Zürcher Obergericht

10. April 2012 21:02; Akt: 10.04.2012 23:02 Print

Vier Jahre für Menschenhandel gefordert

von Attila Szenogrady - Ein Sihlquai-Zuhälter soll als Menschenhändler eine ungarische Roma-Prostituierte gequält und geschlagen haben. Er soll dafür vier Jahre hinter Gitter. Die Verteidigung sieht es anders.

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Laut Anklage hat der heute 41-jährige Bauarbeiter aus Zürich eine 22-jährige Roma-Prostituierte aus Ungarn in seine Abhängigkeit gebracht und ab Herbst 2009 auf den berüchtigten Strassenstrich am Sihlquai geschickt. Der beschuldigte Kosovo-Albaner sackte dabei bis auf geringe Beträge die gesamten Einnahmen der Frau für sich ein und schüchterte die Geschädigte wiederholt ein.

So drohte er der 22-Jährigen, ihr Elternhaus mit ihrer gesamten Familie mit einer Bombe in die Luft zu jagen. Der Zuhälter flog erst auf, als er im November 2009 an der Konradstrasse sein Opfer nach einem Streit aus dem Personenwagen eines mutmasslichen Freiers riss und danach verprügelte.

Bezirksgericht verneinte Menschenhandel

Vor einem Jahr musste sich der wegen gewerbsmässigen Menschenhandels, Förderung der Prostitution, Nötigung und weiteren Delikten zuerst vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Die zuständige Staatsanwältin Silvia Steiner verlangte schon damals aufgrund eines erheblichen Verschuldens eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie eine ebenso unbedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 30 Franken. Die Verteidigung forderte dagegen Freisprüche von den Hauptvorwürfen und die Haftentlassung ihres Klienten.

Das Bezirksgericht verneinte einen Menschenhandel. Hingegen lastete es dem Beschuldigten neben der Förderung der Prostitution auch Nötigung sowie weitere Nebendelikte an. Es verurteilte den vorbestraften Zuhälter zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten. Verbunden mit einer unbedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 10 Franken. Zudem wurde er verpflichtet, der Geschädigten ein Schmerzensgeld von 2000 Franken zu bezahlen.

Zweiter Schlagabtausch

Beide Parteien waren mit dem Urteil nicht zufrieden und legten Berufung ein. Beide Seiten lieferten sich am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht einen zweiten Schlagabtausch. Die Fronten blieben weiterhin verhärtet.

Während die Staatsanwaltschaft weiterhin einen Schuldspruch wegen Menschenhandels und vier Jahre Freiheitsentzug forderte, setzte sich die Verteidigung weiter für Milde ein. Das Obergericht machte es spannend, da es auf ein öffentliches Urteil verzichtete. Es wird den Entscheid den Parteien aber demnächst schriftlich zustellen.