Zürcher Obergericht

19. Dezember 2011 19:32; Akt: 19.12.2011 19:32 Print

Tödliche Hetzjagd auf eine trächtige Kuh

von Attila Szenogrady - Ein Landwirt aus Fehraltorf hat eine entlaufene Kuh mit seinem Jeep gejagt, angefahren und so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden musste. Am Montag wurde der Bauer wegen Tierquälerei verurteilt.

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Es war am 29. August 2010, als ein heute 37-jähriger Landwirt auf seinem Gut in Fehraltorf am Vormittag die Nerven verlor. Dafür verantwortlich war seine trächtige Kuh namens «Bertha». Sie hatte die eingezäunte Weide verlassen und trottete nun in die Richtung der Autostrasse. Zum Leidwesen des Bauers, der zuerst zu Fuss vergeblich versuchte, das Tier zur Umkehr zu bewegen. Danach startete der enervierte Angeklagte seinen Jeep und trieb «Bertha» mit seinem Geländewagen vor sich her.

Fest steht, dass der Beschuldigte das Rind nicht nur verfolgte, sondern auch mehrmals dessen Hinterbeine berührte. Kurz vor Erreichen des Hofes fuhr er «Bertha» absichtlich in die Hinterbeine hinein und brachte sie so zu Fall. Sie stand wieder auf, worauf er ein zweites Mal in sie hinein krachte. Diesmal so heftig, dass beide Hinterbeine brachen. Kurz darauf verliess der Landwirt den Tatort. Allerdings hatte er Pech, da eine Nachbarin die Tierquälerei genau beobachtet hatte und die Polizei einschaltete. Für die schwer verletzte «Bertha» kam allerdings jede Hilfe zu spät. Sie musste eingeschläfert werden.

Tierquälerei bestritten, Unfall geltend gemacht

Im letzten Februar musste sich der Landwirt zunächst vor dem Bezirksgericht Pfäffikon verantworten. Er wurde wegen vorsätzlicher Tierquälerei zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 60 Franken sowie zu einer Busse von 2700 Franken verurteilt. Der Angeklagte hatte vergeblich seine Unschuld beteuert und einen versehentlichen Unfall geltend gemacht. Er legte Berufung ein und erzählte am Montag seine eigene Geschichte dem Zürcher Obergericht. Demnach habe er «Bertha» nur einmal aus Versehen angefahren. Nachdem sie vorher von sich aus gestolpert sei. Die Kronzeugin stufte er als unglaubhaft ein. So habe die 60-jährige Frau alles aus einer Entfernung von 300 Meter durch einen Maschendrahtzaun beobachtet. Der Verteidiger Richard Nägeli sprach von einer unglücklichen Verkettung von Zufällen. Es sei nicht zu einem absichtlichen Rammen des Tiers gekommen, plädierte er und forderte Freispruch.

Strafe erhöht

Die Verteidigung unterlag. So folgte das Obergericht dem Bezirksgericht Pfäffikon und sah eine vorsätzliche Tierquälerei als erwiesen an. Die Oberrichter glaubten den Darstellungen der Zeugin und stützten sich zudem auf die polizeilich gesicherten Unfallspuren ab. Der Angeklagte habe dem Tier unnötiges Leiden zugefügt, sagte der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger. Eine Oberrichterin sprach von einer eigentlichen Hetzjagd. Der dritte Oberrichter gestand dem Beschuldigten einzig zu, dass er an jenem Tag wohl für einmal «ausgetickt» habe. Das Obergericht ging von einem beträchtlichen Verschulden aus und erhöhte die Strafe auf 150 Tagessätze zu 60 Franken bedingt. Die zu bezahlende Busse von 2 700 Franken blieb bestehen. Zudem soll der Bauer sämtliche Gerichtskosten von rund 6000 Franken tragen.