Petri Unheil

02. Februar 2010 13:34; Akt: 02.02.2010 18:28 Print

Vernichtendes Hechturteil für Tierschützer

Ein Angler zog vor einem Jahr einen 116-Zentimeter-Hecht aus dem Zürichsee. Obwohl er fachgerecht angelte, musste er sich heute wegen Tierquälerei vor Gericht verantworten. Der Riesenhecht wurde aber zum kapitalen Flop des Zürcher Tierschutzes und des Tieranwalts Antoine Goetschel.

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Wer einen kapitalen Hecht aus dem Zürichsee zieht, gehört laut dem Zürcher Tieranwalt Antoine F. Goetschel vor den Richter. Dort, vor dem Horgener Bezirksgericht, landeten er und der angeklagte Hechtangler P. G. heute. P. G. solle wegen Tierquälerei mit mindestens 6 Tagessätzen und einer Busse von 200 Franken bestraft werden. Immerhin sollte ein bedingter Vollzug bei einer erfolgreichen Bewährung von zwei Jahren eingeräumt werden.

So standen heute der Fischer P. G. und der Zürcher Tieranwalt vor dem Horgener Richter. Nicht weniger war zu klären, als die Frage, ob die Angelei mit Haken und Schnur grundsätzlich eine Tierquälerei darstellt.

Der traurige Umstand der Horgener Verhandlung begann mit einem - aus Sicht des Angeklagten - absoluten Glückstag. Bei stürmischem Wetter und aufgewühltem Wasser zog P. G. am 10. Februar 2009 in Horgen einen kapitalen Hecht an Land: 22 Pfund, 116 Zentimeter, notierte der Fischer stolz. Einträge in Internetforen folgten, der Angler wurde beglückwünscht. Doch dann nahm die Geschichte eine stürmische Wendung.

Zeitungsartikel brachte Tierschützer auf Trab

Ein Zeitungsartikel im «Tages-Anzeiger», in dem der Angler von seinem Fang schwärmte, wurde auf der Seite der Tierschützer ganz anders ausgelegt: «Gemäss dem «TA»-Bericht wurde ein 22 Pfund schweres, hoch entwickeltes Wirbeltier während zehn Minuten einem Todeskampf, verbunden mit Schmerzen, Leiden und Schäden (Angelhaken) ausgesetzt», begründete der Zürcher Tierschutz.

«Enormer Belastungskampf für den Hecht»

Aufgrund dieses Artikels verlangten die Zürcher Tierschützer ursprünglich sogar noch eine weit drakonischere Strafe von 45 Tagessätzen und einer Busse von 500 Franken, da der Fischer in Kauf nahm, dass das Tier Todesqualen erlitt. Der Tieranwalt hielt in einer Stellungnahme fest: «Der Beschuldigte hätte als erfahrener Fischer die enorme Belastung für den Hecht erkennen und den Todeskampf verhindern bzw. den Fangvorgang beenden müssen.»

«Nie mehr Angeln ohne Rechtschutzversicherung»

Es stellte sich die Frage, wie ein Fisch geangelt und anschliessend verspeist werden soll, ohne das Tier in einen Todeskampf zu verwickeln. Sofort gingen die Wogen in Anglerkreisen hoch. In Foren wurde heiss diskutiert, ob der Tieranwalt und die Tierschützer von sämtlichen guten Geistern verlassen worden seien. Schliesslich wurde nicht weniger als die Angelei in seiner Gesamtheit zur Debatte gestellt. Zahlreiche Anglerkollegen empfahlen, sich nie mehr ohne eine ausreichende Rechtsschutzversicherung an den See zu stellen.

Angler in die Mangel genommen

Angler G. wurde im Laufe des Verfahrens aufgeboten und vom Staatsanwalt auf unsachgemässe Techniken, verwendete Schnurstärken und allenfalls unnötig verlängertes Leiden in die Mangel genommen. Der Staatsanwalt wurde aber nicht fündig und kam am 12. November 2009 zum Schluss: «Im Verlauf der Untersuchung ergaben sich keinerlei Hinweise, wonach der Angeschuldigte den Hecht in gesetzeswidriger Weise getötet hat.»

