Zürich

08. September 2019 19:43; Akt: 08.09.2019 22:20 Print

Tuberkulose auf der Baby-Station im Uni-Spital

Monatelang ist eine Frau, die an Tuberkulose erkrankt war, im Uni-Spital Zürich ein und aus gegangen. Daraufhin mussten sich fast 300 Personen auf den Erreger testen lassen.

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Auf der Neonatologie-Station des Universitätsspitals Zürich, also der Station für Frühgeburten, ist es zu einem Tuberkulose-Fall gekommen. Das zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung». Es handelt sich bei der Patientin um eine Frau, die zwischen Juli und Oktober 2018 regelmässig ihr Baby auf der Station besucht hat. Obwohl sie auf den Erreger getestet wurde, wurde die Krankheit erst spät erkannt.

In der Folge mussten 145 Mitarbeiter, 70 Kinder und 74 Angehörige und Verwandte umfassend untersucht werden, da sie sich angesteckt haben könnten. Eine Mitarbeiterin habe sogar vorbeugende Medikamente verschrieben bekommen. Zu einer Erkrankung sei es nicht gekommen.

9 Millionen erkranken jährlich

Tuberkulose wird meist über die Luft übertragen. Die Infektionskrankheit äussert sich mittels Husten mit Auswurf und Fieber. Wird sie nicht behandelt, endet sie meist tödlich.

Tuberkulose fordert weltweit mehr Todesopfer als HIV und Malaria gemeinsam. Insgesamt erkranken jährlich 9 Millionen Menschen daran. Entwicklungsländer sind am stärksten betroffen. Allerdings trägt rund ein Drittel der Weltbevölkerung den Tuberkulose-Erreger in sich, zu einem Ausbruch der Krankheit kommt es aber nur bei 5 bis 10 Prozent.

Tuberkulose-Resistenzen bereiten Sorgen

In der Schweiz erkranken jährlich 550 Personen an Tuberkulose. Dabei handelt es sich meist um Migranten. Erst am Freitag wurde allerdings bekannt, dass die Krankheit bei drei Schülern aus dem Aargau aufgetreten ist.

Nach der Flüchtlingskrise von 2015 ist die Zahl der Tuberkulosefälle in der Schweiz angestiegen. Eine grössere Gefahr für die Bevölkerung bestehe allerdings nicht. Der Bundesrat sagte: «Die Zahl der Fälle bei Einheimischen ist seit Jahren tief.»

Eine grössere Gefahr geht allerdings von den zunehmenden Resistenzen gegen Tuberkulose-Medikamente aus. Wird eine Therapie frühzeitig abgebrochen, kann das dazu führen, dass vereinzelt Bakterien überleben und Resistenzen entwickeln. Daher ist es stets wichtig, allfällige Therapien bis zum Ende durchzuführen.

(doz)