Velos gegen Koks

17. Oktober 2013 17:48; Akt: 17.10.2013 18:06 Print

Süchtiger klaute 800 Fahrräder: 3 Jahre Knast

von Attila Szenogrady - Um seinen exzessiven Kokain-Konsum zu finanzieren, stahl ein 39-jähriger Schweizer mehr als 800 Velos. Nun muss der «Rekord-Dieb» drei Jahre hinter Gitter.

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(Bild: 20 Minuten/Nicolas Y. Aebi)

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«Ich habe von diesem blöden Pulver nie genug gekriegt», erklärte der 39-jährige Schweizer am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich. Nachdem seine Mutter 2011 getötet worden war, wollte sich der IV-Rentner mit bis zu 10 Gramm Kokain pro Tag über den Verlust hinwegtrösten.

Doch seine Sucht finanzierte er auf zweifelhafte Art und Weise: So klaute der gebürtige Bündner in gerade mal einem Jahr auf dem Zürcher Stadtgebiet mehr als 800 Fahrräder. Die Drahtesel überreichte er jeweils einem Drogendealer aus Gambia, der die heisse Ware regelmässig nach Afrika verschiffte. Aber der Angeklagte war nicht bloss auf Velodiebstähle spezialisiert. Er drang auch immer wieder in Kellerabteile ein, aus denen er gleich kofferweise Wein- und Schnapsflaschen abtransportierte – bis der Mann im Mai 2012 verhaftet werden konnte.

Vor Gericht gab sich der Beschuldigte einsichtig. Im Gefängnis werde er jetzt bei seiner Entzugstherapie von Eseln unterstützt. «Die Pflege der Grautiere löst bei mir Glücksgefühle aus.» Die Staatsanwaltschaft zeigte sich davon wenig beeindruckt und verlangte aufgrund des Deliktbetrags von rund 230 000 Franken eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Schliesslich entschied sich das Gericht für drei Jahre unbedingt und eine ambulante Therapie. Der 39-Jährige und sein Anwalt Valentin Landmann sind mit dem Urteil einverstanden.