Bezirksgericht Zürich

06. Januar 2016 19:16; Akt: 06.01.2016 21:30 Print

Touristinnen unter der Dusche heimlich gefilmt

von A. Szenogrady - Auf der Suche nach der perfekten nackten Frau hat ein Schweizer heimlich Touristinnen unter der Dusche gefilmt. Eine Chinesin entlarvte den Vermieter.

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Das Bezirksgericht Zürich hat den 40-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Es war im Juli 2014, als eine chinesische Touristin in ihrer gemieteten Zürcher Wohnung unter der Dusche plötzlich erschrak. So entdeckte sie eine als Digitaluhr getarnte Minikamera, welche die nackte Frau aufgenommen hatte. Die Touristin handelte schnell und schaltete die Polizei ein. Schon wenig später nahm diese den Gastgeber fest. Es handelte sich um einen heute 40-jähigen Schweizer, der ein umfassendes Geständnis ablegte.

Der diplomierte ETH-Wissenschaftler hatte die Wohnung übers Internet zum Übernachten angeboten. Wobei er jeweils das vermietete Schlafzimmer, die Toilette und die Dusche mit versteckten Minikameras bestückt hatte. In der Absicht, sich an den Nacktaufnahmen sexuell zu erregen.

«Es war Neugier», erklärte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich und gab den Vorwurf der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte unumwunden zu. Es sei aber auch Dummheit gewesen, räumte er ein. Er hatte dabei Glück, da nur die Chinesin Strafanzeige erstattet hatte. Er sei auf der Suche nach der perfekten nackten Frau gewesen, erklärte er zu seinem Motiv. Auch im Internet.

Zwei Millionen Porno-Bilder

Tatsächlich stellte die Polizei auf seinem Computer eine gewaltige Menge von Pornodateien sicher. So hatte der Voyeur zwischen Frühjahr 2011 bis zu seiner Festnahme über zwei Millionen Bilder und Filme heruntergeladen. Über 5000 davon illegale Produkte, welche Kinderpornographie, Sodomie oder Gewaltdarstellungen beinhalteten. Durch ein spezielles Programm wurden diese Dateien weiterverbreitet. Der Beschuldigte erklärte dazu, dass er die verbotene Pornografie nicht gesucht habe. Es habe sich vielmehr um «unerwünschte Nebenprodukte» gehandelt.

Während die zuständige Staatsanwältin Sabine Tobler für den Beschuldigten eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten sowie eine Busse von 1 500 Franken verlangte, setzte sich die Verteidigung für Teilfreisprüche vom Vorwurf der Verbreitung sowie für eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen ein. Rechtsanwalt Hans Finsler sprach von einem minimalen Verschulden und stufte die Filme der Überwachungskameras als «bemitleidenswerte Resultate» ein. Der Verteidiger kritisierte auch, dass die chinesische Erstatterin der Strafanzeige inzwischen untergetaucht und nicht mehr auffindbar sei.

Vertrauen missbraucht: Hohe Geldstrafe

Das Bezirksgericht kam zu umfassenden Schuldsprüchen und setzte eine hohe, bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 150 Franken, also insgesamt 40'500 Franken fest. Es ging bei der Verletzung des Geheimbereichs von einem erheblichen Verschulden aus. So habe der Gastgeber das Vertrauen der Geschädigten missbraucht, sie bei intimen Verrichtungen beobachtet und sei professionell vorgegangen.

Die verbotene Pornographie stufte das Gericht als nebensächliche Abfallprodukte und deshalb als weniger schlimm ein. So habe der Beschuldigte in erster Linie nach der optimal schönsten Frau gesucht.

Der Beschuldigte nahm das Verdikt gefasst entgegen und hatte sich bereits in seinem Schlusswort bei allen Beteiligten des Verfahrens entschuldigt.