Rabiat

28. März 2011 17:19; Akt: 29.03.2011 11:54 Print

Türsteher bricht Gast das Schienbein

von Annette Hirschberg - Weil er die Garderobennummer nicht mehr hatte und seine Jacke dennoch wollte, wurde Coskun Ediz von einem Türsteher brutal attackiert. Seither liegt er im Spital.

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Coskun Ediz hat grosse Schmerzen: Er erlitt einen komplizierten dreifachen Schienbeinbruch. (Bild: Nico Aebi, 20 Minuten)

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Feuchtfröhlich verbrachte Coskun Ediz (25) die Nacht auf Samstag im Zürcher Escherwyss Club. Doch der Abend nahm eine brutale Wende, als er gegen vier Uhr morgens seine Jacke holen wollte. «Ich hatte die Garderobennummer verloren und konnte meine Jacke nur noch beschreiben», erzählt Ediz gegenüber 20 Minuten Online.

Obwohl ihm die Leute von der Garderobe die richtige Jacke brachten, wollten sie sie ihm nicht geben. «Nicht einmal als ich meinen Hausschlüssel beschrieb, der in der Tasche war», erzählt Ediz. Da sei er wütend geworden und habe die Garderobenleute laut aufgefordert, ihm seine Jacke zu geben. Sofort eilte ein Sicherheitsmann herbei und packte Ediz wortlos von hinten. «Er griff mit der Hand in meinen Nacken und trat mir mit dem Fuss gegen das Bein», erzählt Ediz. Er habe sofort gespürt, wie sein Bein brach, und sei stöhnend umgefallen.

Vor dem Club liegen gelassen

«Ich schrie: ‹Mein Bein ist gebrochen!›, doch der Security glaubte mir nicht», erzählt Ediz aufgebracht. Der Bodyguard habe nach ihm gegriffen, ihn auf die Beine gestellt und ihn dazu gezwungen zu laufen. Als er wieder hinfiel, habe er ihn am verletzten Bein gehalten und ihn getreten. «Er sagte, ich solle aufhören, zu simulieren, dabei hatte ich grosse Schmerzen», so Ediz. Dann rief der Sicherheitsmann einen Kollegen herbei und gemeinsam packten sie den 25-Jährigen unter den Achseln und schleppten ihn, die Beine am Boden nachschleifend, nach draussen. «Ich sagte, ich hätte Schmerzen, aber das ignorierten sie», sagt Ediz. Immerhin riefen die Clubbetreiber darauf die Ambulanz. Doch sie liessen Ediz vor dem Club am Boden liegen, bis die Sanitäter kamen. «Von der Security kümmerte sich niemand um mich, ich lag einfach da und schrie.»

Im Escherwyss Club bestätigt man den Vorfall, stellt ihn aber anders dar. «Der Sicherheitsmann fasste ihm nur auf die Schulter, dabei fiel er aufs Gesäss», sagt Clubleiter Marco Cereda. Er bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass Coskun Ediz gesagt habe, sein Bein sei gebrochen. «Wir waren aber überzeugt, er simuliert.» Die Sicherheitsleute hätten Ediz darauf vor den Club getragen und dort beobachtet, bis die Ambulanz kam. Für Clubleiter Cereda ist es nicht möglich, dass der Sicherheitsmann Ediz das Bein gebrochen hat. «Vielleicht ist das beim Umfallen passiert, er war ziemlich betrunken», so Cereda.

Es muss nochmals operiert werden

Coskun Ediz hat einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch* davongetragen. Im Spital wurde er bereits einmal operiert und lag zunächst auf der Intensivstation. Doch die Ärzte sind mit dem Ergebnis der ersten Operation nicht zufrieden. «Jetzt muss ich wahrscheinlich nochmal unters Messer», sagt Ediz, der immer noch grosse Schmerzen hat.

Die Wut des 25-Jährigen auf den Betreiber und die Sicherheitsleute des Clubs ist gross. Bei der Polizeistation Aussersihl hat er telefonisch bereits eine Anzeige eingereicht. «Jetzt müssen nur noch die Beamten vorbeikommen und die Details aufnehmen.»

*Update am 29. März 2011: Der Bruch wurde ursprünglich als dreifacher Schienbeinbruch beschrieben, es handelt sich allerdings um einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. der Hirsch am 30.03.2011 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    CAS will Konsequenzen ziehen...

