Sechseläuten Zürich

30. Juli 2014 10:25; Akt: 31.07.2014 14:16 Print

Tierschützer kritisieren das Fischewerfen

Die Zunft zur Schiffleuten hat einen ungewöhnlichen Brauch: Sie wirft während dem Zürcher Sechseläuten-Umzug Fische ins Publikum. Tierschützer wollen dies nun stoppen.

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Der Nachwuchs der Zunft zur Schiffleuten bereitet sich auf das Fischewerfen am Sechseläuten-Umzug vor. (Bild: Sophie Stieger)

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Am Zürcher Sechseläuten werden von der Schiffleuten-Zunft traditionsgemäss tote Fische ins Publikum geworfen. Der Zürcher Tierschutzbund fordert die Zunft nun dazu auf, diese Tradition aufzugeben. Sie sei ein Affront gegenüber dem Leben.

Für die so genannten Stubengesellen, den Nachwuchs der Schiffleutenzunft, ist das «Fischewerfen» ein wichtiges Ritual: Es handelt sich um eine bald 100 Jahre alte Tradition, die an die Abgabe von Lebensmitteln erinnern soll.

Balkone und Fenster als Zielscheibe

Gerne zielen die Jungzünfter auf Balkone und Fenster, aber auch die Zuschauer entlang der Umzugsroute werden nicht verschont. Geworfen werden Schwalen und Weissfische, die heute als Lebensmittel nicht mehr beliebt sind und gewöhnlich zu Fischmehl verarbeitet werden.

Der Zürcher Tierschutzbund will dieser Tradition nun ein Ende setzen: In einem offenen Brief fordert er die Zunft dazu auf, «für einen ethisch einwandfreien Ersatz» zu sorgen. Das Fischewerfen sei ein Affront gegenüber Lebewesen, schreibt Präsident York Ditfurth in dem Brief, der am Mittwoch den Medien zugestellt wurde.

Es sei nicht akzeptabel, dass mit Lebewesen, auch wenn sie tot seien, derart unwürdig umgegangen werde. Das sei respektlos.

Genehmigung für «Kadaverwerfen»

Bei der Zunft war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte Zunftmeister Peter Neuenschwander, dass man die Kritik ernst nehme. «Den Brauch abschaffen werden wir aber nicht.»

Die Kritik des Tierschutzbundes richtet sich aber nicht nur gegen die Zunft, sondern auch gegen die Stadt Zürich, die das «Kadaverwerfen» duldet. Die Tierschützer fordern von der Stadt, ab 2015 das Werfen von toten Fischen und Tierkadavern jeder Art zu verbieten.

Das Fischewerfen sei bisher noch nie ein Thema gewesen, sagte Reto Casanova, Sprecher des städtischen Polizeidepartements, auf Anfrage der sda. Der Rechtsdienst werde das Thema nun aber abklären. Wahrscheinlich gebe es gar keine juristische Grundlage.

(kv/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aristokratenfastnacht am 30.07.2014 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgleich schaffen:

    2015 werfen Fische Zünfter ins Publikum.

  • Chr. S. am 30.07.2014 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würdelos

    Ich bin selbst Fischer und habe schon so einige Fische auf dem Gewissen...jedoch besteht meiner Meinung ein Unterschieb, ob man die getöteten Tiere danach verwertet und isst oder sie einfach sinnlos in die Menschenmenge wirft, wo sie dann zertrampelt werden und schlussentlich im Abfall landen. Meiner Meinung nach haben es auch Fische verdient, so würdevoll behandelt zu werden.

  • stefan steiner am 30.07.2014 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    und wieder einmal,

    hat der tierschutz ein sehr gewichtiges thema gefunden...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tribawa am 30.07.2014 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RESPEKTLOSE TRADITIONEN!

    Das sind alte,sogenannteTraditionen,welche man mit dem heutigenWissen über dieTiere und dem respektvollenUmgang dringend abschaffen muss und stattdessen dochAtrappen werfen kann.Über dieFische sind bestimmt viele Menschen oderTiere sehr froh. Weissfische sind übrigens, gut zubereitet, eine herrliche Ergänzung zum Essen. Gleichzeitig ist es ein Paradox, dass sich die Fischer über dieKormorane beklagen und als "sogenannteTradition" werden dieFische achtlos und inFeierstimmung herumgeschmettert.Es ist absolut richtig,dass sich derTierschutz einsetzt. ....auch wenn dieFische schon tod sind!

  • Robert Aeschlimann am 30.07.2014 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dem Fisch ist es egal

    Statt Fische könnten sie Fischstäbli werfen. Oder ist das etwa auch nicht erlaubt?

  • Clever-Smart am 30.07.2014 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Tierschutz ist gut

    Es ist schon sehr schön in der wunderschönen Schweiz. Glücklicherweise haben wir keine Bauernhöfe, Mast- und Schlachtbetriebe mehr, wo die Tiere gequält und vernachlässigt werden. Die Adressen dieser nach strengsten Regeln des Tierschutzes geführten Betriebe können online auf der Seite des vgt.ch nachgeschaut werden. Ein Hoch auf den Schweizer Tierschutz.

    • Marco Wagner am 30.07.2014 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Kostet nur wieder!!

      Kein Wunder ist die Schweiz eine Hochpreis-Insel... All die übertriebenen Anforderunen immer.

    einklappen einklappen
  • Frank am 30.07.2014 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Offensichtlich hat der Tierschutz bereits sämtliche wirklich relevanten Themen behandelt, so dass er sich jetzt um solche Nichtigkeiten kümmern kann. Dass zum Beispiel jeder 8. Fisch der gekauft wird in der Tonne landet, nicht zu reden von denen die nicht verkauft werden ist wohl weniger wichtig.

  • d.m. am 30.07.2014 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vorbild

    seit 100 jahren tradition und so bleibt es? sehr unkreativ man muss mit der zeit gehen. werft doch marzipanfische oder seifenfische ins publikum. ich finde tote fische herumwerfen gehört schon lange verboten. ich habe schon als kind gelernt nicht mit lebensmittel zu spielen und respekt vor anderen zu haben. zürich als moderne stadt hat eine vorbildfunktion.