Ungeduld und Leichtsinn

29. Juni 2011 08:00; Akt: 28.06.2011 19:00 Print

Urteil des Bezirksgerichts Uster bestätigt

von Attila Szenogrady - In Esslingen hat ein ungeduldiger Autolenker aus Oetwil am See die Sicherheitslinie überfahren und dabei den korrekt entgegenkommenden Lenker eines Motorrades schwer verletzt.

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Es war mitten am Nachmittag, als der heute 34-jährige Angeklagte am 3. September 2009 mit seinem Personenwagen von Mönchaltorf über die Usterstrasse in Richtung Esslingen fuhr. Fest steht, dass sich der im Bezirk wohnhafte Lenker dabei bald ärgerte. So geriet er in eine Kolonne, die sich wegen eines an erster Stelle fahrenden Traktors nur sehr langsam fortbewegte.

Motorradfahrer schwer verletzt

Auf dem Gemeindegebiet von Esslingen verlor der Angeklagte, der sich nun unmittelbar hinter einem Lieferwagen befand, endgültig die Geduld. Um ein Überholmanöver besser einzuschätzen, überfuhr er die Sicherheitslinie und befand sich damit teilweise auf der Gegenfahrbahn. Ein leichtsinniges Vorgehen mit massiven Folgen. So krachte er in einen korrekt entgegenkommenden Motorradlenker hinein. Der heute 57-jährige Geschädigte aus Tann wurde zu Boden geschleudert und erlitt dabei schwere Verletzungen. Er zog sich mehrere Arm-, Rippen- und Beinbrüche sowie eine massive Gehirnerschütterung und Prellungen zu.

Strafsenkung dank Reue

Im letzten Dezember musste sich der Schweizer Autolenker zuerst vor dem Bezirksgericht Uster verantworten. Wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung sowie eines groben Verkehrsdeliktes drohte ihm eine hohe, teilbedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 70 Franken. Wobei der einschlägig vorbestrafte Verkehrssünder die Hälfte von 10 500 Franken zahlen sollte. Das Landgericht kam zu umfassenden Schuldsprüchen, aber auch zu einer deutlichen Strafsenkung. So hielt es dem Beschuldigten seine aufrichtige Reue zugute. Zudem dessen mit einer Gehbehinderung verbundenen Strafempfindlichkeit. Die Strafe lautete auf eine teilbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken und 100 Franken Busse. 70 Tagessätze, also 4 200 Franken sollte der Autolenker bezahlen.

Strafe bestätigt

Da immer noch eine hohe Geldstrafe im Raum stand, ging die Verteidigung in die Berufung und setzte sich am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht für eine mildere Strafe in unbekannter Höhe ein. Allerdings vergebens. Nach einer kurzen Verhandlung bestätigten die Oberrichter die erstinstanzliche Strafe einstimmig. Für sie war die Sanktion aus Uster gar zu milde ausgefallen. Der Geschädigte hätte tot sein können, bemerkte dazu ein Oberrichter. Allerdings konnte das Obergericht aufgrund des Verschlechterungsgebotes die Strafe auch nicht erhöhen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinrich Zimmermann am 29.06.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbeschaeftigung mit wenig Sinn

    Aha dank Reue weniger bestraft ? Ich glaub wir sitzen in einem Theater, wo der Richter Regisseur spielen darf und sich als dritte Gewalt im Staat feiern laesst. Schade dass dieser nicht gleich eine Krone traegt. Frueher meinte ich immer, diese seien fuer uns da, um nach dem Rechten zu sehen, heute habe ich den Eindruck gewonnen, es handle sich um eine Selbsbeschaeftigungmaschinerie, mit guter Bezahlung, und hohem Status.

  • Marcel-André Wittwer am 29.06.2011 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Ausweis - ist der nicht weg???

    Finde ich ja toll. Gehe davon aus, dass die Behinderung dazu geführt hat, dass er den Ausweis behalten darf. Otto-Normalverbraucher hätte das Billet wohl für 3-12 Monate in der Reinigung - auch wenn er deswegen nicht mehr arbeiten könnte (Aussendienst, Servicemonteur, Chauffeur oder so).

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel-André Wittwer am 29.06.2011 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Ausweis - ist der nicht weg???

    Finde ich ja toll. Gehe davon aus, dass die Behinderung dazu geführt hat, dass er den Ausweis behalten darf. Otto-Normalverbraucher hätte das Billet wohl für 3-12 Monate in der Reinigung - auch wenn er deswegen nicht mehr arbeiten könnte (Aussendienst, Servicemonteur, Chauffeur oder so).

  • Heinrich Zimmermann am 29.06.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbeschaeftigung mit wenig Sinn

    Aha dank Reue weniger bestraft ? Ich glaub wir sitzen in einem Theater, wo der Richter Regisseur spielen darf und sich als dritte Gewalt im Staat feiern laesst. Schade dass dieser nicht gleich eine Krone traegt. Frueher meinte ich immer, diese seien fuer uns da, um nach dem Rechten zu sehen, heute habe ich den Eindruck gewonnen, es handle sich um eine Selbsbeschaeftigungmaschinerie, mit guter Bezahlung, und hohem Status.