr wird auf der Baustelle wieder gearbeitet.

Besitzer aus reichem Golfstaat

Bei der Priora geht man laut Sprecherin Claudia Aepli dem Verdacht des Lohndumpings bei jener Firma nach: «Und wir stehen in Kontakt mit der Unia.» Die Bauherrin Neue Atlantis AG schreibt in einer Mitteilung, man sei von diesen Anschuldigungen «überrascht». Priora sei verpflichtet, die Gesamtarbeitsverträge einzuhalten – dies gelte auch für die verpflichteten Subunternehmen. «Trotzdem kann Lohndumping nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, ist aber zu verurteilen und unter allen Umständen zu verhindern», heisst es weiter.

Das 1970 eröffnete und 2004 geschlossene 5-Sterne-Hotel Atlantis wird bis im Sommer für über 60 Millionen Franken um- und neugebaut. Die Neue Atlantis AG ist in Besitz der Familie des Emirs von Katar. Betrieben wird das Haus künftig von der Giardino-Gruppe aus Ascona. «Wir wollen Tessiner Sonne nach Zürich bringen», sagte Giardino-Chef Philippe Frutiger der «SonntagsZeitung» im vergangenen Jahr.

(rom)