Kloten ZH

04. Mai 2012 07:58; Akt: 03.05.2012 22:51 Print

Unschuldsversion war «absoluter Schrott»

von Attila Szenogrady - Laut Obergericht ist ein Motorradlenker trotz entzogenem Führerausweis herumgefahren und vor einer Polizeikontrolle geflohen. Die Unschuldsversion, wonach er seinen Töff ausgeliehen habe, stufte das Obergericht als völlig unglaubhaft und als «absoluten Schrott» ein.

Fehler gesehen?

Es war am 29. Mai 2009, als die Kantonspolizei Zürich auf der Autobahn bei Brüttisellen bei der Rampe Rapperswil-Zürich eine Verkehrskontrolle durchführte. Um 20.45 Uhr näherte sich ein Mann mit einem Motorrad der Marke Kawasaki. Er benahm sich seltsam. So legte er plötzlich sein rechtes Bein nach hinten. Mit dem Ziel, mittels Fuss das Kontrollschild zu verdecken. Der verdächtige Lenker geriet dabei ins Schwanken und stürzte beinahe. Worauf ihn einer der Polizeibeamten mittels Handzeichen zum Anhalten aufforderte. Doch dann folgte die Überraschung. Der Töff-Fahrer beschleunigte jäh, raste am Polizisten vorbei und suchte das Weite.

Da sich einer der Ordnungshüter die Nummern des Kontrollschildes trotzdem gemerkt hatte, verzichteten die Verkehrsbeamten auf eine Verfolgungsjagd.

Täterschaft bestritten

Die Spur führte zu einem heute 31-jährigen Bodenleger aus Kloten. Allerdings beteuerte der bosnische Familienvater zwei Wochen später vor der Polizei seine Unschuld. So habe er sein Motorrad im Wert von rund 20 000 Franken sowie seine Töff-Ausrüstung am Tattag einem flüchtig bekannten Kollegen für eine Probefahrt ausgeliehen. Dieser habe sich für einen Kauf interessiert, sei aber einfach nicht mehr aufgetaucht. Eine Ex-Freundin sei ein paar Tage später auf das parkierte Zweirad in Kloten aufmerksam geworden und habe ihn über den Fund informiert.

Phantom als Alibi angegeben

In der Untersuchung schob der Klotener die Schuld auf seinen angeblich flüchtigen Bekannten namens Enis Datic ab. Er wohne im Bezirk Uster, erzählte der Beschuldigte, konnte aber weder eine Adresse noch eine Telefonnummer des mutmasslichen Täters angeben.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland ordnete in der Folge eine DNA-Untersuchung der Töff-Handschuhe des Beschuldigten an. Mit einem klaren Ergebnis: «So kann eine Spurengeberschaft einer unbekannten Person ausgeschlossen werden», stand im Gutachten.

Die Anklagebehörde war nun überzeugt, dass der mehrfach vorbestrafte Zürcher Unterländer ein Phantom als Alibi angegeben hatte. Der Grund war dafür klar: So hatte das Strassenverkehrsamt dem Beschuldigten den Führerausweis für über zwei Jahren entzogen. Die Anklage lautete deshalb auf Fahren trotz Entzug sowie Hinderung einer Amtshandlung.

Unbedingte Geldstrafe bestätigt

Am Donnerstag stand der junge Vater vor dem Zürcher Obergericht und forderte einen Freispruch. Allerdings verweigerte er jegliche Aussage zur Sache. Im Gegensatz zu seinem Anwalt, der geltend machte, dass sein Klient bei der polizeilichen Einvernahme nicht gehörig verteidigt gewesen sei. Zudem sei die Täterschaft mangels Beweisen nicht erstellt.

Argumente ohne Erfolg. So folgte das Obergericht einstimmig und mit Überzeugung der Anklage und setzte eine unbedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken fest. Der Gerichtsvorsitzende Peter Marti nahm kein Blatt vor den Mund und stufte die Unschuldsversion des Angeklagten als «absoluten Schrott» ein.

«Die Probefahrt und Herr Enis Datic sind frei erfunden», sagte Marti. Das Obergericht habe mittels Google im Internet keinen solchen Namen in der ganzen Welt gefunden, ergänzte er. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, dass jemand sein teures Fahrzeug ohne Absicherung einer ihm kaum bekannten Person übergeben würde.

Mit diesem Entscheid haben die Oberrichter ein Urteil des Bezirksgerichts Uster vom August 2011 im Wesentlichen bestätigt. Abgesehen von einer zusätzlichen Geldbusse von 1 300 Franken. Marti warnte zum Schluss den Beschuldigten vor einem Rückfall. So muss der ehemalige Serieneinbrecher noch eine Probezeit für 21 Monate Freiheitsentzug auf Bewährung überstehen. «Zum Glück haben sie ihren Töff inzwischen verkauft», sagte Marti zum Schluss.