Zürich

24. Oktober 2019 04:59; Akt: 24.10.2019 04:59 Print

VBZ dürfen Nachtnetz nicht wie gewollt ausbauen

von Jennifer Furer - Die Nachtbusse der VBZ hätten ab Dezember länger fahren sollen. Dieser Vorschlag wurde nun verworfen. Trotzdem ändert sich einiges im Fahrplan des Stadtzürcher ÖV.

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Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) wollten das Nachtnetz in der Stadt Zürich ausbauen. Sie sahen vor, dass alle städtischen, halbstündlich verkehrenden Nachtbuslinien zusätzlich um 4.30 Uhr ab der Haltestelle Bellevue abfahren. Bisher fahren die Linien von 1 bis 4 Uhr. Auch der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) prüft einen Ausbau des Nachtnetzes. In einem Bericht ist die Rede von einer Angleichung des Nachtangebots ans Tagesnetz. Das heutige System komme an seine Grenzen, sagt ZVV-Sprecher Caspar Frey. Alle Nachtzüge und Nachtbusse kämen gleichzeitig am Hauptbahnhof und Bellevue zusammen. Während die VBZ ihren Nacht- und Busbetrieb ausbauen, müssen sie wegen eines Tram-Engpasses eine Linie streichen. Per 25. November müssen die VBZ den Fahrplan ausdünnen. Konkret wird die Linie 17, die vom Albisgütli nach Werdhölzli führt, vorübergehend eingestellt. Sie wird durch anders geführte Linien 6 und 10 ersetzt. Zudem wird etwa auf der Linie 15 der Takt verändert. Unter der Woche fährt dort nur noch alle 15 Minuten ein Tram. Heute müssen die Passagiere nur maximal 7 oder 8 Minuten warten. Grund für den Engpass ist die Verzögerung der Beschaffung der neuen Flexity-Trams. Diese zieht sich wegen Einsprachen bereits vier Jahre hin. Die heutige Situation sei nicht auf eine Fehlplanung der VBZ zurückzuführen, betont Schoch, sondern auf die Einsprachen gegen die neuen Trams. «Wir haben bereits 2011 eine Ausschreibung gemacht und haben die neuen Trams 2016 erwartet.» Derzeit sei die Lage dermassen prekär, dass eine Anpassung des Fahrplans und Betriebs unumgänglich geworden sei.

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Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) müssen den Fahrplan der Tramlinien wegen ihres Fahrzeug-Engpasses ausdünnen. Anders sieht das bei den Buslinien aus. Mit dem neuen Fahrplanwechsel, der am 15. Dezember erfolgt, erweitern die VBZ ihr Angebot (siehe Box).

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Den gewünschten Ausbau im Nachtnetz können die VBZ allerdings nicht durchführen. Der Verkehrsrat des Zürcher Verkehrsverbundes hat das Begehren abgelehnt. «Der Vorschlag der VBZ wurde aufgrund der laufenden Überprüfung des Nachtnetzes im gesamten Kantonsgebiet nicht gutgeheissen, weil unter anderem auch die Betriebszeiten genauer untersucht werden», sagt Sprecher Caspar Frey.

VBZ wollten zusätzliche Abfahrt

Es sei daher nicht sinnvoll, umfangreiche Änderungen vorzunehmen, die unter Umständen mit einem neuen Konzept nicht mehr vereinbar seien und wieder rückgängig gemacht werden müssten.

Der Vorschlag der VBZ war, dass alle städtischen, halbstündlich verkehrenden Nachtbuslinien zusätzlich um 4.30 Uhr ab der Haltestelle Bellevue abfahren. Bisher verkehrten sie zwischen 1 und 4 Uhr alle 30 Minuten.

Grund für das Begehren war laut den VBZ die Angleichung des Nachtnetzes ans Tagnetz. Die heutige Fahrplanlücke zwischen dem letzten Nachtbus und den ersten Verbindungen des normalen Angebots am Morgen sei auf den meisten Verbindungen der Stadt Zürich «tatsächlich häufig grösser als ausserhalb» der Stadt.

VBZ bringen Ideen in Nachtnetz-Konzept ein

«Aus städtischer Sicht ist es bedauerlich, dass es weiterhin eine grössere Lücke zwischen dem letzten Nachtbus und den ersten Verbindungen des Tagnetzes geben wird», sagt VBZ-Sprecher Oliver Obergfell. Vor dem Hintergrund einer anstehenden, gesamthaften Weiterentwicklung des Nachtnetzes sei der Entscheid jedoch nachvollziehbar.

