Drama in Pfäffikon

16. August 2011 06:45; Akt: 16.08.2011 13:06 Print

Tötete er wegen seiner Töchter?

Nach dem Doppelmord in Pfäffikon stellt sich die Frage: Was führte den 59-jährigen Kosovaren zu der Wahnsinnstat? Mögliche Erklärungen liefert ein Neffe der getöteten Ehefrau.

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Der 62-jährige Kosovare Shani S. stand am Dienstag, 18. November 2014, vor dem Zürcher Obergericht. Dieses musste auf Verlangen der Verteidigung vor allem die Tatqualifikation überprüfen - also ob es Mord oder vorsätzliche Tötung war. Das Obergericht bestätigte das Urteil aus erster Instanz und die lebenslange Freiheitsstrafe. Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH verurteilte S. am Freitag 19. April 2013 zu einer lebenslänglichen Haftstrafe. Er hatte am 5. August 2011 seine Frau dafür «bestraft», dass sie die Scheidung anstrebte. Danach erschoss er die Sozialdienstleiterin, weil sie die Frau in ihrem Unabhängigkeitsbestreben unterstützte und ihm seiner Meinung nach zu wenig Geld zukommen liess. Der Prozess hatte am Montag, 8. April 2013 begonnen. S. war des mehrfachen Mordes angeklagt. Der Staatsanwalt verlangte eine lebenslange Strafe. Es war helllichter Tag, als Shani S. am 15. August 2011 in der Nähe des Bahnhofs von Pfäffikon ZH mehrere Schüsse auf seine 52-jährige Ehefrau abfeuerte. Dreimal hatte er Sadete S. in der Nähe des Bahnübergangs in den Kopf geschossen. Sie war am Mittag auf dem Heimweg als er sie ansprach und die Pistole zückte. Sie war sofort tot. Danach ging er hinüber zum Gemeindehaus und wartete dort darauf, dass eine von zwei Personen, gegen die er einen Groll hegte, das Gebäude verlasse. Er hatte es auf die für ihn zuständige Sachbearbeiterin und die Sozialamtschefin abgesehen, weil sie ihm angeblich zu wenig Sozialhilfe auszahlten. Er hatte noch eine Kugel übrig. Auf diejenige der beiden Frauen, die zuerst das Gebäude verliess, wollte er damit schiessen. Es traf Daniela H., die Sozialamtschefin. Er sprach die 48-jährige kurz an, hob dann die Pistole und schoss ihr in den Kopf. Daniela H. wurde schwer verletzt ins Spital transportiert. Rund zwei Stunden später wurden die Reanimationsbemühungen abgebrochen. Die Polizei hat kurz nach den beiden Schussabgaben den Tatverdächtigen Shani S. verhaftet. Bald wird klar: Hier hat einer gemordert, der zuvor mehrfach damit gedroht hat. Seine Frau und seine Kinder soll Shani S. zudem jahrelang misshandelt haben. Der kaltblütige Doppelmord schlägt in der ganzen Schweiz hohe Wellen. Der Kanton Zürich kündigt an, künftig potenzielle Täter härter anzupacken und beschliesst ein Massnahmenpaket. So soll bei Drohungen eine Inhaftierung oder eine Hausdurchsuchung immer geprüft werden. Zudem wurde eine Checkliste mit dem Titel «grobes Gefährlichkeitsscreening» in Auftrag gegeben, das bei der Einschätzung möglicher Täter helfen soll.

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Erst tötet er seine Ehefrau. Dann fährt er zum Gemeindehaus von Pfäffikon und erschiesst die Leiterin des Sozialamts. Eiskalt hat gestern ein 59-jähriger Kosovare einen Doppelmord begangen. Doch was brachte den Mann zu dieser Wahnsinnstat?

Klar ist, dass es in der Familie seit längerem zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen ist. Die Ehefrau lebte mit den gemeinsamen sechs Kindern allein. Das passte ihm offenbar nicht. «Nur zwei der Töchter halten sich an unsere Regeln als Muslime. Bei uns gilt eben, dass eine Frau als Jungfrau in die Ehe geht», zitiert der «Blick» einen Neffen der erschossenen Ehefrau. Die anderen Töchter hätten Schande über die Familie gebracht. Dafür machte der Kosovare laut dem Neffen seine Frau verantwortlich. «Er glaubte, sie decke die Männergeschichten der Töchter oder heisse sie gut.» Der gewalttätige Ehemann sei in letzter Zeit strenggläubig geworden und habe nur noch gebetet.

Seine Töchter hatten gemäss dem Neffen andere Vorstellungen vom Leben. Und seine Ehefrau wollte die Gewalt in der Familie offenbar nicht länger ertragen. Zu Hilfe kam ihr gemäss dem «Blick» die Leiterin des Sozialamts Pfäffikon. Sie habe die Frau ermutigt, sich von ihrem Mann zu lösen. Der Kosovare gab dem Sozialamt zudem eine Mitschuld an den Eheproblemen, «weil meine Tante dort neue Leute kennenlernte und nichts mehr von ihrem Lohn abgab und das Geld für sich brauchte», so der 28-jährige Neffe. Gedroht hat der mutmassliche Täter der Gemeinde aber nie.

