Fall Rupperswil

02. März 2016 14:33; Akt: 02.03.2016 18:05 Print

Verraten Handy-Daten Vierfachmörder?

Wer sich zum Tatzeitpunkt des Vierfachmords von Rupperswil in der Nähe aufhielt, gerät ins Visier der Aargauer Ermittler. Sie werten die Handy-Daten aus.

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Dieses neu veröffentlichte Bild zeigt Carla S. am Tag ihrer Ermordung am Bancomaten der Hypothekarbank Rupperswil. Bisher hatte die Polizei nur dieses Bild des 48-jährigen Opfers Carla S. veröffentlicht, das sie in der Filiale der Aargauischen Kantonalbank in Wildegg zeigt. Die gefundenen DNA-Profile erzielten keine Treffer in den Datenbanken: Aargauer Ermittler und Staatsanwälte informierten in Schafisheim AG. (18. Februar 2016) «Wir wollen nicht alles, was wir wissen, veröffentlichen»: Der leitende Staatsanwalt des Kantons Aargau, Philipp Umbricht, an der Medienkonferenz. Die Ermittler führten rund 110 Einvernahmen durch, die Auswertung der Dash-Cam-Aufnahmen ist noch im Gang: Barbara Loppacher, Leiterin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau. Eine Sonderkommission aus rund 40 Leuten ist an dem Fall dran, so viele wie noch nie (v.l.): Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. Das Interesse war gross: Medienschaffende in Schafisheim AG. Die Aargauer Behörden liessen Fahndungsaufrufe in verschiedenen Sprachen drucken. (18. Februar 2016) Trauernde sind auf dem Weg zum Gedenkgottesdienst für die Opfer des vierfachen Mordes in Rupperswil. (8. Januar 2015) Vor der Kirche stehen Blumenkränze bereit. (8. Januar 2016) Im Gedenken an die Nummer 9: Die C1 Junioren des FC Aarau widmeten ihrem ermordeten Team-Mitglied einen Sieg. Sein Trikot war immer dabei. Tiefe Betroffenheit: Gemeindeammann Ruedi Hediger versucht, die Stimmung in Rupperswil zu erklären. (Archiv) Die Dorfidylle ist vorbei: Rupperswil ist nach der Bluttat mit vier Toten über Nacht im ganzen Land bekannt geworden. Diese Wohlener Apotheke sollen am Tag der Tat zwei Unbekannte mit Schnittwunden betreten haben. Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt: Die Aargauer Kantonspolizei mit Rechtsmedizinern und Forensikern am Tatort. Mithilfe der Bevölkerung: Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, hält das Flugblatt mit dem Zeugenaufruf in der Hand. (24. Dezember 2015) Kantonspolizisten suchen an Weihnachten das Gespräch mit den Dorfbewohnern. Die Einwohner haben viele Kerzen im Haus, wo die Opfer gefunden worden sind, hinterlegt. Es ist ein Tötungsdelikt: Die vier Personen, die am Montag in Rupperswil AG nach einem Brand tot in einem Wohnhaus aufgefunden wurden, sind Opfer eines Kapitalverbrechens. Im Hausteil, in dem sich der Brand ereignet hatte, wohnte eine Mutter mit ihren zwei Söhnen im Alter von 13 und 19 Jahren. Die Polizei ermittelte in alle Richtungen, jetzt ist klar: Die Opfer wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf, der Brand wurde absichtlich gelegt. Der Brand im Einfamilienhaus konnte von der Feuerwehr rasch gelöscht werden. Die Polizei befragte in der Nachbarschaft die Anwohner. Ein Feuerwehrauto auf der Lenzhardstrasse in Rupperswil AG, wo sich der Wohnungsbrand ereignete. (21. Dezember 2015) Spurensuche: Ein Polizist leuchtet mit einer Taschenlampe in einen Schacht. (21. Dezember 2015)

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Bei der Aufklärung des Vierfachmords von Rupperswil lassen die Ermittler nichts unversucht: An einer Medienkonferenz vor zwei Wochen teilten die Aargauer Ermittlungsbehörden mit, dass sie Täter-DNA sichergestellt hätten, und lobten 100'000 Franken Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täterschaft führen.

Was sie nicht erwähnten: Bereits im Dezember hatte die Staatsanwaltschaft bei den Mobilfunkanbietern die Daten der Handybenutzer angefordert, die zum Tatzeitpunkt bei einer Antenne in der Nähe registriert waren. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sandra Zuber, sagt zu 20 Minuten: «Im Verlauf des Januars wurden uns die Daten zur Verfügung gestellt, und seither sind mehrere Mitarbeiter der Sonderkommission daran, diese Daten aufzubereiten und zu analysieren.»

Personen werden überprüft

Akribische Kleinarbeit für die Ermittler. Denn eine Antenne erfasst stündlich hunderte Handynummern und deren Besitzer. Zuber sagt: «Wir gehen davon aus, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu einer grösseren Anzahl von Personenüberprüfungen führen werden.» Wie viele Handynummern die Ermittler überprüfen, konnte die Sprecherin nicht bekannt geben. Das Aargauer Zwangsmassnahmengericht habe dem Antrag der Strafverfolgungsbehörden zugestimmt.

Die Auswertung erschweren dürften die beiden Autobahnen und die Bahnlinie, die in der Nähe des Tatorts verlaufen. Ob und wie Daten von Personen, die sich dort befanden, in die Ermittlungen einfliessen beziehungsweise eliminiert werden können, wollten die Behörden nicht bekanntgeben.

Bei einem der schwersten Gewaltverbrechen im Kanton Aargau wurden die 48-jährige Carla S.*, ihre Söhne Davin (13) und Dion (19) sowie dessen Freundin Simona F.* (21) ermordet. Die Opfer waren mit Kabelbindern gefesselt und wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf.

Auswertung auch im Fall Emmen

Es ist nicht der einzige Fall in der Schweiz, bei dem mit diesem Mittel nach der Täterschaft gesucht wird. Auch im Vergewaltigungsfall von Emmen forderte die Luzerner Staatsanwaltschaft die Daten der Handybenützer an. Dort ist die Liste mehrere tausend Telefonnummern lang: Die Antenne in der Nähe des Tatorts liegt auch unweit einer Autobahn.

Auch dort sollen die Nummern und Besitzer in akribischer Kleinarbeit überprüft werden. Im Einzelfall könnten unter anderem Alibi-Abklärungen, Befragungen oder auch DNS-Tests durchgeführt werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Simon Kopp.

DNA sichergestellt

Ein Unbekannter hatte am 21. Juli 2015 bei Emmen an der Reuss eine 26-jährige Frau vom Velo gerissen und in einem nahen Waldstück vergewaltigt. Die Frau erlitt bei dem Überfall schwerste Verletzungen. Ihre Arme und Beine sind seither laut den Behörden komplett gelähmt.

Die Ermittler konnten unter anderem an den Kleidern des Opfers die mutmassliche DNA des Täters sicherstellen. Gemäss der vagen Beschreibung des Opfers ist der Gesuchte ein 19 bis 25 Jahre alter Raucher mit dunklem, gekraustem Haar.

*Namen der Redaktion bekannt

(num)