Schlägerei in Lottstetten (D)

08. April 2019 21:22; Akt: 08.04.2019 21:22 Print

«Ich dachte, meine letzte Sekunde hat geschlagen»

Vor der Schlägerei in Lottstetten (D) am Samstag soll eine 10-Jährige sexuell belästigt worden sein. Die Mutter und ein Zeuge erzählen ihre Version.

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Eine Massenschlägerei in einer Gaststätte in Lottstetten (D) am Samstagabend endete mit sieben Verletzten. Die Stimmung in dem kleinen Ort nahe der Schweizer Grenze war dermassen aufgeheizt, dass ein Grossaufgebot der Polizei mit Unterstützung von der Kantonspolizei Schaffhausen und das Grenzwachtkommando ausrücken mussten.

Der Grund: Ein Mädchen (10) soll auf dem Spielplatz des Lokals von zwei Jugendlichen sexuell belästigt worden sein. Ein Augenzeuge gab am Sonntag der Mutter des Mädchens die Schuld an der Auseinandersetzung. Sie und ihr Sohn hätten eine Gruppe von Jugendlichen verfolgt und angegriffen.

«Sie schauten immer wieder in Richtung der Mädchen»

Die Mutter der 10-Jährigen wehrt sich nun gegen die Vorwürfe und erzählt gegenüber 20 Minuten, wie sie alles erlebt hat. «Wir sassen in der Gaststätte. Meine Tochter war mit Freundinnen auf dem gegenüberliegenden Spielplatz am Schaukeln.»

Plötzlich seien zwei Jugendliche auf dem Spielplatz aufgetaucht. «Ich sah, dass die Jungs immer wieder zu den Mädchen schauten.» Etwa zehn Minuten später kam ihre Tochter in die Gaststätte zurück und sei völlig ausser sich gewesen. «Sie erzählte, dass die Jungs sie beleidigt hätten.»

Die Jugendlichen sollen nur gelacht haben

Daraufhin wollte die Mutter die Jugendlichen zur Rede stellen. Diese, inzwischen zu viert, hätten aber nur gelacht. Einer soll noch gesagt haben: «Halt die Fresse, das geht dich einen Scheissdreck an.» Die Mutter folgte der Gruppe mit ihrem 22-jährigen Sohn.

Da eskalierte die Situation erstmals. «Einer der Jungs schrie mich an. Mein Sohn zog ihn von mir weg. Dieser hat hat dann mit den Füssen gegen meinen Sohn getreten.» Die anderen Jugendlichen sollen gespuckt haben.

Sohn und Partner wurden niedergeprügelt

Ihr Sohn habe dann die Geduld verloren und einem der Teenager eine Ohrfeige gegeben. Zudem soll er einen der Gruppe ebenfalls angespuckt haben. Die Situation sei zu einer kurzen Prügelei eskaliert. Danach habe sich die Frau mit ihrem Sohn in das Restaurant zurückgezogen.

Fünf bis zehn Minuten später sei die Situation dann völlig ausser Kontrolle geraten: «Über ein Dutzend Personen stürmten völlig aggressiv ins Lokal. Einer kam ganz dicht an mich ran und schubste mich – ich dachte, meine letzte Sekunde hat geschlagen.» Ihr Sohn und ihr Lebenspartner hätten sich für sie eingesetzt und seien dann von je fünf Personen niedergeprügelt worden. «Ich musste über eine Abtrennung klettern und mit meiner Tochter fliehen.»

«Du musst deine Brüder verteidigen»

Ein weiterer Augenzeuge, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, bestätigt diese Version. Zahlreiche Autos seien mit quietschenden Reifen vor die Gaststätte gefahren – darunter auch Fahrzeuge mit Schweizer Autonummern.

Die Personen, die das Restaurant stürmten, seien nicht Mama, Papa, Oma und Opa gewesen, sondern Schlägertypen im Alter von 18 bis 30 Jahren: «Das war sicher kein normaler Streit zwischen zwei Familien, sondern ein Überfall.» Sie hätten Stühle wild um sich geworfen, auch massive Beleidigungen und Drohungen seien gefallen: «Fickt euch – wir ficken eure Mütter – ihr seid alle dran.» Auch er habe bis zum Eintreffen der Polizei Todesängste gehabt.

Für ihn sei vor allem wichtig, klarzustellen, dass es sich nicht um einen Streit zwischen Kindern gehandelt habe: «Das waren Jugendliche, die ein 10-jähriges Mädchen sexuell belästigt, bedroht und beleidigt haben.»

Ermittlungen gegen sieben Tatverdächtige

Wie das Polizeipräsidium Freiburg (D) am Montag mitteilte, wird derzeit gegen sieben Tatverdächtige mit deutscher und schweizerischer Staatsangehörigkeit ermittelt. «Die sieben Personen gehören zur Seite der Jugendlichen», wie Polizeisprecher Mathias Albicker auf Anfrage sagt. «Das kann sich aber im Laufe der Ermittlungen noch ändern.»

Nach derzeitigem Ermittlungsstand waren etwa 20 Personen an der Auseinandersetzung beteiligt, dabei wurden insgesamt sieben Personen leicht verletzt, darunter zwei Unbeteiligte, heisst es in der Mitteilung weiter.

(qll/mon)