Stadt Zürich

12. Juli 2019 10:30; Akt: 12.07.2019 14:24 Print

Touristin fällt auf Trottoir und muss 250 Fr. bezahlen

Eine Studentin verlor wegen der Hitze das Bewusstsein und fiel vom Velo aufs Trottoir. Sie musste deswegen auf der Polizeiwache 250 Franken bezahlen.

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Die Velofahrt durch die Stadt Zürich mit ihrem Freund endete für H.G. am 29. Juni im Spital. «Wahrscheinlich wegen der Hitze verlor sie das Bewusstsein und stürzte mit dem Velo», sagt ihr Freund A. W. Sie sei darauf mit dem Kopf auf dem Trottoir aufgeschlagen und sofort ins Spital gebracht worden. H. G. erinnert sich nicht mehr an den Unfall. «Ich weiss nicht, was vorher passierte. Klar ist mir nur, dass ich ganz plötzlich vom Velo gefallen sein musste», sagt die Studentin aus Ungarn, die zurzeit ihren Freund in Zürich besucht. G. konnte das Spital nach kurzer Zeit wieder verlassen. Doch am nächsten Tag folgte der nächste Schock: «Die Zürcher Stadtpolizei rief mich an und bat mich, auf der Station vorbeizukommen.» Der Polizist habe ihr darauf eine Busse von 250 Franken ausgestellt. «Der Grund war, dass ich durch den Sturz aufs Trottoir hätte Fussgänger verletzen können.» Da sie Touristin sei, habe sie die Busse sofort bezahlen müssen. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Vorfall. Beim erwähnten Betrag habe es sich jedoch nicht um eine Busse, sondern um ein Bussendepositum gehandelt, präzisiert Mediensprecher Michael Walker. Laut Tino Göhler, Abteilungsleiter Stab beim Stadtrichteramt Zürich, wird das Bussendepositum zur Deckung allfälliger Verfahrenskosten oder der Belangbarkeit vorbehaltlich eingezogen. Falle der Tatverdacht und dementsprechend ein Verurteilung jedoch weg, werde das Depositum zurückerstattet. «Das Depositum kann im Grundsatz bei jeder beschuldigten Person erhoben werden, unabhängig davon, ob es sich um Touristen handelt.»Gegenwärtig könne das Stadtrichteramt keine Aussagen zum aktuellen Fall machen.

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Die Velofahrt durch die Stadt Zürich mit ihrem Freund A. W. endete für H. G.* am 29. Juni im Spital. «Wahrscheinlich wegen der Hitze verlor sie das Bewusstsein und stürzte mit dem Velo», sagt W. Sie sei mit dem Kopf auf dem Trottoir aufgeschlagen. Er habe sofort die Ambulanz alarmiert, G. sei sofort ins Spital gebracht worden. H. G. erinnert sich nicht mehr an den Unfall. «Ich weiss nicht, was vorher passierte. Klar ist mir nur, dass ich ganz plötzlich vom Velo gefallen sein musste», sagt die Studentin aus Ungarn, die zurzeit ihren Freund in Zürich besucht.

«Weil ich Touristin bin, musste ich sofort zahlen»

G. konnte das Spital nach kurzer Zeit wieder verlassen. Doch am Tag darauf folgte der nächste Schock: «Die Zürcher Stadtpolizei rief mich an und bat mich, auf der Wache vorbeizukommen», sagt die 20-Jährige. Der Polizist habe ihr darauf eine Busse von 250 Franken ausgestellt. «Der Grund war, dass ich durch den Sturz aufs Trottoir hätte Fussgänger verletzen können.» Da sie Touristin sei, habe sie sofort bezahlen müssen.

Fehlverhalten oder Unfall?

«Ich verstehe nicht, warum ich eine Busse bezahlen muss. Ich fuhr ja nicht unvorsichtig oder nahm den Unfall in Kauf», sagt G. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Vorfall. Beim erwähnten Betrag habe es sich jedoch nicht um eine Busse, sondern um ein Bussendepositum gehandelt, präzisiert Mediensprecher Michael Walker. «Die Polizei sammelt belastende und entlastende Fakten und rapportiert dann zuhanden des Stadtrichteramts Zürich.» Es obliege dann dem Stadtrichteramt, über die Schuldfrage und das Bussendepositum zu entscheiden.

