Fall Mörgeli

07. Juli 2014 10:43; Akt: 07.07.2014 13:30 Print

Uni hätte Mitarbeiter besser schützen müssen

Der Datenschutzbeauftragte kritisiert die Universität Zürich. Die Uni habe im Fall Mörgeli den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt.

Bildstrecke im Grossformat »
Erfreuliche Nachricht für Christoph Mörgeli: Das Verwaltungsgericht entschied, dass die Universität Zürich ihm 17 Monatslöhne zahlen muss. (15. Dezember 2015) Am 10. September entschied das Bundesgericht, dass die Staatsanwaltschaft gegen Flurin Condrau ermitteln darf. Es wird eng für die entlassenen Professorin Iris Ritzmann: Sie muss sich wegen mehrfacher Amtsgeheimnisverletzung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat am 12. Juni 2014 gegen die ehemalige wissenschaftliche Mitarbeitern des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich (MHIZ) Anklage erhoben. Nicht nur Professorin Iris Ritzmann steht unter Beschuss: Regierungsrätin Regine Aeppli soll die Entlassung von Christoph Mörgeli laut der «Weltwoche» gefordert haben. In einer Medienkonferenz am 9. Juni 2014 wies sie die Vorwürfe allerdings zurück. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz nimmt Christoph Mörgeli Stellung zur Kritik gegen seine Amtsführung generell und zum jüngsten Vorwurf der «Rundschau», er habe als Professor minderwertige Dissertationen durchgewunken. Insgesamt sind es nicht weniger als 76 Punkte, die Mörgeli am Rundschau-Beitrag kritisiert. Den Medienschaffenden wirft er eine linke Gesinnung vor. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz nimmt Christoph Mörgeli Stellung zu den Vorwürfen gegen seine Amtsführung und kritisiert die Medienschaffenden scharf. Der über die schweren Vorwürfen gegen den Titularprofessor unter dem süffisanten Titel «Leichen im Keller des Professors». Das : Seine Vorlesung «Medizinische Museologie» fand mangels Interessenten noch nie statt. Wahl in den Nationalrat (Bild). (Bild) zum neuen Professor für Medizingeschichte. Kandidat Christoph Mörgeli kam nicht mal in die engere Auswahl. informiert die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli erst am 19. September 2012 in der «Rundschau». Einen Tag nach der Publikation von Auszügen aus dem vernichtenden Bericht legt der «Tages-Anzeiger» nach: Fachkollegen aus der Medizingeschichte kritisieren Mörgelis wissenschaftlichen Leistungsausweis: Er sei weder in der Fachliteratur noch in den aktuellen Debatten präsent. Mörgeli spricht von «Brotkorbterror» seiner «linken» Kollegen, die SVP von einer «Schmutzkampagne». Mörgelis Vertraute gibt bekannt, an einem Burnout zu leiden. Daraufhin entbrennt eine Debatte, ob Parlamentarier neben ihrem Mandat, das einer 50- bis 70-Prozent-Stelle entspricht, noch seriös ihren eigentlichen Beruf ausüben können. Mörgeli bezeichnet den Bericht über seine Leistungen als fehlerhaft und verleumderisch. Zudem beschwert er sich, dass der Bericht dem «Tages-Anzeiger» zugespielt worden ist und fordert die Uni auf, ein Disziplinarverfahren gegen seinen direkten Vorgesetzten Flurin Condrau wegen Persönlichkeitsverletzung einzuleiten. Die Uni winkt ab. Auf «Tele Züri» erklärt Mörgeli, er überlege sich, seinen Vorgesetzten Flurin Condrau zu verklagen. Gegenüber 20 Minuten Online spricht er von einem Deal, den er 1999 mit dem damaligen Bildungsdirektor (Bild) über die Arbeitszeit getroffen habe. Buschor dementiert. Die «NZZ am Sonntag» schreibt, . Gleichtags schreibt «Der Sonntag», Mörgeli werde wegen seiner Mobbingvorwürfen gegen den Vorgesetzten Condrau noch im Lauf der Woche fristlos entlassen. Die Uni widerspricht. Und die «SonntagsZeitung» macht publik, dass Berufskollegen das ehemalige Vorstandsmitglied Mörgeli aus der Fachgesellschaft SGGMN ausschliessen wollen. Mörgeli betont, dass er bis zum Erscheinen des Artikels im «Tages-Anzeiger» nichts von den harschen Vorwürfen in Condraus Bericht gewusst habe. In der «Rundschau» sagt die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (Bild), dass Mörgeli schon im November 2011 von den Vorwürfen gegen ihn ins Bild gesetzt worden sei. Ausserdem könne Mörgeli nach dem Ablauf der Gnadenfrist am 21. September seinen Job verlieren, wenn die Beurteilung seiner Leistungen negativ sei. Mörgeli widerspricht und ... ... bekommt Recht: «10 vor 10» und «Blick.ch» veröffentlichen ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Mörgeli selbst dann noch bekommt, wenn die Mitarbeiterbeurteilung am 21. zu seinen Ungunsten ausfällt. Doch nach Ansicht des (Bild) ist eine Entlassung Mörgelis am heutigen Tag theoretisch dennoch möglich: Das Personalgesetz des Kantons Zürich sehe vor, dass auf eine Bewährungsfrist von sechs Monaten in gewissen Fällen verzichtet werden kann. «Von einer Bewährungsfrist kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass sie ihren Zweck nicht erfüllen kann», so das Personalgesetz. Die Universität Zürich kündigt Christoph Mörgeli per 31. März 2013 und stellt ihn per sofort frei. (Bild) erläutert an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz, das Vertrauensverhältnis sei unwiederbringlich zerstört. Noch während der PK kündigt Mörgelis Anwalt an, gegen den Entscheid zu rekurrieren. Parodie auf Schäfchen-Plakat: Kaum war die Entlassung von Christoph Mörgeli am 21. September beschlossen, geisterte diese Satire durchs Internet. Urheber der Karikatur: die Werbeagentur «Feinheit», die auch gelegentlich Auftrage für die Uni Zürich übernimmt. Es gibt es nicht mehr den klitzekleinsten Zweifel: Die Uni Zürich entlässt Christoph Mörgeli und stellt ihn per sofort frei. Das Arbeitsverhältnis wird unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist per 31. März 2013 aufgelöst, wie die Universitätsleitung mitteilt. Zuvor hatte sie Mörgeli noch rechtliche Gehör gewähren müssen. Christoph Mörgeli will Rektor der Universität Zürich werden, wie er an einer eigens einberufenen Pressekonferenz verkündet. Mörgeli verlangt vor dem Zürcher Verwaltungsgericht, dass Uni-Rektor Andreas Fischer bei seiner definitiven Entlassung am 28. September hätte in den Ausstand treten, weil er sich bereits im Vorfeld zum Thema geäussert hatte. Bekommt Mörgeli Recht, wäre seine Entlassung nicht rechtens. Die «Rundschau» erhebt neue Vorwürfe gegen Christoph Mörgeli: Dieser soll zusammen mit Beat Rüttimann, dem langjährigen Direktor des medizin-historischen Instituts der Uni Zürich, zwischen 1994 und 2012 mehrere Dissertationen einfach durchgewunken haben. Laut einem anonymen Informanten der «Rundschau» genügte es, Texte zu übersetzen. Die Uni Zürich (Bild) will die neuen Vorwürfe gegen Mörgeli und Rüttimann untersuchen. Mörgeli seinerseits verkündet am 31. März, er werde gegen das Schweizer Fernsehen rechtliche Schritte einleiten. Am 10. April schaltet sich die «Weltwoche» ein: Der Informant der «Rundschau» sei ein Zahnarzt ohne Doktortitel, der als Doktorand bei Christoph Mörgeli kläglich gescheitert sei. Das SRF wiederum bezeichnet die Behauptung umgehend als «Falschmeldung»: Bei ihrem Informanten handle es sich «definitiv nicht um den von der Weltwoche genannten Zahnarzt». Die Universität entlässt die stellvertretende Leiterin des Medizinhistorischen Instituts, Iris Ritzmann. Sie soll der Presse vertrauliche Informationen zugespielt haben. Die Betroffene bestreitet die Vorwürfe. Andreas Fischer, der Rektor der Uni Zürich, gibt sein Amt per sofort ab. Otfried Jarren wird interimistische Rektor der Universität Zürich. Gutachter Heinrich Koller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes fuer Justiz, bestätigt die Kündigung von Titularprofessorin Iris Ritzmann.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Zusammenhang mit der Affäre Mörgeli gibt es noch mehr Kritik an der Universität Zürich: Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich ist zum Schluss gekommen, dass die Uni die E-Mail- und Telefoniedaten der Mitarbeitenden und Studierenden nicht hätte auswerten und herausgeben dürfen.

