Winterthur

08. Juli 2016 06:22; Akt: 08.07.2016 10:27 Print

Vertreibt dieser Roboter die Männer vom Grill?

Wer beim Grillieren vor lauter Bier jeweils vergisst, die Würste zu wenden, der kann die Arbeit vielleicht dereinst einem Roboter überlassen. Allerdings hätte das seinen Preis.

Video:
Fehler gesehen?

Wenn es einen Ort gibt, wo Männer noch richtig Männer sein dürfen, dann am Grill. Die Werbung verklickert es uns jeden Sommer wieder aufs Neue: am offenen Feuer für die ganze Familie grosse Fleischstücke braten, über die beste Marinade fachsimpeln, die Bierflasche stets im Anschlag. Die Botschaft ist unmissverständlich: Grillieren ist Männersache.

Umfrage
Würden Sie das Grillieren gerne an einen Roboter delegieren?
9 %
15 %
12 %
57 %
7 %
Insgesamt 193 Teilnehmer

Noch. Denn Florian Mühlethaler (27), Oliver Heiniger (27), Bruno Zimmermann (25) und Michael Suter (30) – vier Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur – haben im Rahmen von zwei ineinandergreifenden Bachelorarbeiten einen Grillroboter entwickelt. Dieser schnappt sich das Grillgut, legt es auf den heissen Rost, wendet es nach Bedarf und nimmt es rechtzeitig wieder weg.

Roboter-Würste am Bahnhof

«Die Männer werden deswegen aber nicht vom Grill im eigenen Garten vertrieben», sagt Mühlethaler, der an der ZHAW Systemtechnik studiert hat. «Vielmehr aber könnte der Roboter dereinst an einem Take-away-Stand zum Einsatz kommen.» Denn für den Hausgebrauch sei ein solcher Roboter zu teuer. Der Prototyp habe einen Wert von rund 35'000 Franken.

Die Idee dazu stammt von einem Industriepartner der ZHAW, das Geld von Investoren. Letztere sehen laut Mühlethaler durchaus Potenzial: «Ihre Vision ist, dass es dadurch wieder mehr fix installierte Wurststände etwa bei Bahnhöfen gäbe, die mit einem Grillroboter betrieben würden.» Bestellen und bezahlen könnte man per App. «Da jemand den Roboter reinigen und warten muss, entstünden so Arbeitsplätze», sagt Mühlethaler.

Mehr als 2000 Arbeitsstunden

In die Entwicklung haben er und seine drei Mitstudenten seit Februar mehr als 2000 Arbeitsstunden investiert. Es galt unter anderem, den Roboter zu programmieren. «Die flippende Bewegung der Greifer simuliert das, was die menschliche Hand beim Wenden des Grillguts macht», sagt Mühlethaler. Zudem erkennt die integrierte Kamera nun etwa eine Olma-Bratwurst.

«Unser Wunsch wäre es gewesen, dass die Kamera anhand des Bräunungsgrades sogar weiss, wann es Zeit zum Wenden ist», sagt Mühlethaler. Doch weil beispielsweise Kalbsbratwürste gerne aufplatzen, sind sie dadurch wieder vielerorts weiss und der Roboter interpretiert dies falsch. «Um dies zu umgehen, hätten wir ihn mit Tausenden Fotos füttern müssen.»

Er kanns nur mit Würsten

Zumal es noch ein weiteres Problem gab: Eine aussen braune Wurst kann innen noch kalt sein. Darum ist nun die Temperatur entscheidend. Der Grill muss 450 Grad heiss sein, dann benötigt eine Olma-Bratwurst sechs bis acht Minuten, dabei wird sie einmal vom Roboter gewendet. Am Ende steckt dieser einen Fühler in die Wurst und schaut, ob die Kerntemperatur 70 Grad erreicht hat. «Trifft dies zu, ist die Wurst gar.» Vorerst kann der Roboter nur Würste grillieren. Mühlethaler: «Steaks und dergleichen brauchen einen anderen Greifer und ein anderes Wendekonzept – beides müsste erst entwickelt werden.»

