Wohnheim statt Jugendknast

23. März 2011 08:00; Akt: 22.03.2011 19:22 Print

Urteil des Bezirksgerichts Horgen gemildert

von Attila Szenogrady - Das Bezirksgericht Horgen hat einen 18-jährigen Albaner nach zehn Raubüberfällen und 20 Diebstählen in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht. Nun darf er wegen Wohlverhalten in ein geführtes Wohnheim einziehen.

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Obwohl der albanische Jugendliche bereits mit vier Jahren in die Schweiz gekommen war, konnte von einer Integration nie die Rede sein. Bereits im Alter von 14 Jahren beging er im Herbst 2006 im Bezirk Horgen den ersten Überfall auf einen Jugendlichen. Bis zum Oktober 2008 folgten neun weitere Raubtaten, die er vorwiegend in Gemeinden des linken Zürichseeufers verübte. Er nahm jeweils zusammen mit einigen Komplizen vornehmlich gleichaltrige Personen aus. In zwei Fällen setzte er ein Messer als Drohmittel ein. Hinzu kamen rund 20 Diebstähle, die er auf einer über ein-jährigen Flucht ausgeführt hatte.

Horgner Gericht für geschlossene Einrichtung

Im April 2009 kam es gegen den im Sachverhalt geständigen Jungkriminellen zu einem ersten Prozess vor dem Jugendgericht Horgen. Zu den Raubtaten gesellte sich ein Angriff hinzu. So hatte der Beschuldigte im Juli 2008 in einem geschlossenen Heim einen Mitinsassen so stark geschlagen, dass dessen Trommelfell riss.

Das Horgner Gericht sprach für alle Delikte nicht nur einen Freiheitsentzug von elf Monaten aus, sondern beschloss auch eine Unterbringung des Täters in einer geschlossenen Einrichtung. Ferner ordnete es eine ambulante Psychotherapie an.

Wohlverhalten belohnt

Der Angeklagte legte Berufung gegen den Horgner Entscheid ein. Einerseits betrachtete seine Verteidigung die Diebstähle als geringfügige Übertretungen.
Andererseits wollte der junge Mann die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt abwenden.

Bei den Diebstählen kam der Täter am Montag vor Obergericht nicht durch. Es hielt in seinem nun eröffneten Urteil fest, dass der Angeschuldigte zu seinem Überleben jeweils so viel wie möglich gestohlen habe. Wobei sich sein Vorsatz nicht auf eine sicher unter 300 Franken liegende Beute gerichtet habe.
Trotzdem kamen die Oberrichter bei der Strafe dem Angeschuldigten entgegen. So sahen sie von einer Einweisung des Albaners in eine geschlossene Anstalt ab. Stattdessen wiesen sie ihn in die gelockerte Vollzugsform eines geführten Wohnheims ein. Das Obergericht stützte sich dabei auf ein aktuelles Gutachten ab. Zudem verwies es auf die erfreuliche Tatsache, dass der Angeklagte schon seit rund zweieinhalb Jahren keine Delikte mehr verübt hat.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi am 23.03.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    So härzig!

    Seit rund zweieinhalb Jahren keine Delikte mehr verübt? So härzig! Ich hab seit 28 Jahren keins mehr verübt (d.h. seit meiner Geburt). Wo kann ich meine Belohnung abholen? Wo kriege ich meinen staatlichen Knuddel?

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  • Ch. Blocher am 24.03.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    danke für die stimmen

    danke herr richter!

  • E. Müller am 23.03.2011 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    So lieb

    Ist unter 300 Fr. straffrei? Das liebe Büblein kommt nun in den gelockerten Vollzug. Den richtigen Anwalt muss man haben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Monique am 24.03.2011 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Überleben gestohlen?....

    Haben wir den keine Erziehungsanstalten, wo man solche Elemente bereits beim 2. Mal einsperen kann, damit zu keinem 3. und x. Mal vorkommt? Dass der Typ 2 1/2 Jahre nicht nochmals erwischt wurde, heisst immer noch nicht, dass er wie durch einen himmlischen Wunder zum korrekten Bürger mutiert hat. Wetten, dass er im Wohheim bald seine Karriere fortsetzen wird... Realitätsfremde Richter. Da hat chreis4cop recht.

  • Ch. Blocher am 24.03.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    danke für die stimmen

    danke herr richter!

  • Peter M. am 24.03.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kuschelrichter

    Wieder mal Kuscheljustiz. Es war ja nicht nur ein einmaliger Ausrutschter sondern ein Wiederholungstäter. Deswegen harte Strafe und dann ausweisen. Aber eben nun zahlt der Steuerzahler seinen "Mist " wieder, die Kosten für das betreute Wohnen.

  • chreis4cop am 24.03.2011 02:35 Report Diesen Beitrag melden

    Richter und Justiz ?

    ich kann seit langer Zeit nur noch den Kopf schütteln, wie Richter Urteile fällen. Jeder, der sich mühsam um eine Lehrstelle bemüht ist heute der Dumme. Viel besser würde er ein paar Raubstraftaten begehen.... einfacher kommt man nicht zu einer Lehrstelle. .... aber in der Schweiz hat eben jeder eine 22igste Chance verdient!

  • Tell am 23.03.2011 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    erfreuliche Kuscheldelikte

    Und dafür hat man das Obergericht bemühen müssen,hätte da nicht der Entscheid eines Sozialarbeiters nach vollzogen werden können,es wäre aufs gleiche herausgekommen.Im Wohnheim wird er sicher weiterhin seine Kuschelstunden geniessen können.