Pädophiler Beamter

31. März 2011 19:41; Akt: 31.03.2011 20:17 Print

Therapie statt Knast für Telefon-Unhold

von Attila Szenogrady - Ein pädophiler Unhold hat als angeblicher Schularzt oder Polizist über 40 Kinder am Telefon massiv sexuell belästigt. Zugunsten einer ambulanten Psychotherapie muss er nicht hinter Gitter.

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Die Bilanz des heute 50-jährigen Verwaltungsbeamten aus Fehraltorf fiel eindrücklich aus. So hatte der verheiratete Schweizer zwischen September 2006 und Ende Februar 2008 vorwiegend im Zürcher Oberland über 40 Kinder im Alter von acht bis 15 Jahren telefonisch kontaktiert und zum Teil massiv sexuell belästigt. Der Täter gab sich jeweils als Schularzt oder Polizist aus und verwickelte seine Opfer in längere Gespräche. In einem Fall erklärte er einem elfjährigen Schüler, dass er sich am Telefon einer Untersuchung zu unterziehen habe.

Dann musste der Knabe 20 Liegestützen machen und die 7er-Reihe aufsagen. Danach forderte der «Mediziner» sein Opfer wiederholt auf, den Telefonhörer in den Mund zu nehmen, damit er den Hals ansehen könne. Was der Knabe auch tat. Dann musste der Schüler seine Unterhosen ausziehen, an seinem Penis rubbeln und diesen ausmessen. Als das Kind zu weinen begann, wurde der Anrufer wütend und schimpfte herum. Der Vorfall endete erst, als der Vater auftauchte und den Unbekannten zur Rede stellen wollte. Allerdings hängte der Unhold sofort auf.

Therapie statt Gefängnis

Der erwischte Täter musste sich zuerst im Dezember 2009 am Bezirksgericht Zürich verantworten. Er wurde damals wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfacher Nötigung, Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und sexuellen Belästigungen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Den Strafvollzug schoben die Richter zugunsten einer ambulanten Behandlung psychischer Störungen auf.

Das Gericht stützte sich dabei auf ein Gutachten ab. Dieses hatte beim Beschuldigten neben einer Pädophilie auch eine soziale Phobie sowie Fetischismus festgestellt.

Urteil nun rechtskräftig

Der Angeklagte legte Berufung ein und hätte sich am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht verantworten sollen. Allerdings gab der Angeschuldigte kurz vor der Verhandlung auf und akzeptierte doch noch sämtliche Entscheide und Beschlüsse der Vorinstanz. Die Gründe für den unerwarteten Rückzug blieben unklar. Sicher ist, dass nun der Angeschuldigte eine Therapie erfolgreich beenden muss. Andernfalls droht ein längerer Aufenthalt im Gefängnis.