Zürich

22. Februar 2020 20:47; Akt: 23.02.2020 09:06 Print

Uni will Geldstrafen für Studierende einführen

Die Universität Zürich plant eine Anpassung der Disziplinarverordnung. Der Verband der Studierenden kritisiert das Vorhaben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Geldstrafe von 5000 Franken oder gemeinnützige Arbeit von bis zu 40 Stunden – geht es nach dem Vorschlag der Universität Zürich, soll das bald möglich sein. Die Institution plant eine Anpassung der Disziplinarverordnung, wie die «Zürcher Studierendenzeitung» berichtet. Bei den Studierenden kommt dieses Vorhaben nicht gut an.

Umfrage
Braucht es Geldstrafen an der Uni?

«Der Studierendenverband ist der Meinung, dass die Universität keine Geldstrafen benötigt», sagt Isaias Moser, Co-Präsident des VSUZH. Es gebe auch kaum Wiederholungstäter. Die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten würden ausreichen. Bisher reichen diese von schriftlichen Verweisen über den Ausschluss aus einzelnen Einrichtungen wie der Mensa bis zur Suspendierung von einem bis sechs Semester.

«Das ist einmalig»

Der Verband kritisiert auch die Maximalhöhe der Geldstrafe: «Das ist einmalig. Nach unseren Kenntnissen kennen nur zwei Universitäten in der ganzen Schweiz bisher Geldstrafen oder Bussen bei einem Maximum von 3000 Franken.» Es sei nicht ersichtlich, wie man auf eine Maximalstrafe von 5000 Franken gekommen sei.

Das Problem an Geldstrafen sei, dass diese Sanktion nicht alle Studierenden unbedingt gleichermassen treffen. «Studierende, die Unterstützung von ihren Eltern erhalten, sind von einer Geldstrafe nicht in gleicher Art und Weise betroffen wie Studierende, die nicht unterstützt werden.» Zudem habe man Bedenken, dass das Gefühl entstehen könnte, dass Studierende sich freikaufen können.

Grund für Anpassung sind Plagiate

Der Grund für die geplante Anpassung sind unlauteres Prüfungsverhalten wie etwa Plagiate, wie es bei der Universität Zürich auf Anfrage heisst. «Im Gegensatz zu früher machen diese heute die meisten Verfahren aus», sagt Sprecher Beat Müller. Die bisherige Disziplinarverordnung habe sich als relativ unflexibel erwiesen. «Es fehlte etwa an geeigneten Sanktionsformen für Personen, die das Studium schon abgeschlossen haben.»

Die wichtigste Neuerung sei die Möglichkeit einer Sanktionierung mit gemeinnütziger Arbeit von bis zu 40 Stunden. «Das gilt bei Experten als die sozial sinnvollste Sanktion. Es ist damit zu rechnen, dass sie häufig zum Einsatz kommen wird», so Müller. Da eine Arbeitsleistung aber freiwillig sei, brauche es eine alternative Sanktion – eine Geldleistung. Diese komme zudem zur Anwendung, wenn ein Ausschluss von Lehrveranstaltungen oder eine gemeinnützige Arbeit keinen Sinn machen würden.

«Finanzielle Verhältnisse werden berücksichtigt»

Beim Betrag von 5000 Franken handle es sich um eine Maximalstrafe: «In bestimmten Fällen werden selbst 5000 Franken für die angeschuldigte Person wenig sein, etwa wenn die angeschuldigte Person für das Verfassen einer Masterarbeit 10'000 Franken an einen Ghostwriter bezahlt hat.» Werde eine Geldstrafe ausgesprochen, würden die finanziellen Verhältnisse der angeschuldigten Person angemessen berücksichtigt. «Das ist in der Verordnung geregelt und gewährleistet eine massvolle Anwendung.»

In wie vielen Fällen die Geldstrafe zur Anwendung kommen könnte, könne man nicht voraussagen. «Aber sie soll ja auch eine abschreckende Wirkung erzielen.» Der Universitätsrat wird im Verlaufe des Frühlings über die Anpassung entscheiden.

(tam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ulf am 22.02.2020 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso

    Wieso wird man nicht einfach exmatrikuliert und für alle Universitäten gesperrt bei Plagiatsversuch?

    einklappen einklappen
  • Mayer am 22.02.2020 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschluss

    Wieso braucht es bei Plagiaten Bussen oder gemeinnützige Arbeit? Und nicht einfach ein direkter Ausschluss? Das sollte doch abschreckend genügend sein und ist auch gerecht.

  • PIPS F am 23.02.2020 01:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviele Studenten, zuwenig Leistung

    So wie ich den Text verstehe, sollen anscheinend Wiederholungstäter gebüsst werden. Dann verstehe ich nicht warum sich die Studenten dagegen sind. Denn sie haben ja nichts zu befürchten. Es gibt sehr wenige Wiederholungstäter . So sagt es jedenfalls der Vertretrer der Studenten. Die Uni will damit Plagiate bekämpfen. Tja, liebe Studenten, wie im richtigen Leben: Wer etwas erreichen will, muss entweder dafür bezahlen oder dafür arbeiten. There's no free lunch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Didier am 23.02.2020 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Bei Plagiaten oder Ghostwriting braucht es keine Geldstrafen oder gemeinnützige Arbeit, sondern die Aberkennung des Diplomes/Titels und ein landesweites, lebenslängliches Verbot, sich wieder zu immatrikulieren!

  • Globetrotter am 23.02.2020 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bussen absolut wirkungslos

    Wer wissenschaftliches Arbeiten mit kriminellen eigennützigen Aktionen verwechselt in dem er Pliagiate abliefert, hat an einem wissenschaftlichen Betrieb nichts mehr verlohren. x CHF Busse sind kontraproduktiv, das Plagiat war eventuell selbst schon teurer. Bussen sind damit ein Freischuss, so kann man es ja erst mal mit einem Plagiat versuchen?

  • ^^ am 23.02.2020 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    ^^

    Danke, ein sehr konstruktiver Kommentar. Ich empfehle Ihnen mal 5 Jahre Billengue ein Studium abzuschliessen, in 2 Nebenjobs wöchentlich zu Arbeiten (nicht während Bürozeiten), im Sommer als Kaderfunktion ein WK zu absolvieren und jährlich ein Praktikum zu besuchen. Aber eben, ein Studium ist leicht, man säuft jeden Abend und kassiert danach Tonnen Geld..

  • . am 23.02.2020 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnismässigkeit?

    Voraussetzungen für ein Plagiat ist von Universität zu Universität & Fakultät unterschiedlich. Während ein Laie unter einem Plagiat eine Kopie einer Aussage/Erkenntnis ohne angemessene Zitierung versteht, gilt bei gewissen Universitäten schon die falsche oder unvollständige Zitierweise einer Zweitquelle (dies sollte natürlich vermieden werden, kann aber als Fehler und ohne böse Absichten geschehen) . Somit wäre ein totaler Ausschluss von Hochschulen nicht verhältnismässig.

  • Elly am 23.02.2020 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    wo bleibt Verantwortung der Erzeuger?

    Hauptsache antiautoritär (v) erzogen. Schule und Uni können es dann schon richten.