Zürich

09. Februar 2011 13:51; Akt: 09.02.2011 14:23 Print

Tresorverwalter im Goldrausch

von Attila Szenogrady - Ein langjähriger Tresorverwalter einer Zürcher Privatbank hat südafrikanische Goldmünzen für über 176 000 Franken gestohlen. Nun wurde der Dieb aus Altendorf verurteilt.

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Die Vorwürfe waren am Mittwoch vor Gericht nicht mehr bestritten. Der heute 62-jährige Angeklagte aus Altendorf arbeitete zwanzig Jahre lang am Paradeplatz als Tresorverwalter einer Zürcher Privatbank.

Ende 1998 schlug er zum ersten Mal zu. Er entwendete aus den Safes mehrere südafrikanische Goldmünzen namens «Krügerrand» und löste diese sogleich an einem UBS B”rsenkurs-Schalter im gleichen Haus ein.

Private Börsenverluste gedeckt

Der erfolgreiche Diebstahl rief nach Wiederholung. Fest steht, dass der Beschuldigte bis Mitte 2002 immer wieder in die Schachteln griff und insgesamt rund 400 Krügerrand-Münzen im Gesamtwert von über 176 000 Franken für sich abzweigte. Mit dem Grossteil der Beute deckte der Profidieb private Börsenverluste.

Den Rest verwendete er für einen aufwendigen Lebensstil. So leistete er sich neben einer teuren Eigentumswohnung in Altendorf ein Motorboot im Kanton Tessin.
Um sein Treiben und einen Gewichtsverlust der Schachteln zu vertuschen, ersetzte er die gestohlenen Münzen jeweils durch verhältnismässig billige Silberbarren.

Nach sechs Jahren aufgeflogen

Vor Gericht konnte sich der Angeklagte seine Diebstähle nicht mehr erklären. Fest steht, dass er 2002 mit dem Stehlen aufhörte und danach noch sechs Jahre lang bei der geschädigten Arbeitgeberin weiter tätig war.

Als das Fehlen der Münzen im Sommer 2008 doch noch bemerkte wurde, stellte sich der Angeklagte freiwillig und legte vor den Zürcher Untersuchungsbehörden ein umfassendes Geständnis ab. Er wurde entlassen und ist seither arbeitslos.

Bedingte Freiheitsstrafe

Während die Staatsanwaltschaft wegen mehrfacher Veruntreuung eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten verlangte, setzte sich die Verteidigung für eine Sanktion von neun Monaten bedingt ein.

Das Gericht setzte wegen gewerbsmässigen Diebstahls eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten fest und sprach von einem nicht mehr leichten Verschulden. So habe der Angeschuldigte das Vertrauensverhältnis zu seiner langjährigen Arbeitgeberin missbraucht, führte der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli aus.

20 000 Franken abliefern

Da sich Verbrechen nicht lohnen soll, setzte das Gericht zudem für den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil eine Ersatzforderung von 20 000 Franken fest. Nicht zuletzt soll der Mann die Gerichtsgebühr von 3000 Franken tragen.

Dabei ist er heute mittellos und hat hohe Schulden von rund 57 000 Franken. Immerhin konnte die Staatsanwaltschaft etwa 17 000 Franken beschlagnahmen. Dieses Geld soll unter anderem zur Deckung der Verfahrenskosten dienen.