Laut Tino Göhler, Abteilungsleiter Stab beim Stadtrichteramt Zürich, wird das Bussendepositum zur Deckung allfälliger Verfahrenskosten oder der Belangbarkeit vorbehaltlich eingezogen. «Dieses ist zulässig, wenn die Gefahr besteht, dass die Eintreibung der Busse und der Verfahrenskosten im Falle einer Verurteilung scheitern könnten», sagt Göhler. Falle der Tatverdacht und dementsprechend ein Verurteilung jedoch weg, werde das Depositum zurückerstattet. «Das Depositum kann im Grundsatz bei jeder beschuldigten Person erhoben werden, unabhängig davon, ob es sich um Touristen handelt.»

Gegenwärtig könne das Stadtrichteramt keine Aussagen zum aktuellen Fall machen. Der Fall könne erst nach dem Erhalt des Rapports von Seiten der Stadtpolizei Zürich beurteilt werden.

*Name der Redaktion bekannt.

(mm/bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maxi am 12.07.2019 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vorfinannzierung

    Ist doch wunderbar, wenn man als Privatperson den Staat vorfinanzieren muss und dann auch noch bei so einem Schwachsinn, wo die Schuldfrage nicht geklärt ist und man grundlos unter Verdacht gestellt wird.

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  • M. iller, Schweiz am 12.07.2019 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohhh... das wusste ich als Schweizer....

    .... auch NICHT - dass man eine Busse kassiert - wenn man sehr wohl nüchtern ist - aber der extremen Hitze wegen - leider ohnmächtig wird - und vom Velo aufs Trottoir fällt und dort z.B. mit dem Kopf aufschlägt! Da kann man nur von Glück reden, dass man nicht direkt vom Fahrrad nach links in die Strassenmitte gefallen ist - und dort schlimmstenfalls unter die Räder eines PW oder LKW's gefallen ist! Theoretisch "könnte" es sein, dass man beim Sturz ohnmächtig vom Velo aufs Trottoir fällt - und dadurch auf einen Menschen fallen könnte (...) Doch dem war ja sofort klar, dass dem nicht so war!!

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  • Urs am 12.07.2019 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Schweiz

    Ich entschuldige mich im Namen der Schweiz an die Ungarn. Frau vom Velo gefallen, Unfall.. Punkt Schluss Aus! Was soll dieses Theater? Gibt es noch einen Funken Menschlichkeit in diesem Land? Oder sind wir nur geldfixierte Bestien ohne Gefühle oder Einschätzungsvermögen? Kürzlich habe ich an der Tankstelle erlebt dass ein Mann wegen 10 Rappen(!) nicht bezahlen konnte. Musste alles Zeug da lassen. Ich habe ihm dann geholfen. Typisch Schweiz.. Vorschriften bla bla.. Ich wette die Polizei nützt irgend ein Schlupfloch um das Geld der armen Touristin zu behalten. Die Schweiz soll sich schämen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonymus am 12.07.2019 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    What the...

    Ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll...

  • Martin von irgendwo am 12.07.2019 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Egal was man macht...

    Auto. Moped. Fahrrad. Skateboard. Serafe. Irgendwie werden wir alle überall abgezockt.

  • Joggelibume am 12.07.2019 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation zum Erfolg..hey super..

    Ja..gönnt der Zürcher Polizei den Erfolg. Gegen Hools oder andere Kriminelle machen sie ja meistens zweiter. Da freut man sich doch ungemein über solche Erfolge.

  • Meier am 12.07.2019 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    noch alles fit ?

    Erstens hätte ich bereits am Telefon abgesagt, zweitens wenn schon Termin beim Stadtzirkus ,hätte ich den Nonsens nicht mitgemacht und hätte höchstens gefragt ob noch alles klar ist und wäre dann gegangen.

  • ulrich am 12.07.2019 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bussendepositum

    eigentlich müsste die Stadt Zürich der Touristin ein Bussendepositum bezahlen, da sie ein Troittoir unter eine von der Hitze in Ohmacht gefallene Touristin ohne Warnung gestellt und somit die Sicherheit des Kt. Zürichs gefährdet hat :-) Unglaublich auf welche Weise man noch Kohle abknöpfen möchte..