Notunterkunft Adliswil

20. Dezember 2017 12:58; Akt: 20.12.2017 12:58 Print

Schwangere trotz Spital-Zeugnis ausgeschafft

Eine 21-jährige, hochschwangere Eritreerin war laut Triemli-Spital transportunfähig. Trotzdem wurde sie nach Rom ausgeschafft, ohne dass Anwältin und Angehörige informiert wurden.

storybild

In der Notunterkunft Adliswil wurde die 21-Jährige trotz Transportunfähigkeits-Attests mitten in der Nacht geweckt und in ein Flugzeug gebracht, das nach Rom abflog. (Bild: Doris Fanconi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ohne zuvor die Anwältin, den Vater oder die Schwester zu informieren, wurde eine 21-jährige Frau aus Eritrea mitsamt ihrer einjährigen Tochter mitten in der Nacht vom 13. Dezember in der Notunterkunft Adliswil geweckt und auf einen Flug nach Rom gebracht. Der Grund: Italien sei für ihr Asylverfahren zuständig. Der Transport fand statt, obwohl die junge Frau Anfang November im Stadtspital Triemli als transportunfähig eingestuft worden war, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Rund einen Monat später habe ein privater Arzt der Firma Oseara AG, die vom Bund beauftragt ist, Ausschaffungen medizinisch zu begleiten, ein erneutes Attest ausgestellt. Dieses stufte die Frau als flugfähig ein.

Triemli-Zeugnis ist bindend

Die Anwältin der Eritreerin, Lena Weissinger, ist laut Bericht empört. Ihr sei schleierhaft, weshalb das Staatssekretariat für Migration (SEM) ein zweites Attest ausstellen liess, obwohl ihr von Fachärzten ein Zeugnis für Transportunfähigkeit ausgestellt worden sei. Auch das Spital reagierte mit Unverständnis, denn ein Zeugnis, welches das Triemli ausstelle, sei bindend.

Das SEM rechtfertigt die Ausschaffung mit dem Attest des privaten Arztes, da die Oseara AG ein entsprechendes Mandat habe. Somit liege die Entscheidung der Transportfähigkeit ausschliesslich bei dieser Firma.

Laut der Anwältin hat diese Ausschaffung Auswirkungen auf die restlichen schwangeren Frauen in der Notunterkunft Adliswil – es gehe die Angst um. Weissinger: Es könne nicht sein, dass etwas Schlimmes passieren müsse, bevor erkannt werde, dass es falsch sei, eine hochschwangere Frau mit einem Kleinkind auszuschaffen.

(20 Minuten)