Nach einer Gewalttat im Frühjahr 2011 belegte die Kantonspolizei Zürich den 59-jährigen Kosovaren mit einem Rayon- und Kontaktverbot. Darauf setzte er sich offenbar ins Ausland ab. Seine Frau ahnte Schlimmes, als er wieder in die Schweiz zurückkam: «Ich habe Angst, dass er mich umbringt», sagte sie einer Nachbarin.

(meg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Abdel Raschid am 16.08.2011 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Ehrenhaftes

    "unseren regeln als muslime"? Weiss der nicht das "Ehrenmord" in der Scharia mit der Todesstrafe bestraft wird? Frauen gehen als Jungfrau in die Ehe? Die Männer dürfen? Da will ich für so eine tat und so eine legitimation aber Beweise. Das macht mich nur Traurig und Wütend

  • jonas imholz am 16.08.2011 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Ich wünsche ebenfalls Viel Glückd er Familie, echt schlimm was da passiert ist =(

  • Paul Müller am 16.08.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    woher ist die Tatwaffe?

    Und erneut zeigt sich, dass eine Verschärfung des Waffengesetzes nur Schikane gegen die eigenen Bürger ist. Dieser Fall zeigt eindeutig, wer eine Waffe will der bekommt sie!-- Auch ilegal!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz W. Seibold am 18.08.2011 03:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ist Mord in der Schweiz schon ethisch?

    Verbarmen mit Mördern? Da urteilt, verharmlost und verniedlicht die Presse neuerdings brutale Morde. Mörder gehören ins Gefängnis und abgeschoben. Nix mehr I- und A- H- Vau.

    • h.l buttikon am 22.08.2011 23:19 Report Diesen Beitrag melden

      mord ist nicht ethisch

      herr seibold ich stimme ihnen zu aber stecken sie nicht alle in einem topf bitte

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  • wäre interessant zu wissen am 16.08.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    zu wenig Geld vom Sozialamt?

    Wieviel IV bekam er denn, wenn er noch Geld vom Sozialamt benötigte??? Im normalfall bekommt man mehr IV als wenn man gearbeitet hat, das sehe ich jedenfalls auf meinem PK-Auszug (deshalb ist Betrug attraktiv). Somit hat er also zum Zeitpunkt wo er IV bekam nicht gearbeitet, dass es so wenig ist, dass man davon nicht leben kann. Oder er war dermassen schlecht versichert. Ansonsten hätte er ja mehr als wenn er arbeiten würde. Und dass er die IV seit Geburt hat (und die Pensionskasse fehlt), kann unmöglich sein.

  • astuga am 16.08.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrenmord und Islam

    Der Wertekanon der Sharia tradiert genau eine Weltsicht die zu Ehrenmord führt, bzw diesen als legitim erscheinen lässt. Wobei die Sharia als islamisches Recht auch vorislamische Normen nicht außer Kraft setzt, solange diese nicht im Widerspruch zu ihr stehen (Töre, Namus, Ifet, Sharaf, Adab, Kanun) Oder anders: Ehrenmord wird im Islam nicht als Problem gesehen, und deshalb ist er islamische Normalität.

  • Fragezeichenb am 16.08.2011 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Das war keine Schiesserei

    Wieso steht in der Bildunterschrift "1|10Am 15. August kam es beim Bahnhof von Pfäffikon ZH zu einer Schiesserei.Am 15. August kam es beim Bahnhof von Pfäffikon ZH zu einer Schiesserei."? Ich dachte, bei einer Schiesserei schiessen beide? In dem Fall hat einer zwei Unbewaffnete erschossen. Das ist nicht symetrisch!

  • Ganz und gar nicht überrascht am 16.08.2011 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sitten anderer Länder

    Nur ein weiterer unter unzähligen Fällen der aufzeigt wie gut die Integration funktioniert...

    • Alba am 19.08.2011 08:12 Report Diesen Beitrag melden

      Integration / Islam

      Ich würde mich als integriert ansehen, einzig der Name ist das, wass mich von Schweizern unterscheidet... Was mir aber auffällt ist, dass sich ältere Personen nicht integrieren können. Ihnen fehlt der Kontakt zur Aussenwelt. Einzige Freunde finden sie unter ihren Landsleuten, welche meist auch nicht integriert sind... Die Schuld für solche Taten, wie die hier, sehe ich nicht im Islam sondern bei denen die Falsches predigen. Zudem möchte ich noch erwähnen, dass nicht alle Ausländer aus dem Balkan gleich sind. Es gibt viele, die nie negativ aufgefallen sind...

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