Auf die Frage, ob die VBZ ihr Nachtnetz nun anders ausbauen möchten, sagt Obergfell: «Die VBZ sind zwecks Detailplanung im Projektteam des ZVV zur Weiterentwicklung des Nachtnetzes vertreten und haben in dieser Funktion auch verschiedene neue Ideen eingebracht.»

Der Auftrag zur Neukonzipierung des Nachtnetzes wurde dem ZVV im März 2018 vom Kantonsrat erteilt. Zum heutigen Zeitpunkt könnten dazu aber noch keine detaillierten Informationen zum Inhalt beziehungsweise zum Umsetzungshorizont veröffentlicht werden.

Halbstundentakt für Studenten

Trotz des gescheiterten Ausbaus erfahren die Stadtzürcher Nachtnetz-Linien, die von den VBZ betrieben werden, durch den Fahrplanwechsel diverse Änderungen. Diese bringen teilweise neue Streckenführungen und veränderte Abfahrtszeiten mit sich. So wird auf der Linie N8 zwischen Bellevue und der Haltestelle ETH-Hönggerberg der Halbstundentakt eingeführt. «Damit haben insbesondere die Anwohner der Studentenwohnheime am Hönggerberg zweimal pro Stunde die Möglichkeit, nachts mit dem Bus heimzukommen», schreiben die VBZ auf der Internetseite zum Fahrplanwechsel.

Zudem wird beispielsweise die Linie N6 ab Haltestelle Bollingerweg via Max-Bill-Platz bis zum Bahnhof Oerlikon-Ost erweitert und Wallisellen erhält mit der SN8 neu eine Nacht-S-Bahn.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 24.10.2019 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Regierung sagt: Fahr mehr ÖV! Regierung sagt Nein zu mehr ÖV. Erkenne die Ironie.

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  • uschi am 24.10.2019 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach ne...

    ich will ja mal nicht so sein, aber auch hier ist bombardier der lieferant... bombardier schafft es weder züge, flugzeuge und nun auch trams noch rechzeitig geschweige den funktionsfähig zu liefern!!! wie wärs wenn man mal überall auf schweizer marken wechseln würde als auf diesen ausländischen mist?!?! klar sie erstellen mal schnell hier ein werk damit es ja auch in der schweiz produziert wird aber dann ziehen sie wieder ab... überlegt doch einfach ob ihr zukünftig noch bombardier produkte wollt!!!

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  • Robin am 24.10.2019 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Emmental egal?

    In Burgdorf fährt der letzte Bus um 19:00. Unglaublich und das in einer Stadt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Campos am 25.10.2019 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Gleis Bauer am 24.10.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gleis 13

    Kann die SBB nicht wöchentlich 7 Tage die Woche 365 Tage im Jahr -stündlich und pünktlich Zug um Zug aufgleisen? Bis das gelingt; morgens um 6 ohne Erste Klasse wäre schon mal ein Anfang!

  • Globi am 24.10.2019 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache feiern

    Ganz wichtig. Macht doch die Nacht noch mehr zum Tag. Egal ob die Anwohner der Nachtbuslinien bei jeder Vorbeifahrt aus dem Schlaf gerissen werden. Die Dinger sind echt laut und schwer.

    • K Stein am 25.10.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Globi

      die Nachtbusse sorgen vor allem dafür dass weniger Blaufahrer unterwegs sind. außerdem müssten allfällig statt einem Bus mehrere andere Fahrzeuge (Taxis, Eltern oder Freunde) fahren, das ist allemal lauter und klimaschädlicher als ein Bus alle 30min.

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  • H. Cheng am 24.10.2019 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Echt ätzende Zustände!

    S-Bahnhöfe in der Agglo sind inzwischen No-Go-Zonen, dank dem erweiterten S-Bahn Netz und Nachtnetz leben die Kids ihre Gewaltfantasien und ihre aufgestauten Aggressionen schön im anonymen Zürich aus. Sie denken, hier kennt sie keiner, praktisch dann wieder nach Hause ins Agglokaff und den Lieben spielen! - Wir Zürcher meiden den See nach Einbruch der Dunkelheit.

  • MadChengi am 24.10.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Auffangbecken - Ausgang

    Es reicht schon was uns die S-Bahn Erweiterung zwischen 06h-24h an netten Zeitgenossen in die Stadt schwemmt!