Bluttest angeordnet

06. September 2019 10:26; Akt: 06.09.2019 15:20 Print

Aargauer Berufsschüler ist drittes Tuberkulose-Opfer

An einer Schule in Suhr AG ist ein Mädchen an Lungentuberkulose erkrankt. Nun werden zwei weitere Tuberkulose-Fälle publik.

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Tuberkulose-Alarm im Kanton Aargau: Mindestens drei Personen haben sich mit der Infektionskrankheit infiziert. Laut Recherchen von 20 Minuten ist auch die Brugger Berufsfachschule Gesundheit und Soziales betroffen. Ein Berufsschüler hat sich mit der Infektion angesteckt, heisst es in einem Schreiben, das 20 Minuten vorliegt. Die Lungenliga hat den Tuberkulose-Fall der Schule gemeldet, worauf diese gestützt auf die Fachpersonen Massnahmen ergriffen hat. Sie hat alle Berufsschüler informiert und einen Bluttest angeordnet.

Zu einem zweiten Tuberkulose-Fall kam es an der Schule Kreisschule Mittleres Wynental ebenfalls. Schulleiter Alois Zwyssig bestätigt 20 Minuten eine entsprechende Meldung des «Blicks». «Das Kind hat sich in den Sommerferien angesteckt. Und wurde sofort behandelt.» Nun würden Tests abgewartet, die zeigen, ob sich Mitschüler angesteckt hätten.

Die Schule hat die Eltern per Brief über den Tuberkulose-Fall informiert. Auch in Suhr AG wurden Eltern per Brief über einen Tuberkulose-Fall informiert. «Ein Mitschüler der Schulklasse Ihres Kindes ist an einer Lungentuberkulose erkrankt.» Als eine Mutter diese Zeilen in einem Schreiben der Schule ihres Kindes liest, fällt sie aus allen Wolken. «Ich fühlte mich hilflos und hatte Angst um mein Mädchen.»

Autistischer Sohn zu Hause

Denn im Schreiben heisst es weiter: «Eine Ansteckungsgefahr besteht bei Personen, die mehr als 8 Stunden während der letzten 2 Monate mit der erkrankten Person in einem Raum verbracht haben. Da Ihr Kind diese Kontaktzeit zur erkrankten Person erfüllt, muss ein Bluttest durchgeführt werden, damit festgestellt werden kann, ob eine Ansteckung stattgefunden hat.»

Der Tuberkulose-Fall betrifft eine 4. Klasse der Schule Suhr. Die Mutter der Mitschülerin ist verzweifelt. Denn erst am 24. Oktober soll der Bluttest stattfinden. Bis dann herrscht Ungewissheit, ob sich auch ihre Tochter mit der Krankheit angesteckt hat, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Die Mutter sagt: «Ich bange um die Gesundheit meiner Tochter und auch um alle anderen Menschen, die in der Zwischenzeit angesteckt werden können.» Sie habe zu Hause einen autistischen Sohn, dessen Immunsystem geschwächt sei und der somit zur Risikogruppe gehöre, die sich mit der über die Raumluft übertragbaren Krankheit anstecken könnte.

«Kommunikation ist absolut ungenügend»

Ihr Sohn lebe unter Woche in einem Heim. Dieses sei von der Schule nicht informiert worden. «So etwas darf nicht passieren, denn die Krankheit könnte sich nun auch dort ausbreiten.» Zwar ist eine Lungentuberkulose behandelbar und bei 90 Prozent der Bevölkerung bricht die Krankheit nicht aus, «aber das Risiko besteht trotzdem und deshalb sind die Massnahmen zur Eindämmung und die Kommunikation der Schule aus meiner Sicht absolut ungenügend».

Gesamtschulleiterin Denise Widmer sagt zu den Vorwürfen: «Wir haben sämtliche Leute informiert, die informiert werden mussten.» Zudem seien sämtliche Anliegen, die an die Schule getragen worden seien, aufgenommen, ernst genommen und an die Fachpersonen weitergeleitet worden. «Wir haben uns bei der Kommunikation und bei den Massnahmen auf die Fachleute abgestützt, die uns eng begleiten.»

Über Luft übertragbare Krankheit

Laut dem Bundesamt für Gesundheit ist Tuberkulose mit speziellen Antibiotika über Monate meist gut behandelbar. Ohne Behandlung verläuft sie, nach einer meist längeren Erkrankung, oft tödlich. Die Übertragung erfolgt, indem eine an Lungentuberkulose erkrankte Person bakterienhaltige Tröpfchen aushustet, die dann in der Raumluft schweben und von anderen eingeatmet werden.

Eine Ansteckung ist laut dem Bundesamt erst nach zwei Monaten nachweisbar. Nur fünf bis zehn Prozent der Personen mit einer frischen Ansteckung erkranken später einmal, am ehesten innert zwei Jahren, aber durchaus auch noch nach Jahren. Gefährdet für eine frühe Erkrankung sind insbesondere Kleinkinder und Immungeschwächte.

(jen)