Stadt Zürich

16. Juli 2019 05:00; Akt: 16.07.2019 15:01 Print

Tempo-30-Offensive bedroht das ÖV-Angebot

von T. Mathis - Der Stadtrat hat auf mehreren Strassen im Gebiet Brunau Tempo 30 beschlossen. Das könnte zu einem Abbau beim Busangebot führen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf Druck der Anwohner und des VCS Zürich hat der Stadtrat entschieden, dass im Gebiet Zürich-Brunau auf mehreren Strassen bald Tempo 30 gelten soll. Damit will man die rund 3000 Anwohner vor übermässigem Lärm schützen und die Unfallzahlen senken, wie es am Montag in einer Mitteilung heisst. Dieser Entscheid hat nicht nur Folgen für die Autofahrer, sondern auch für den öffentlichen Verkehr.

Umfrage
Was halten Sie von Tempo 30 in der Stadt?

Auf der knapp zwei Kilometer langen Strecke im Bereich von Mutschellen-, Waffenplatz- und Rieterstrasse verkehren die Linien 66 und 72. Durch die Reduktion des Tempos verlängert sich die Fahrtzeit der Busse. Um den Fahrplan einhalten zu können, ist ein zusätzliches Fahrzeug nötig, wie aus einem Dokument der Stadt Zürich hervorgeht.

Nur noch 15-Minuten-Takt

Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) wollen, dass die Mehrkosten für den zusätzlichen Bus vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) übernommen werden. Falls das nicht der Fall sei, würden die VBZ den Antrag stellen, die Mehrkosten durch Taktverdünnung zu kompensieren. Der Vorschlag: Von Montag bis Samstag würde die Linie 72 ausserhalb der Hauptverkehrszeit zwischen Morgental und Waffenplatzstrasse nur noch im 15-Minuten-Takt verkehren. Das wäre halb so oft wie heute. Die Linie 66 würde ganztägig verkürzt.

Auf Anfrage von 20 Minuten wollen die VBZ den möglichen Abbau des Angebots nicht kommentieren. «Es ist zu früh, um dazu etwas zu sagen», sagt Sprecherin Silvia Behofsits. Klar sei, dass eine konsequente Umsetzung von Tempo 30 in der ganzen Stadt bei gleichem Angebot höhere Kosten verursache. Eine grobe Kostenschätzung der VBZ geht davon aus, dass dies jährliche Kosten im zweistelligen Millionenbereich zur Folge haben könnte. «In Zukunft könnten noch weitere Tempo-30-Fälle dazukommen, die die Planung des Fahrplans stark beeinflussen werden.»

Mehr als eine halbe Million pro Bus

Dass Tempo 30 ein Kostentreiber ist, sagt auch ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger. Für die Aufrechterhaltung des heutigen Fahrplans brauche es unter Umständen zusätzliche Fahrzeuge und zusätzliches Fahrpersonal. «Im Fall eines zusätzlichen Busses fallen Kosten von weit über einer halben Million pro Bus und pro Jahr an.» Das belaste das Defizit des ZVV, das von Kanton und Gemeinden getragen wird.

Ein Abbau beim Angebot sei aber nicht im Sinn des ZVV. Ob dieser die Mehrkosten für die Linie 72 tragen wird, ist aber noch offen. «Wie mit der Situation künftig umgegangen wird, muss noch geklärt werden.» Im laufenden Fahrplanverfahren, das im Frühling 2018 startete, seien keine finanziellen Mittel für zusätzliche Kosten wegen einer Tempo-30-Umstellung vorgesehen gewesen.

Entscheid kann noch angefochten werden

Was hält der Stadtrat vom Vorschlag, dass das ÖV-Angebot wegen Tempo-30-Zonen abgebaut werden soll? «Das muss man diskutieren», sagt Mathias Ninck, Sprecher des zuständigen Sicherheitsdepartements. Mit dem Entscheid zugunsten des Lärmschutzes nehme man Nachteile für den öffentlichen Verkehr in Kauf. «Der Stadtrat wägt von Fall zu Fall ab. Er bevorzugt weder Lärmschutz noch den öffentlichen Verkehr.» Zudem könne der Entscheid auch noch angefochten werden. In der Vergangenheit entschied der Stadtrat stets für den ÖV, wie Stadtrat Michael Baumer (FDP) im Dokument der Stadt Zürich zitiert wird.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susanne am 16.07.2019 05:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lärmschutz stimmt nicht

    Lärmschutz stimmt theoretisch nur auf ebener Strasse wenn gleichmässig gefahren werden kann. Ich wohne an einer ansteigenden Strasse mit entsprechenden Schikanen. Durch den neuen Stop and Go Verkehr und der 30er Zone hat der Lärm beträchtlich zugenommen. Da sind oft Theoretiker von Verkehrsplaner am Werk. Sie müssen ja nicht dort wohnen.

    einklappen einklappen
  • Max Frischknecht am 16.07.2019 05:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Die Grünen sind ja bekannt für ihre kurzfristige, destruktive Denkweise. Das Zürich täglich unattraktiver wird, kümmert sie in keinster Weise. Vielleicht überlegt ihr das nächste Mal, was ihr auf den Wahlzettel schreibt. Ich für mein Teil habe die Konsequenzen gezogen und bin weggezogen.

    einklappen einklappen
  • Stirling am 16.07.2019 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    30km/h schlechter für alle!

    30km/h hat den einzigen Vorteil, dass evt. weniger Unfälle vorkommen. Nachteile weil der Verkehr nicht flüssig läuft: Lärm höher als mit 50k/h, weil ständiges Stop & Go, Verbrauch höher, weil tieferer Gang, Feinstaubemissionen höher durch Stop & Go, Bremsen und Kupplungen werden mehr gebraucht. Hust!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • C. Läufer am 17.07.2019 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Lauft Grüne lauft

    noch besser, den ÖV ganz abschaffen. Der macht auch Lärm und stinkt, und die Grünlinge sind doch gut im Laufen.

  • C. Istheutenichtswert am 17.07.2019 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was damals schon viele wussten...

    Schon damals vor mehreren Jahrzehnten als in Zürich die erste 30er Zone ausprobiert wurde hat man festgestellt: mehr Abgase, mehr Lärm

  • Edmo am 17.07.2019 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Noch langsamer!

    Heute bin ich tiefgrün und fordere deshalb für die ganze Stadt Temp 5. Dann haben sich die lästigen Diskussionen für alle Zeiten erledigt, weil jeder nur noch zu Fuss unterwegs ist. Ökologischer geht es nicht. Wer mir nicht zustimmt, ist ein Klimaleugner, Energieverschwender und Raser.

    • C. Kathoprotestant am 17.07.2019 17:34 Report Diesen Beitrag melden

      Unsinnige Idelogie

      Dann bin ich gerne ein Energieverschwender, Raser und Klimaleugner. Warum? Weil ich nicht komplett verblendet und Weltfremd bin.

    • Edmo am 17.07.2019 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      @C. Kathoprotestant

      Mit Gretas Segen wird es so aber gar nichts. Wenn die Moralkeule geschwungen wird, sollte man sich heutzutage schnell wegducken und auf keinen Fall Widerstand anmelden...

    einklappen einklappen
  • Herby am 17.07.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    die wahre Ursache

    die wahre Ursache der Klimaerwärmung ist das Internet welches über die Induktionstöme das Klima aufheizt

  • EFF EFF am 17.07.2019 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Kompliziert?

    Wieso nicht einfach eine 30er Zone von 22-6 Uhr einführen?