Für den Zürcher Sternen-Grill-Mitinhaber Thomas Rosenberger ist der Roboter zwar eine lustige Idee: «Aber der Kollege ist ein bisschen langsam.» Denn bei ihnen gingen bis zu 200 Würste pro Stunde über die Theke. «Zudem ist Gastronomie etwas Emotionales – deshalb braucht sich bei uns kein Mitarbeiter Sorgen zu machen, den Job an einen Roboter zu verlieren.»

Grillroboter-Vorführung: am Freitag, ab 18.30 Uhr an der Nacht der Technik der ZHAW School of Engineering sowie am Samstag, von 11 bis 15 Uhr bei M+S Automation, beides in Winterthur.

(rom)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 08.07.2016 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt viele dinge...

    ...auf der welt, die kein mensch braucht. jetzt gibt es eines mehr...

  • maurin am 08.07.2016 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt das Grillgefühl

    Man kann auch an einem Openair ins Hotel schlafen gehen. Aber das Gefühl ist anders und nicht dasselbe. Grillen ist nur echtes Grillen ohne Roboter. Der Roboter kanns nur mit Würstchen, das gibt sicher lustige Unfälle nicht mit Grillwürstchen sondern anderen (-:

  • S.A. am 08.07.2016 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsaufteilung

    Grillieren ist eine tolle Arbeit. Auf die würde ich nicht verzichten wollen. Der sollte besser den Grill putzen und anschliessend sich selber :-) Also weiter, Jungs!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gabriel Strebel am 09.07.2016 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wurstroboter

    Der Wurstroboter ist zwar interessant. Habe an der Gotthardtunneinweihung ein Grillrad gesehen, das das wesentlich effizienter macht und kostet nur ein Bruchteil davon. Der Roboter ist eine Träumerei.

  • G. Rill am 08.07.2016 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklicher Gedanke

    Sicher eine tolle Engineering-Übung. Ich grille weiterhin selber. Grillen ist nicht nur Wurst auflegen! Kann der Robi ein vernünftiges Feuer machen? Es entschleunigt und entspannt. Dazu ein Schwatz mit Freunden und ein Bier in der Hand. Als Grill-Reiniger hätte das Ding eine Chance, oder auch nicht. PS: mein Jüngster hat der Roboter fürs Raclett entwickelt. Der ist aber richtig praktisch.

    • Best Children am 09.07.2016 02:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Rill

      Und mein Jüngster hat einen Roboter fürs Plagieren konstruiert, der ist auch super-praktisch. So muss ich nicht immer überall erzählen, wie hochbegabt und speziell meine Kinder sind.

    • Jeannine (42) am 09.07.2016 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Tolle Erfindung

      @best children ... Du weisst ja, dass es keinen solchen Roboter gibt, weil diese nur einfache mechanische Bewegungen ausführen. Insofern dürfte der Raclett-Roboter Erfolg haben. Meine Tochter (9) hat einen Roboter entwickelt und zur Serienreife gebraucht der stundenlang den Goldhamster dreht, damit dieser nicht die ganze Nacht im Rad rumrennen muss. Das nimmt ihn recht mit, sodass er danach stundenlang in seiner Ecke schläft. Der neue Roby Mark Ii ist in 2 Monaten fertig. Bei dem ist die Tourenzahl stufenlos einstellbar. Der aktuelle Roby Mk 1 hat nur 1 Tourenzahl. 130o umdrehungen / Min

    einklappen einklappen
  • Dani am 08.07.2016 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Braucht die welt nicht

    Mal nachgedacht vom rauch fett irgendwann muss man diesen roboter auch reinigen.

  • Martial Kohler am 08.07.2016 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Roboter bitte...

    Entweder man hat Freude am grillieren, oder man lässt einfach einen Grillmeister kommen. Kostenpunkt 75 CHF/Std, plus Verpflegung...!

  • Simba74 am 08.07.2016 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur Würste?

    wir reden weiter wenn er Rindshuft im Griff hat :-)