10 Monate Haft

11. Januar 2017 10:04; Akt: 11.01.2017 10:43 Print

Taxifahrer schändet betrunkene Studentin

Eine Studentin zeigte einen Taxifahrer an, weil er sie unter ihrem Slip berührt hatte. Drei Tage vor dem Vorfall war der Kosovare bereits von einem Gericht verurteilt worden.

storybild

Während der Fahrt soll ihr der 39-jährige Taxifahrer mit der Hand zwischen die Beine gefasst haben. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es passierte in den frühen Morgenstunden des 31. Augusts 2015: Eine heute 27-jährige Studentin bestellte in Zürich ein Taxi zu einem Restaurant, in dem sie auch arbeitete und bis in die frühen Morgenstunden mit ihren Arbeitskolleginnen feierte. Wie die «NZZ» schreibt, nahm sie gegen 6 Uhr auf dem Beifahrersitz des Taxis Platz – stark alkoholisiert und bekifft, wie sie selber zugibt.

Sie sei schläfrig gewesen und habe nur so schnell wie möglich nach Hause gewollt. Sie sei wohl kurz auf dem Beifahrersitz eingeschlafen, als sie plötzlich realisiert habe, dass sich die Hand des Taxifahrers in ihrer Hose unter ihrem Slip befunden habe. Laut der «NZZ» nahm der Chauffeur anschliessend die Hand weg und bot ihr an, sie gratis nach Hause zu fahren, wenn sie nicht zur Polizei gehe. So einfach kam er aber nicht davon: Die Studentin habe geschrien und den Taxifahrer angegriffen, gewürgt und gebissen. Dann habe der Taxichauffeur angehalten und sie aus dem Taxi geschmissen.

Zu betrunken für eine Anzeige

Wenig später trafen sich die beiden wieder auf dem Polizeiposten. Die heute 27-Jährige war jedoch zu betrunken für eine Befragung und wurde von einer Polizistin gebeten, später für eine Anzeige erneut vorbeizukommen. Diese erstattete sie aber erst im November – wenige Monate nach dem Vorfall.

Sie habe sich zuerst auf ihre Masterarbeit konzentrieren wollen, sagte die Frau vor dem Bezirksgericht Zürich, wo der Fall am Dienstag behandelt wurde.

Gegenstände zerstört und Taxilampe weggeworfen

Der 39-jährige kosovarische Taxifahrer schildert die Fahrt vor Gericht völlig anders: Schon vor der Fahrt habe ihm die Frau an den Hintern gefasst. Anschliessend habe sie ihre Beine auf das Armaturenbrett gelegt, worauf er ihr drei Mal gesagt habe, dass sie diese herunternehmen solle.

Als er versucht habe, ihre Beine herunterzudrücken, sei die junge Frau aggressiv geworden, habe Gegenstände im Taxi kaputtgemacht und ihn angegriffen. Auch die Taxilampe habe sie vom Dach geworfen und zerstört, worauf er seinen Chef kontaktiert habe und mit ihm zum Polizeiposten gefahren sei. Er habe ihr aber nie zwischen die Beine gefasst. Und auch die Aussage der Studentin, dass er sie gratis nach Hause fahre, wenn sie nicht zur Polizei gehe, dementierte er.

Verteidiger verlangte einen Freispruch

Doch: Auf der Innenseite des Slips wurden DNA-Spuren des verheirateten Vaters zweier Kinder gefunden. Er wisse nicht, wie seine DNA dort hingekommen sei, sagt der Chauffeur vor Gericht. Seine Verteidiger lieferten folgende Erklärung: Die Frau habe aufgrund des Kampfes DNA-Hautpartikel an ihren Händen gehabt. Es sei belegt, dass sie das Geschehen auf dem Posten demonstriert habe und sich dabei mehrmals mit der Hand am Slip berührt habe.

Der Verteidiger verlangte daher einen Freispruch. Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe und die Verlängerung der Probezeit von einer früheren Vorstrafe wegen Betäubungsmitteldelikten.

Freiheitsstrafe und Genugtuung

Der Einzelrichter gab sich aber nicht mit einer Geldstrafe zufrieden. Er bestrafte den Kosovaren mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten, einer Verlängerung der Probezeit sowie einer Genugtuung für die Frau in Höhe von 3000 Franken.

Es war der gleiche Richter, der den Taxichauffeur nur drei Tage vor dem Übergriff bereits zu einer bedingten Strafe wegen der Betäubungsmitteldelikte verurteilt hatte. Seine Bilanz: Die Strafe habe offenbar keinen Eindruck hinterlassen und daher müsse er jetzt spürbar härtere Sanktionen erhalten. Es besteht aber die Möglichkeit, dass der Taxifahrer die Strafe in Halbgefangenschaft absitzen könne. So habe er weiterhin die Möglichkeit, für das Einkommen seiner Familie zu sorgen, so der Richter.

(20M)