Die Universität Zürich wertete in den Jahren 2012 und 2013 grosszügig Daten ihrer Mitarbeitenden und Studierenden aus und stellte sie der Staatsanwaltschaft zur Verfügung. Damit sollte jene Person gefunden werden, welche den «Tages-Anzeiger» mit Informationen zum Medizinhistorischen Museum versorgt haben soll.

Diese Informationen führten schliesslich zur Entlassung von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli als Kurator des Museums und zum Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung gegen die mutmassliche Informantin Iris Ritzmann, die ebenfalls im Medizinhistorischen Institut tätig war.

Datenbeschaffung unrechtmässig

In einem Bericht, das am Montag veröffentlicht wurde, kritisiert der Datenschutzbeauftragte diese bereitwillige Kooperation der Universität mit der Staatsanwaltschaft. Die Uni habe den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt und damit gegen das Gesetz verstossen, schreibt der Datenschützer.

Die Universität verfüge nicht über die Rechtsgrundlage, E-Mail- und Telefoniedaten ihrer Mitarbeitenden und Studierenden auszuwerten. Diese Datenbeschaffung sei unrechtmässig gewesen. Auch die Herausgabe an die Staatsanwaltschaft sei somit als gesetzeswidrig einzustufen, da die Uni die Daten unrechtmässig beschafft habe.