Nachdem sich der erfolgreiche Fischer und der Tieranwalt nicht einigen konnten, beschloss der Staatsanwalt, den Richter über den kapitalen Tierschutzfall zu befragen. Der kam heute in Horgen zu einem vernichtenden Urteil für den Tieranwalt und gab dem beschuldigten Angler in allen Punkten Recht. P. G. habe bei seinem Fang weder gegen das Fischereigesetz noch gegen die Tierschutzverordnung verstossen. Der Fischer habe keine Möglichkeit gehabt, den Hecht besser zu behandeln. Auch das Durchtrennen der Angelschnur hätte den Fisch nicht von seinen Qualen befreit, entschied der Richter. «Es ist beruhigend, dass es noch Leute mit einer gesunden Einstellung gibt», sagt Daniel Luther zu 20 Minuten Online, Chefredaktor von Petri-Heil, der während dem Prozess anwesend war.

Jubelrufe der Angelfreunde

Das Interesse an der Gerichtsverhandlung war riesig. Vor allem Hobbyfischer verfolgten den Prozess, der ein richtungsweisendes Urteil für Ihre Tätigkeit erwarten liess. Wo die Sympathien im Publikum lagen, wurde spätestens beim Verlesen des Urteils unter lautem Jubelgebrüll der versammelten Petri-Jünger klar.

(voi)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabi am 03.02.2010 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Prioritäten

    Ich bin Hobby-Fischer und habe gar kein Verständnis für Herrn Goetschel. Es wird weiterhin mit Staaten geschäftet die Menschen industriell ermorden, gleichzeitig darf nicht mal dem friedlichen Hobby Fischen gefrönt werden ohne das man vor eine Anzeige Angst haben muss. Tierschutz ist zwar wichtig, aber nicht in jedem Fall

  • Motzitom am 28.02.2010 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte ?

    Das ist wohl ein Witz ? Ich bin ja für den Tieranwalt, aber hier übertreibt er es gewaltig, oder würde er einen Orca verklagen, weil sie ihre Beute zuerst herumwerfen, statt gleich zu töten ? Oder die Katze, welche die Maus ihren Jungen hinlegt ? Da gibt es wichtigeres, Herr Goetschel

  • U.N am 03.02.2010 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    eine Frage fehlte mir im Interview...

    Herr Antoine F. Goetschel, essen sie Fisch?

Die neusten Leser-Kommentare

  • barbaramarrer am 09.07.2010 03:01 Report Diesen Beitrag melden

    tierarzt für bedürftige keine p raxis

    der tierarzt der stadt zuerich,der fuer beduerfdige menschen mit tieren behandelt zum groessten teil gratis,hat nicht mal einen raum zur verfuegung wo er die tierchen artgerecht sauber,mit allem was dazu gehoert (roentgen,apparate zum sterilisieren der instrumente)behandeln kann.fuer das hat die stadt kein geld?das reiche zuerich kann nicht mal eine raeumlichkeit zur verfuegung stellen?der tierarzt muss in einem kleinen hunde salon praktizieren.eine schande ist das!!!

  • Motzitom am 28.02.2010 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte ?

    Das ist wohl ein Witz ? Ich bin ja für den Tieranwalt, aber hier übertreibt er es gewaltig, oder würde er einen Orca verklagen, weil sie ihre Beute zuerst herumwerfen, statt gleich zu töten ? Oder die Katze, welche die Maus ihren Jungen hinlegt ? Da gibt es wichtigeres, Herr Goetschel

  • Tom am 25.02.2010 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    und nun?

    Jetzt war es Trester den die Hunde in ihrer Gier gefressen haben. Wo bleibt die Entschuldigung?

  • Felix Brechtbühl am 11.02.2010 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Auflage für die Fischer

    Um der Vorstellung des Herr Goetschel Gebüge tun zu können, ist es unerlässlich, dass die Fischereiverwaltung ab sofort verlangt, dass sämtliche Fischer mit einer Stoppuhr ausgerüstet ans Wasser gehen, die Drilldauer muss eingehalten und registriert werden.

  • Harry A am 10.02.2010 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Moral aufzwingen?

    Zu behaupten das einem anderen Menschen soziale Kompetenz fehle nur weil dieser ein anderes Weltbild für sein handeln zugrunde legt ist ja wohl der eindeutige Beweis das es mit der eigenen Toleranz nicht weit her ist. Der Mensch als Carnivor ist in die Nahrungskette dieser Welt integriert und hat wie jedes andere Raubtier auch die moralisch einwandfreie Rechtfertigung sich seine Nahrung zu erjagen. Ob man dies in der Tiefkühltruhe des Supermarkts tut oder in der Natur spielt im Endeffekt ja wohl keine Rolle sofern die gesetzlichen Regularien eingehalten werden.