18. April 2008 13:45; Akt: 18.04.2008 14:04 Print

Tödlicher Tramunfall: Abschrankung zu tief?

von Tina Fassbind - Nach dem gestrigen tödlichen Tramunfall in Zürich Schwamendingen sind die Abklärungen zur Unfallursache noch in vollem Gange. Für den Tramchauffeur R.M. ist schon jetzt klar: Die Abschrankung der Geleise ist an dieser Stelle zu niedrig. «Das verleitet zum Darübersteigen», sagt er zu 20minuten.ch.

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Es war kurz vor 14.30 Uhr, als eine 45-jährige Frau gestern die Tramgleise an der Dübendorfstrasse in Zürich Schwamendingen überqueren wollte. Sie wurde von einem Tram erfasst und dabei so schwer verletzt, dass sie noch auf der Unfallstelle starb. Warum es zu diesem tragischen Ereignis kommen konnte, ist nach wie vor unklar. «Die Abklärungen sind noch in vollem Gange», sagt Michael Wirz, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich, auf Anfrage von 20minuten.ch.

«Ein Tram ist eine tödliche Waffe»

Neben dem tödlichen Unfall in Schwamendingen ereignete sich gestern auch eine Tramkollision an der Schaffhauserstrasse in Zürich mit einem Schwerverletzten – ein schwarzer Tag für die Verkehrsbetriebe Zürich VBZ. Generell muss die VBZ auf ein düsteres Jahr zurück blicken: Gemäss Verkehrsunfallstatistik 2007 der Stadt Zürich waren drei der sechs auf Zürichs Strassen getöteten Personen in eine Kollision mit Trams verwickelt. Zudem haben sich 94 Personen bei Tramunfällen Verletzungen zugezogen.

«Ich habe bereits zweimal erlebt, dass mir Leute vors Tram gelaufen sind», erzählt R.M.* im Gespräch mit 20minuten.ch, «es ist dabei gottseidank nie etwas passiert, aber man macht sich grosse Vorwürfe – selbst wenn man nicht Schuld am Unfall war.» R.M. weiss, wovon er spricht. Seit 14 Jahren ist er Tramchauffeur bei der VBZ. «Ein Tram ist eine tödliche Waffe, in der wir täglich sitzen. Vielen ist das gar nicht bewusst. Sie haben mehr Respekt vor dem Bus als vor dem Tram. Und sie vergessen, dass der Bremsweg beim Tram viermal länger ist als beim Bus.»

War die Umlaufsperre zu niedrig?

Ob Unaufmerksamkeit auch in Schwamendingen zum tödlichen Unfall geführt hat, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Für R.M. steht allerdings fest, dass die Tramstrecke an der Dübendorferstrasse besonders heikel ist. Das Tramtrassee ist an dieser Stelle durch eine so genannte Umlaufsperre – ein hüfthoher Zaun – abgetrennt, damit die Fussgänger nicht direkt auf die Geleise gelangen können. «Der Zaun müsste höher sein. Man kann dort problemlos drüber steigen. Das wurde bereits gefordert, bevor dieser Unfall passiert ist, weil es schon andere Vorfälle gab», weiss R.M. Diese Meinung teilt auch Maya Burri-Wenger, Präsidentin vom Quartierverein Schwamendingen. «Der Hag ist sehr niedrig. Das verleitet Passanten leicht dazu, darüber zu klettern, wenn's schnell gehen soll. Es wäre daher sicher sinnvoll, wenn er höher gebaut würde.»

Für Heiko Ciceri, Kommunikationsverantwortlicher der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich, sind derlei Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache für den Unfall noch verfrüht. «Unser Sicherheitsexperte war heute Morgen vor Ort und hat sich die Situation angesehen. Wenn wir feststellen sollten, dass die Sicherheit an dieser Stelle nicht gewährleistet ist, prüfen wir sofort mögliche Sicherheitsmassnahmen», erklärt er das Vorgehen gegenüber 20minuten.ch.

Die Stadtpolizei Zürich sucht nach wie vor Personen, welche Angaben zum Unfallhergang an der Dübendorfstrasse in Schwamendingen machen können: 0444 117 117.

*Name der Redaktion bekannt