Universität entschuldigt sich

Ein ebenfalls am Montag veröffentlichtes Rechtsgutachten, das vom Universitätsrat in Auftrag gegeben wurde, erwähnt aber auch entlastende Momente für die Uni: So betont dieses beispielsweise, dass sich die Uni in einem Pflichtenkonflikt befunden habe.

Schliesslich habe die Uni die Ermittlung selber ausgelöst. Zudem habe sich die Universität Zürich die Rechtmässigkeit der Daten-Herausgabe von der Staatsanwaltschaft bestätigen lassen.

Richtlinien und ein eigener Datenschützer

Die Uni gesteht in einer Mitteilung Fehler ein. Es stehe ausser Zweifel fest, dass sie sensibler hätte mit den Daten umgehen sollen. Sie entschuldigt sich «in aller Form» bei den Studierenden, den Mitarbeitenden und den betroffenen Stellen und Instituten.

Damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt, hat die Uni inzwischen Richtlinien für den Umgang mit Daten in die Wege geleitet. Diese sind aber noch nicht in Kraft, sondern bis November in einer universitätsinternen Vernehmlassung.

Zentraler Punkt dieser Richtlinien ist die Ernennung eines Datenschutzdelegierten. Diese Stelle soll «so schnell wie möglich» ausgeschrieben werden, schreibt die Universität.

Im Zusammenhang mit der Affäre Mörgeli musste die Universität Zürich in den vergangenen Monaten heftige Kritik einstecken. So warf etwa ein Bericht des Zürcher Kantonsrates der Uni-Leitung «kollektives Versagen» vor.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • VrenivomGuggisberg am 07.07.2014 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Lachnummer Uni Zürich!

    Kann man diese Uni eigentlich noch ernst nehmen?

    einklappen einklappen
  • Ron A. am 07.07.2014 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös!

    Für mich ist die Uni eine linke Institution. Offenbar hat dort das Gedankengut der weitaus grössten Partei nichts verloren. Kürzlich wurden sogar NUR diejenige Journalisten für eine Museumsführung eingeladen, welche der Uni gesinnt sind! Es ist schlicht skandalös wie diverse Instutionen (Unis, Hochschulen, Justiz, Staats-TV und -Radio) links unterwandert sind...!!!

    einklappen einklappen
  • MS-Med.hist. am 07.07.2014 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter dran bleiben Herr Mörgeli

    Ist die Affäre einmal 'angeritzt' muss sie auch bis zum bitteren Ende weiter aufgedeckt und verfolgt werden, ungeachtet der akademischen Titel, die hinter dem Komplott stehen. Schliesslich hat die Uni ZH einen Ruf zu verlieren, der eh schon arg angeschlagen ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 07.07.2014 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    AEPPLI + RICKLIN SOFORTIGER RÜCKTRITT

    Diese beiden schuldigen Frauen Aeppli + Riklin haben die Situation öffentlich angheizt und Mobing betrieben. Jetzt muss sofort gehandelt werden, d.h. sofortiger Rücktritt, das wäre das gerechte Urteil und nichts anderes.

  • Ruedi W. am 07.07.2014 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wie gewohnt.

    Wieso sich ärgern, die Linksgrünguten fragen, für die ist das, dass einzig richtige. Wer ist für DIE schon Christoph Mörgeli es ist doch ein SVPler, weder Grün, Sozi noch Gut. Also ist doch alles in bester Ordnung, gibt einem zu denken, aber so ist sie nun einmal die Einstellung unserer Linksgrünguten. Hoffentlich habe ich nicht übertrieben und all unsere Guten zu sehr beleidigt. Man weiss ja Netiquette immer schön brav und vor allem GUT.

  • MS-Med.hist. am 07.07.2014 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter dran bleiben Herr Mörgeli

    Ist die Affäre einmal 'angeritzt' muss sie auch bis zum bitteren Ende weiter aufgedeckt und verfolgt werden, ungeachtet der akademischen Titel, die hinter dem Komplott stehen. Schliesslich hat die Uni ZH einen Ruf zu verlieren, der eh schon arg angeschlagen ist.

  • Oscar-Verleiher am 07.07.2014 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Heldentat des Datenschutzbeautragten

    Heldentat des Datenschutzbeauftragten. Man hört endlich wieder mal etwas von ihm. Somit merkt man, dass er auch noch arbeitet und nicht nur kostet.

  • Ron A. am 07.07.2014 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös!

    Für mich ist die Uni eine linke Institution. Offenbar hat dort das Gedankengut der weitaus grössten Partei nichts verloren. Kürzlich wurden sogar NUR diejenige Journalisten für eine Museumsführung eingeladen, welche der Uni gesinnt sind! Es ist schlicht skandalös wie diverse Instutionen (Unis, Hochschulen, Justiz, Staats-TV und -Radio) links unterwandert sind...!!!

    • Jacky M. am 07.07.2014 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, aber

      bekannt ist das schon lange - auch wenn mans nicht sagen darf.

    einklappen einklappen