    ... So so, will dies die Sicherheitsfirma. Was will sie unternehmen, den Mitarbeiter für zwei-drei Monate aus dem Club nehmen und danach wieder einsetzen, oder ihn für zwei drei Monate "kündigen" um ihn anschl. wieder einzustellen?Nur damit der Kunde und die Öffentlichkeit "glaubt" sie hätten was gemacht. Alles Spielchen, die gespielt werden! Habe in meiner Kariere in diesem Job NIE erlebt, dass wegen solchen Vorfällen bei einer gewissen Firma, je wahre Konsequenzen gemacht wurden.

  • jose grenchen am 29.03.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    geschultes personal muss her...

    ich war selber jahrelang türsteher in verschiedenen clubs und kenne die security szene sehr gut. das problem ist, dass hier in der schweiz noch nicht in jedem kanton einen fachausweis für das security personal verlangt wird. ein security muss nicht nur breit aussehen sondern psychologisch auf deeskalation geschult sein. zudem sind viele von den securiys mit anabolika vollgepumpt und daher mit einem grossem agressionspotential ausgerüstet. ich war selber ein anabolika junkie und weiss von was ich spreche.

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  • züriinsider am 29.03.2011 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    zürich:

    2007: Partygast wird vor den augen der secuirtys heruntergeschlagen. er lag im koma! 2009: schlägerei in und vor dem club 3 securitys auf 1 partygast! wurde verletzt auf dem trottoir liegengelassen!! 2010: schiesserei vor club. security unternehmen nichts. 2011: schienbeinbruch in club durch security... ... dies sind "nur" einige zeitungsartikel-kurzfassungen. alle sind in zürich passiert und IMMER ist es die gleiche firma, welche die securitys anstellt! ich verlange, dass die firmen mehr geprüft werden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • michael e. am 18.04.2011 01:34 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich wird er entlassen

    Ich glaube ich lese nicht richtig! Der Türsteher bricht dem Besucher das Bein an drei Stellen, schikaniert ihn weiter, indem er ihn zum gehen zwingt und ihr verteidigt ihn? Er wollte nur seine Jacke haben, ob der Club warten MUSS oder nicht, bis alle anderen ihr Jacke haben kann sein, aber das kann man ihm auch sagen und ihn nicht zusammenschlagen. Ich würde den Typen bis aufs letzte Hemd verklagen und dem Club in der Presse das Image versauen. Mich würde interessieren, ob der Türsteher auch verteidigt werden würde, wenn das Opfer einen schweizer/deutschen Namen hätte

  • C Escher am 30.03.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Garderoben Nummer ist eine Quittung

    Ein Club MUSS verlangen, dass die Verlierer von Garderobennummern bis zum Betriebsschluss auf Herausgabe warten ohne dass der Gast das Recht hat herum zu pöbeln. Als ehemaliger Clubmitarbeiter habe ich deutlich mal für folgenden Betrug haften dürfen: A gibt Garderobe ab und gibt Freund B genaue Beschreibung der Jacke. B holt diese ab ohne Nummer (verloren). A kommt später mit Nummer und lässt sich die, natürlich extrem teure Jacke vom Club ersetzen. Die Garderobennummer ist eine Quittung und die Herausgabe des quittierten Gegenstandes muss zwingend im Austausch mit der Quittung erfolgen.

    • hans am 05.04.2011 20:24 Report Diesen Beitrag melden

      ladenschlus 4uhr!!!!

      es war ja 4uhr morgens ladenschluss na alsoo!!!!

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  • norebli am 30.03.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    selbsschuld

    Ich denke auch, dass der Türsteher nicht einfach so auf ihn losging. viele wissen ja heute nicht mehr, wie sie sich anständig verhalten sollen, oder wieviel alkohohl ihnen gut tut..Der Verletzte sollte sein eigenes verhalten anschauen, und nicht so auf selbstmitleid machen und die schuld abschieben.Klar , der türsteher hat zu stark zugeschlagen, aber es gibt eine einfache regel, wer druck ausübt, erhält druck zurück..

  • Partygänger am 30.03.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Er hat sich freiwillig vollgesoffen, also soll er auch die Folgen seines Sturzes tragen und nicht andere, unschuldige Personen anschwärzen. Die Sicherheitsleute haben nur ihre Pflicht getan und einen pöbelnden "Gast" in die Schranken gewiesen.

  • Engelchen am 30.03.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück dem Türsteher!

    Ich finde es einfach eine Frechheit, dass gewisse Leute die keine Ahnung haben was in so einem Job abgeht, sich da eine Meinung bilden. Die Leute in Zürich, werden immer schlimmer, Frecher, voll Alk und Drogen. Als Türsteher muss man sich nicht alles gefallen lassen, wo leben wir eigentlich? Dem Türsteher wünsche ich viel Glück, und ich hoffe das du deinem Job behalten kannst. Viel Glück.